Gmünder Filigran
je Goldgranulation in ihrer wunderbaren Feinheit war im Kampfe mit
D dem Filigran, dessen vorzugsweises Material das Silber bildete, unterlegen*).
Seit dem Mittelalter herrschte die Drahtarbeit vor und entwickelte
sich an zahlreichen Orten zu einer Jahrhunderte hindurch gepflegten Volkskunst,
deren besonderer Reiz auf der duftigen, scheinbar mühelosen Drahtwirkung
beruht, In Gmünd hatte sich diese Kunst zu einem umfanzreichen
Industriezweige entwickelt, der schon 1695 durch den urkundlichen Nachweis
von 7 „Viligranarbeitern“ belegt ist. Ohne Zweifel war der lebhafte
Handel mit Rosenkränzen aller Art der Ausbreitung der Filigranarbeit besonders
günstig. Verlangten doch die wertvolleren Paternoster aus Gaxgat,
Alabaster, Bein, aus Kristall, Karneol und Granat die Einschaltung von
Zwischengliedern aus Silber und die Anbringung von allerhand Kreuz- und
Münzanhängern, deren Fassung vorzugsweise in dieser Drahtarbeit geschah.
Weihemünzen, die zu vielen Tausenden
alljährlich an den vielbesuchten Wallfahrtsorten
in Bayern, Böhmen, Österreich und
in der Schweiz geschlagen wurden **), Bruderschaftspfennige,
Medaillen der Krankheitspatrone
bildeten den Kern des spitzenartig
duftigen Filigrans (Abb. 46, 35 und 56).
Der Umstand, dass seit dem 17. Jahrhundert
Ablässe verliehen wurden, wenn Medaillen
und Rosenkränze in Ehren gehalten und
*) Rosenberg, Granmulation. Verlag von Keller,
Frankfurt.
**) Auch in Gmünd selbst scheinen solche gefertigt
worden zu sein. 1748 werden die Goldschmiede Sesastian
Keller, Michael Holbein und Michael Schleicher
erwähnt, welche „in Messing eingeschlagene Pienninge“
arbeiten. Vgl. auch die Taxe der Gold- und Silberschmiede
vom Jahre 1697. Die J. Erhardsche Gmündeı
Altertumssammlung hat eine mehrere hundert Stück
amfassende Kollektion religiöser Münzen des 17. und
18. Jahrhunderts, welche 1840 aus dem Neuberschen
Familienbesitz dorthin kamen.
Abb, 46 Rosenkranzanhänger mit Wahl-Tahrtsmünze
‚. Erhardsche Gmünder Altertumssiammleung