Volltext : Plan-Fragmente aus der deutschen Dombauhütte von Prag in Stuttgart und Ulm

Stuttgarter Fragment Vr. y v:
Aufriß einer Fassade; wahrscheinlich des Domes von Prag

Die zeichnung Ur. y v befindet sich auf dem Pergament, dessen Vorderseite im vorher—
gehenden Rapitel untersucht wurde. Aus der Ergänzung des dort dargestellten Querschnittes
ergab sich, daß das 32,F X 65 em große Pergament ursprünglich etwa 52 em breit und 120 em
hoch gewesen sein muß; daß der Buchbinder für das Steuerbuch von 1534 die größten Stücke
oben und links abgeschnitten hat. Solche Rekonstruktion des Formates erleichtert auch das
Verständnis der zeichnung Vr. y v. Oben und rechts muß diese also vor allem ergänzt werden
konnen. Auf Tafel II konnte das hier überlieferte Fragment darum in großerem Naßstab als
Faksimile wiedergegeben werden, weil oben und unten die vom Buchbinder umgeklappten
Teile wegblieben. So war ein gegebenes Format besser auszunützen. (Vgl. die Stellung des
großen Loches im Pergament links oben auf Tafel J. zier muß also auch zur Vollständigkeit
des Erhaltenen, nicht nur zur besseren Sicht, die Strichkopie der Abb. 2 herangezogen werden.
Diese gibt ferner ebenso wie Abb.) auch jene Strichrillen des Originals, von denen die Farbe
ganz oder teilweise abgeblättert ist. Abb. 2 ergänzt das Faksimile außerdem durch eine spiegel⸗
verkehrte Wiederholung, die noch begründet werden muß. Daß sich das Fragment Vr. yv
in der Breite vor allem nach rechts ergänzte, läßt sich auch daraus schließen, daß links ein
Drittel des Pergaments überhaupt leer blieb, rechts dagegen die Zeichnung so unmittelbar
über den Rand hinaus sich fortsetzt, daß mehrere Formen und Linien überschnitten werden.
zugunsten deutlicherer Wiedergabe der Zeichnung wurde auf Tafel II des leere Drittel links
weggelassen. Kine besser auf dem Original als im Faksimile erkennbare Begrenzungslinie,
welche vom linken Ende des unteren Giebels senkrecht bis in die obere Baldachinzone herauf—
führt, ist in die Abb. 2 nur an zwei Stellen eingestrichelt. Diese Linie gehört zur Vorarbeit
des Entwurfs. Dessen offener, unfertiger Charakter wird auch sonst mehrfach deutlich. Zum
Unterschied von Vr. jr ist die Zeichnung Vr. j v niemals ganz „fertig“ gewesen und als über—
liefertes Stück daher im doppelten Sinne ein Fragment.
Schon aus der Verteilung des Risses Vr. y v, den Richtungen, in denen hier die Ergänzung
des Pergamentes auf ein ursprüngliches Format vorzunehmen ist, ergibt sich, daß dieser Auf—
riß unten knapp über der Sockelzone abgeschnitten worden sein muß. Mehr noch als beim
Querschnitt der Gegenseite, mit der er auch sonst im Stil der Darstellung übereinstimmt,
muß hier die Vernachlässigung dekorativer Einzelheiten auffallen. Es fehlen z. B. selbst die
Kreuzblumen auf den Giebeln. Die vergleichsweise flüchtige Art, mit der hier ein großer,
architektonischer Gedanke festgehalten worden ist, gibt ohne Rücksicht auf gefallige Wirkungen
doch sehr sicher gerade das, was ein Mann vom Bau brauchte, um sich gut zu unterrichten.
Das Frattment Vr. jv nimmt selbst im Bereich des hier vorgelegten Materials eine her—

Rletzl, Planfragmente
            
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