Die Zeit von 1850—1870
DS Jahrzehnt von 1850—1860 war in Deutschland eine Zeit industriellen
Aufschwungs, der sich auch in der Gmünder Industrie bemerkbar
machte. Die Zahl der Neugründungen und Umbildungen von Gesellschaftsin
Einzelfirmen war erheblich und ergaben im allgemeinen die Struktur
der heutigen Entwicklung.
Karl Gottlob Erhard von Willsbach, 1790—1874, welcher seit 1814
als Teilhaber dem Handelshause Ludwig Gerber angehörte, gründete im
Jahre 1843 mit seinen Söhnen Karl und Julius die Silber- und Metallwarenfabrik
Erhard & Söhne in der Bockgasse. Beide Söhne hatten sich an
den hervorragenden Stätten der damaligen Edelmetallindustrie, in Leipzig,
Hanau, Genf, Paris, London, im Stahlschneiden, Goldschmieden und Emaillieren
geschult. Karl Gottlob Erhard und später Karl Haussmann hatten
die kaufmännische, Karl Erhard die technische, Julius Erhard die künstlerische
Leitung. Die technische Entwicklung wurde aufmerksam verfolgt
und als eine der ersten deutschen Fabriken im Jahre 1857
die Galvanoplastik industriell verwertet,
An Waren wurden Börsenbügel, Kollierschlösser, ornamentale
Beschläge, Gesangbuch- und Albumschliessen, besonders
auch Kirchengeräte in Silber und Messing hergestellt,
dazu allerhand Heiligenwaren und Metallspielzeug,
auch der Silberfeinguss für die übrigen Gmünder Betriebe
in der dortigen Giesserei gefertigt. Durch die galvanoplastischen
Reproduktionen alter Silberarbeiten und das
Eindringen der Renaissance wurde die Firma mehr und
mehr auf das Gebiet kunstgewerblicher Metallwarenfabrikation
gewiesen; unter der Leitung Julius Erhards und der
Mitarbeit Prof. Gust Bauers entwickelte sich das Erhardsche
Atelier zu einer Meisterlehre, der hervorragende Metallplastiker
späterer Zeit tüchtiges handwerkliches Können und
feinsinnige Förderung ihrer Veranlagung verdanken.
Eine wesentliche Veränderung machte 1852 durch Liquidation
die Silberwarenfabrik Kott, Walter & Forster
durch; jeder der Teilhaber gründete einen eigenen Betrieb.
Die Firma Joseph Walter mit einem Handel von Gold-Abb.
92 Goldener
Ohrring mit Koallen
und Perlen,
um 1850
Kunstgewerbenuseum
Gmünd