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oachim Haspinger, entfachte in den Bauern durch glutvolle Reden
as Feuer der Begeisterung für den heiligen Freiheitskrieg ssiehe Bild
3. 309). Am 1. April 1809 ward das Gerücht von dem nahen Aus—
zruch des Krieges in Tirol immer stärker. Die banerische Regierung
mußte daran glauben, aber sie ahnte
nichts von der ungeheuren Wucht und
Lraft des Volksaufstandes, der nun
osbrechen sollte. Am 6. April gab
Erzherzog Karl seiner Armee den
Befehl zum Kampf, und Laufzettel
»es Erzherzogs Johann, von flinken
Burschen und Dirnen getragen siehe
jebenstehendes Bild), meldeten den Ge⸗
neinden: Es ist Zeit! Jetzt sam—
melte auch Andreas Hofer die Passeirer,
uind vor seinem Wirtshaus rief er
chnen schlicht und groß zu: „Morgen
am 9. April wird für Gott, Kaiser
und Vaterland ausgezogen und jeder—
nmann ermahnt, brav dreinzuschlagen.“
Zo scharten sich um ihn, nachdem sie
gebeichtet und das Abendmahl ge—
nommen, 4500 Mann, alle erprobte,
zielsichere Schützen. Auf der Brücke
on St. Leonhard fragte ein Passeirer
en Sandwirt, ob er auch mitgehen
nüsse. „Nein,“ gab Hofer zur Ant—
wort, „wer halt just will.“ „Ja,
dann ist's recht,“ fiel der Passeirer
ein, „dann gehe ich auch mit.“ Da—
mit war, wie Beda Weber, ein
Biograph Andreas Hofers, den wir
ür unsern Bericht benutzen, sagt,
Hofers Macht über seine Landsleute
deutlich gezeichnet. Er befahl nicht,
sondern legte den freien Willen jedes
einzelnen seiner Anwerbung zu
Grunde. Und dadurch war er stark.
Schon am 11. April erfocht er
auf dem Sterzinger Moor einen Sieg
iber die Bayern. Unterdessen sam—
nelte sich die Volkskraft um Inns—
bruck zum entscheidenden Schlage; am
12. April besetzten die Bauern Inns—
zruck, und am 13. streckte General
Bisson mit 4000 Mann die Waffen.
Tirol war frei. Doch nur kurze Zeit;
denn Napoleon drängte die österrei—
hischen Heere die Donau abwärts
und rückte schon am 13. Mai in Wien
rein; die Generale Wrede und Deroi
besiegten die Osterreicher bei Wörgl
im Inn und eroberten Innsbruck
wieder. Jetzt trat Andreas Hofer,
zurch Erzherzog Johann zum Ober—
ommandanten von Tirol ernannt,
m Namen des Kaisers hervor. Mit
Schützenkompanien zu 6000 Mann,
300 Mann Militär, 4 Dreipfündern
und 2 Sechspfündern zog er gegen
Innsbruck, vereinigte sich bei Patsch
nit Joseph Speckbacher und seinem
'andsturm und besiegte Deroi am
29. Mai auf dem Iselberge bei Inns—
»ruck. Tirol war wieder frei, und
Andreas Hofer gelobte auf dem Schlachtfelde mit seinen Landsleuten
dem Vaterlande Treue bis in den Tod (siehe Bild S. 313). Er
traf Anordnungen, die Landesgrenzen zu schützen und dauernd zu be—
haupten. Waren doch unterdessen vom großen Kriegsschauplatz an der
Donau günstige Nachrichten eingetroffen. Erzherzog Karl hatte Napoleon
am 21. und 22. Mai bei Aspern ssiehe Bild Se. 314) besient: der
Anüberwindliche war nun doch einmal überwunden, und frohe Hoff—
zung auf künftige Siege belebte jede Brust. Wie Theodor Körner,
o glaubte ein jeder: „Der Adler siegt, die Fahne fliegt. Heil dir,
nein Volk! Du hast gesieat!“ Die Freude war verfrüht. Leider nutzte
egi⸗ ein Untergang. Napoleon sandte ein ganzes Armeekorps,! durch Menschenhilfe, sondern durch die unverkennbare Macht von oben
50000 Mann stark, unter dem Befehl des Marschalls Lefebre nach Halb getan ist nichts getan! Wohldenkende Brüd n Machb
Tirol; Andreas Hofer empfing die Nachricht von dem Waffenstillstand stehet auf, ergreiset die Wafsfen wider den ue ——
urch einen von ihm an Erzherzog Johann gesandten Freund. Er und der Erde. Keiner bleibe vom Kampfe vweg! Das einzige, das
etzte Los von uns allen sei: Für
Hott und den Kaiser Franz entweder
iiegen oder sterben!“. Mehr als die
treue Stimme Hofers vermochte, wirkte
die Blutgier der Feinde. Sie raubten
ind plünderten und brannten die Höse
nieder, und als Lefebre in Innsbruck
ingezogen war, forderte er zugleich
ie Auslieserung aller Wafsen und
illes Schießbedarfs bei Todesstrase
cegen die Widerspenstigen und ver—
ügte deshalb Hausuntersuchungen.
Alle Kommandanten des Auf—
uhrs sollten vor ihm erscheinen. Hoser
tand an der Spitze der Geladeuen.
Wer sich nicht stellte, war mit Nieder—
eißung seines Hauses, Einziehung
eines Vermögens und ewiger Landes—
erweisung, und wenn man seiner
jabhaft würde, mit schimpflicher Hin—
ichtung bedroht. Wer aber einen der
Bezeichneten einliefere, der solle eine
Belohnung von 10001000 Gulden
mpfangen. Das geknechtete Volk
echzte nach Rache; aller Augen rich—
eten sich auf Andrens Hoser. Der
sielt sich aber in einer Schlucht am
Zchneeberge im Passeiertal versteckt
ind sandte von da seine Boten rastlos
sin und her, das Volk zu den Waffen
u treiben. Und am 4. August erließ
er folgenden Aufruf: „Herzallerliebste
Tiroler! absonderlich aufrichtige Pas-⸗ 4
eirer. Seid von der Güte, versehet
ille jene Punkte, welche ich euch vor—
chrieb. Berichtet alle Gemeinden im
'ande, und dies mit eilfertigen Sta—
etten, daß mein Herz nicht untreu
ei, man möchte mir verzeihen. In—
em ich vogelfrei bin und eine größere
Zumme Geldes auf mich gesetzt wor—
den, so bin ich dermalen in einem
bgelegenen Ort und werde nicht sicht—
dar werden, bis ich einsehe, daß sich
die wahren Patrioten von Tirol her—
rortun, die Gegenliebe einander er—
eigen und sagen werden: Wegen
Hott, Religion und Vaterland wollen
vir streiten und kämpfen. Dann werde
ich den Augenblick sichtbar sein und
ie anführen und kommandieren, so—
siel mein Verstand vermag. Die
Botschafter sind aber eiligst anzu—
chhicken von einem Gerichte zum an—
sern an wahre Bundesvertraute.
Munition liegt bei Bozen, und die
Bradlwirtin weiß davon. Euer treues
derz, Andreas Hofer, Oberkomman—
dant von Passeier; dermalen wo ich
bin.“
Dieser Aufruf half; überall kehrte
der Mut zurück. Und als Hofser in den ersten Tagen des August
Nachricht von einigen kleinen Siegen seiner Freunde empfing, da trat
er offen hervor und drängte das Volk zur Bewaffnung: „Nur ge—
chwind, nichts versäumt, es geht leicht, daß der Herzhafte und Feige
ehe, wie Gott mit uns ist!“ Und sie kamen: Jünglinge, Männer und
Freise. behütet und geleitet von den Gebeten der Frauen und Kinder
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Aus dem Aufstand in Tirol 1809. Nach einem Gemälde von Frana v. Defregaer.
An Fran BGaneen—e
ẽrzherzog Karl seinen Sieg nicht aus und blieb sechs Wochen untätig an
er Donau stehen; Napoleon aber zog von überall Verstärkungen
eran, und daher gelang es ihm, Karl am 6. Juli bei Wagram zu
hlagen. Er schloß am 12. Juli den Waffenstillstand zu Znaim und
ewilligte am 14. Oktober den Frieden zu Schönbrunn. Zwischen
znaim und Schönbrunn liegt Hofers größte Heldentat. dem Friedern
beschloß ihn einzuhalten, sofern es die Feinde auch täten, d. h. nach
seiner Auffassung, daß die Osterreicher aus dem Lande zwar abziehen,
die Franzosen und Bayern aber nicht einrücken sollten. Als er aber
rrfuhr, daß der Feind überall vordringe, da rief er seine Landsgenossen
„jon neuem zur Abwehr: „Setzet euer ganzes Vertrauen auf Gott!
Wir haben ja schon Dinge zum Erstaunen des Auslands getan, nicht
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