Volltext : Architekturbild der Universitätsstadt Tübingen und ihrer Umgebung

Eine der— anmuthigsten Gegenden des Schwabenlandes ist diejenige des Universitäts⸗Sitzes
Tübingen. Die Vage * Stadt, erhöht einerseits über das weithin sich ausbreitende Neckarthal mit
dem glänzenden, eine fruchtbare Ebene durchziehenden Fluß, im Hintergrunde mit dem malerischen Ge—
birgszuge der Alb und dem Einblick in die Thäler, welche durch ihre Ausläufer gebildet werden, andrer—
seits erhaben über das freundliche Ammerthal und in dasselbe auslaufend, im Hintergrunde durch den
Saum des Schönbuchwaldes abgeschlossen, ist reizend und von der Stadt aus der Blick über diese lachenden
Gefilde in allen Stadien der Beleuchtung und zu jeder Jahreszeit ein nach jeder Seite hin fesselnder.
Aber auch von der Thalsohle wie von den umliegenden Anhöhen ist das Bild der Stadt selbst ein
malerisches und anziehendes. Sind doch die örtlichen Bedingungen, unter denen hier eine Stadt sich
bildete, von ganz eigenthümlicher Art. Wohl finden sich viele Städte an die Lehne eines Berges
gebaut, und weit mehr noch in der Ebene oder auf der Hochfläche von Bergen, aber selten auf der
Schneide zweier gegen einander geneigten Flächen.
Tübingen, das eine so eigenartige Lage hat, ist unstreitig auf einer uralten Ansiedlung der
Römer gegründet. Zahlreiche Spuren dieses mächtigen Volks längs dem Laufe des obern Neckars
beweisen, daß diese Gegend eine stark bevölkerte war, was durch Verschanzungen, alte Mauerreste,
Funde von Gesäßen, Münzen, figürliche Reliefe, Statuen, Inschriften ꝛc. überzeugend bestätigt wird.
Die Niederlassung, die uns beschäftigt, war gut gewählt als eine Stelle, die sich zu einem befestigten
Punkte trefflich eignete.
Schon im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung befand sich die ganze Gegend in der
Gewalt der Römer und machte einen Bestandtheil der Provinz Obergermanien aus. Das nahe
Rottenburg, einst der Hauptsitz der römischen Niederlassung dumalocenis, hing durch ein weit ver⸗
zweigtes Straßennetz mit den übrigen Wohnsitzen zusammen, die sie in den Neckargegenden und nach
dem Rhein hin inne hatten.
            
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