Und er hat in seinem kampf- und notreichen Leben
nicht die Freude verloren am allgemeinen, am politischen
Kampfe. — In der viel stärker entwickelten rititerlichen Gescllschaft
Frankreichs kämpften die fchdelustigen Herren
seit langem nicht nur mit Waffen, sondern mit Spott- und
Trutzliedern gegeneinander. Dort gab es eine glänzende politische
Dichtung. Aber die armen gedrückten Fahrenden
Deutschlands hatten bisher in ihren Sprüchen nur ihre
persönlichen Nöte geklagt, gebettelt, geschmeichelt und sich
mit ihren Genossen gestritten. Da schuf Herr Walter als
erster aus dieser Form des Spruches eine ganz scharfe
Waffe im politischen Kampf der Kaiser mit dem Papste.
Man braucht seinen persönlichen Mut dabei nicht zu überschätzen.
Unter kaiserlichem Schutze konnte man damals
auch dem päpstlichen Banne wohl trotzen, leichter als in
den späteren Zeiten religiöser Kämpfe. Auch die politische
Erkenntnis, daß die Uebermacht der Fürsten dem Reiche
gefährlich sei, daß der Papst unter dem Vorwand geistlicher
Herrschaft das Reich zu zerstören suchte, daß durch eine
starke kaiserliche Zentralgewalt Deutschland zu retten, Friede
und Recht wiederherzustellen sei, all diese Erkenntnis wird
er kaum aus sich selbst gefunden haben. Sie waren politisches
Tagesgespräch am kaiserlichen Hofe. Walter aber gab dieser
politischen Weisheit die scharfe und glänzende Formulierung,
durch die sie wirksam werden und breite Massen gewinnen
konnte. Seine Sprüche vertraten die Stelle politischer Flugschriften.
Und man könnte ihn den ersten deutschen Journalisten
nennen, wenigstens was die polilische Absicht angeht,
Wilz, Schlagkraft und Wirkung. Deutschlands politischer
Unstern hat gehindert, daß diese glänzend begonnene
politische Dichtung ihre Fortsetzung fand. Im Kampf der
beiden Weltmächte: Papst und Kaisertum, erlagen die Hohenslaufen.
Die Nachfolge übernahm das Territorialfürstentum,
In der Rauferei um kleinen und großen Landbesitz verwilderte
der Adel. Die aufstrebenden Städte aber hatten andere
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