Full text : Geschichte des Gmünder Goldschmiedegewerbes (Bd. 1)

Die mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten der Gmünder Hl. Kreuzkirche
mit gotischem Rankenwerk gefüllte Platten folgen zwei kämpfende Reiter,
der fliehende ausholend mit dem Speer, der Verfolger im Begriffe des Abschnellens
 des Bogens. Weitere Gruppen zeigen einen Greif und Löwen,
den Fuss zum Kampfe erhehend, einen Jäger im Anschlag auf einen Hirsch,
zwei kämpfende Affen auf Pferden und zwei
Wilde mit Schild und Speer, sicherlich
Sinnbilder der Leidenschaft, Tücke und
Bosheit. Die Leidensgestalt Christi, des
Überwinders von Tod und Sünde, bringt
die Folge von Bildern zum Abschluss.
Aus dem mit acht Türmen bewehrten
Zinnenkranz des oberen Achtecks erhebt
sich die Schädelstätte, und auf einem dem
regelmässigen Achteck sich nähernden mit
Strebepfeilern bewehrten Sockel das wundervoll
 gearbeitete, grösstenteils in Guss
ausgeführte Kreuz. Zunächst sind in einem
weiteren Geschoss in Nischen, durch Strebepfeiler,
 Fialen und Wimperge gebildet, sechs
teilvergoldete Figürchen untergebracht. Auf
der Vorderseite Petrus und Paulus, auf der
Rückseite zwei Heilige, auf den Schmalseiten
 ein Bischof und St. Helena. Ein kleineres
 sechseckiges (ieschoss, in dessen
Nischen zwei Engel Leidenswerkzeuge tragen,
 leitet zum Kreuzesbalken über, dessen
kleeblattförmige Enden auf Vorder- und
Rückseite mit quadratischen Füllungen geziert
 sind, die auf blauem Schmelzgrund
die vergoldeten Gussreliefs der vier Kvangelisten,
 auf der Rückseite die Bilder der
Kirchenväter tragen.
Auf der Schnittstelle des Kreuzes über
dem Haupte des Heilandes ist in aufgelöteter
 kreuzförmiger Fassung die Reliquie eingelassen.
 In einer durch Kordeldraht eingefassten
 schmalen Kehle begleitet ein Band getriebener blau emaillierter
Blüten im rhythmischen Wechsel vergoldeter Blätter die Form des Kreuzes,
dessen zarter Ausklang der Erscheinung durch eine Welle zarter gegossener
 Blättchen gebildet wird, Am Kreuze hängt die Leidensgestalt
Christi mit zusammengekrampften Händen, nicht als König, sondern als
Schmerzensmann, in dem die Worte des Liedes „O Haupt voll Blut und
Wunden“ in erschütternder Tragik zum Ausdruck kommt. Der Meister

Abh. 7 Madonna von der spätgetischen
Monstranz der HI. Kreuzkirche Gimünı«d
                        
Tafel Il Spätgotische Monstranz Hl. Kreuzkirche Gmünd
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