Full text : Johann Michael Keller (Bd. 3)

VI. Baubeschreibungen in zeitlicher Anordnung

den einzigen Schmuck bildet die reiche Kanzelwand mit schönem Altarbild,
 schlankem Taufstein und reicher Kunstmarmorkanzel, mit Rokokostuck
 und triumphierendem Engel auf dem Schalldeckel, ähnlich der Alflorfer
 Arbeit, zweifellos von Meistern vom nahen Deggingen gefertigt.
Das Äussere der Kirche ist äusserst schlicht; am Langhaus tiefe zweiyeschossige
 Fensterhöhlen, ohne die bei den sonstigen Kellerbauten gewöhnten
 profilierten Rahmen; dreigeschossiger Turm mit einfacher Gliederung
 durch Kckpilaster, ein weitausladendes Gurtgesims trennt die
beiden unteren Geschosse vom schlanken achtseitigen Aufbau mit kupferjedecktem
 Zwiebeldach,
An der Südseite des Turmes wie des Schiffes zwei mit toskanischen
Pilastern und geradegeschlossenem (Gesims geschmückte Portale. (Vgl.
Leonhardskirche Gmünd.)
Das Äussere zeigt verputztes Tuffsteingemäuer,
Der Eindruck des einfachen Baues, auf beherrschender Albhöhe über
lem tief eingeschnittenen Filstale gelegen, ist von hohem malerischem
Reize.

21. Haus Riess, Gmünd, Kornhausstrasse 8
Erbaut 1773

Auf äusserst schmalem und wenig tiefem Platz erbaut, ist es trotzdem
im Äusseren ohne jede Spur der Beengung. Eleganter feinabgewogener
Giebelaufbau ähnlich dem des Kapitelshauses. Das Haus springt wenig
über die Strassenflucht vor, deshalb Pilasterpaare mit reichem verkröpftem
Gebälk an den abgeschrägten Ecken.
Die Mitte des Untergeschosses ziert das über den Gurt hochgezogene
Aauptportal mit dem Büchlerschen Wappen; das alte Oberlichtgitter fehlt,
lagegen zu beiden Seiten je ein Fenster mit schönem Fensterkorb. Trotz
der geringen Breite ist die übliche fünffenstrige Anlage in den beiden
Obergeschossen beibehalten. Der Giebelansatz des dritten Obergeschosses
sehr steil eingezogen, entsprechend der Form des gebrochenen Daches,
larauf eine schräg zulaufende, zunächst eingezogene, dann scharfe Dreiacklinie,
 deren untere Basis durch zwei Vasenaufsätze geschmückt ist.
Im Innern schön geschnitztes Treppengeländer.
Die Familie Büchler-Wildanger gehörte zu den ersten Kaufmannsgeschlechtern
 Gmünds, deren Handel sich über Amsterdam auf weite
Gebiete der Erde erstreckte. Der heute Nittingersche Garten beim Bahnhof
 mit dem kleinen Barockhäuschen war ein Sommerhaus der Familie;
am Wege zum Salvator steht ein Steinkruzifix mit der die Jahreszahl
angebenden Stiftungsinschrift: MortVa penDet CrVCe saLVs atqVe Vlta
(1776) Johannes Wildanger.
            
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