Volltext : Bildersaal deutscher Geschichte

des, von ekler Speise sich nährend (siehe Bild S. 250); dazu durch—
zogen viele der ehemaligen Soldaten das Land als beutegierige Maro—
eure (siehe Bild S. 249) oder lauerten an den Straßen als Räuber
ind Mordgesellen. Nirgends herrschte Sicherheit, überall Jammer über
Jammer. Herzzerreißend klagt ein Geschichtschreiber jener Zeit: „Wie
ämmerlich stehen nun große Städte! Da zuvor tausend Gassen ge—
vesen sind, sind
iun nicht mehr
zundert. Wie
elend stehen die
kleinen Städte,
die offenen
Flecken! Da lie—
gen sie, ver—
zrannt, zerfallen,
zerstört, daß we—
der Dach, Ge—
parr, Türen
oder Fenster zu
sehen sind. Wie
ind sie mit den
Kirchen umge—
gangen? Sie
jaben sie ver—
rannt, zu Pfer—
deställen und
Marketender—
zäusern gemacht,
die Altäre ent—
veiht und die
Glocken hinweg—
geführt. Ach
GBott, wie jäm—
nerlich stehet es
auf den Dörfern!
Man wandert
bei zehn Meilen
und siehet nicht
ꝛeinen Menschen,
nicht ein Vieh,
nicht einen Sper—
ling, wo nicht an
tlichen Orten
ein alter Mann
»der ein paar
alte Frauen zu
finden. In allen
Dörfern sind die
Häuser voll
Leichname und
Aser gelegen,
Mann, Weib,
Kinder und Ge—
inde, Pferde,
Schweine, Kühe
ind Ochsen, ne—
den- und unter—
rinander, vom
Hunger und von
der Pest erwür—
get und voll
Würmer, und
ind von Wölfen,
Zunden, Krähen
ind Raben gefressen worden, weil niemand gewesen, der sie begraben,
»eklaget und beweinet hat. Deutschland lieget in Schmach, Armut und
Herzeleid; die viel tausendmal tausend armen jungen Seelen, so un—
chuldig in diesem Kriege sind hingeschlachtet worden, schreien Tag und
Nacht unaufhörlich zu Gott um Rache, und die Schuldigen, die es ver—
ursacht, sitzen in stolzer Ruhe, Freiheit, Frieden und Sicherheit und
halten Gastereien und Wohlleben.“ (Batkin, Exidium Gormaniae.)

Ludwigs XIV. Raubzüge an den Oberrhein.

Sn dem Westfälischen Frieden hatte Frankreich mit dem Elsaß auch
J die Landvogtei der zehn Reichsstädte Hagenau, Kolmar, Schlettstadt,
Veißenburg u. s. w. bekommen, doch nur gegen das Versprechen, sie in
hrer Reichsfreiheit zu erhalten. Demnach sollte offenbar ihrer end—
gültigen Einver—
eibung vorge—
eugt werden;
iber es war auch
der Zusatz ge—
nacht worden,
daßz dem fran—
zösischen Ober—
soheitsrechte kein
Abbruch gesche—
sen dürse. Die
Bestimmungen
varen also un—
lar und zwei—
deutig und öff—
neten so fran—
zösischer Begehr—
lichkeit Tor und
Tür. Tatsächlich
eanspruchte der
lündergierige
König Ludwig
XIV. der Frank—
reichs Thron in
der langen Zeit
von 1643 bis
715 inne hatte,
die Reichsstädte,
ind mit List und
Hewalt erreichte
r auch sein Ziel,
ohne daß ihn das
chwache Deutsche
Reich daran hin—
dern konnte. Ja,
er ging noch wei—
ter. Im Jahre
1680 setzte er un—
er dem Namen
„Reunions—
tammern“ vier
Herichtshöfe ein,
einen z. B. in
Metz, einen an—
)eren in Breisach;
ie sollten, gestützt
ruf die Bestim—
nung des West—
älischen Frie—
ens, daß Elsaß
ind die „anderen
andschaften mit
illen ihren De—
nendenzen“ an
Frankreich abzu—
reten seien, un—
ersuchen, was
ihm noch alles
zukomme. Auf Grund ihrer ganz willkürlichen Rechtssprüche ver—
angte er dann die Landeshoheit über alle angeblich einst zu den
rei Bistümern Metz, Tonul und Verdun, sowie zu der Landgrafschaft
ẽUsaß gehörigen Lehen und ließ die betreffenden Gebiete gewaltsam be—
etzen, wenn ihre Besitzer sich nicht sofort den französischen Ansprüchen
ügten. Dagegen erhob nun zwar der deutsche Kaiser, damals Leo—
rold eJ. (1657 bis 1705, der Sohn und Nachfolger Ferdinands III.,
d
—e —

J

»prstörung des Klosters Hirsau durch die Franzosen unter
Nach einer Originalzeichnung von G Ad CEloß,.

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