Volltext : Geschichte des schwäbischen Stammes bis zum Untergang der Staufer

Il. Der Einbruch über die römischen
Grenzwehren.

Aber auf die Dauer erwies sich das Römerreich doch
nicht mehr imstande, seine Außenlandschaften zu schützen.
Die Reichsbewohner, nicht mehr für den Kriegsdienst vorgebildet,
 waren von der Willkür der aus Söldnern bestehenden
 Legionen abhängig geworden, welche die Kaiser erhoben
und stürzten, wie es ihnen Vorteil zu bringen versprach. Im
sechsten Jahrzehnt des 3. Jahrhunderts wurde die Gefahr
übermächtig. Als in den Streitigkeiten der römischen Thronanwärter
 die Legionen zur Entscheidung der Kämpfe nach
Italien weggezogen waren, rüsteten sich die Germanen zu
neuen Angriffen. Die Völkerschaften entlang dem rechten
Ufer des mittleren und unteren Rheins schlossen sich, dem
Vorbild der Alamannen folgend, zu dem neuen Stamme der
Franken zusammen. Im Osten wurden die Landschaften des
Reichs von Raubzügen der Goten heimgesucht. Zwischen
dem Oberlauf der Flüsse Euphrat und Tigris waren die Perser
unter dem Sassaniden Schapur siegreich vorgedrungen; der
tüchtige Kaiser Valerian unternahm es, hier das Reich zu verteidigen,
 mußte sich aber 253 dem Perserkönig als Kriegsgefangenen
 ergeben. Den Westen hatte er seinem Sohne
Gallienus überlassen, der gegen die Germanen spätestens
schon 254 kämpfen mußte und wiederholt Siege über die
in Gallien eingedrungenen davontrug. Während dieser
selbst an der Donau weilte, um einen von den pannonischen
Legionen ausgerufenen Prätendenten zu bekämpfen, wurde
der von ihm mit dem Schutze Galliens betraute Posthumus
am Rhein als Kaiser ausgerufen; Gallien behauptete sich unter
diesem und seinen Nachfolgern 15 Jahre lang selbständig.
In solcher Wirrnis brachen die Feinde des Reiches überall
los; während die Perser Syrien besetzten, die Goten Klein-
            
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