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Nr. 4 Neubauten, und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn.
mit. der Atmosphäre steht, den Siedepunkt nicht über- | werden mag, auch in technischer und ökonomischer Hin-
steigen. sicht so günstige Eigenschaften, dass es nicht zu ver-
Die Móglichkeit der Staubversengung ist daher bei | wundern braucht, dass selbe, trotz ihrer Jugend, die be-
Niederdruck-Warmwasserheizungen ausgeschlossen. | liebteste Heizungseinrichtung geworden ist.
Bei normalem Betriebe erreicht übrigens die Wasser- m
temperatur -- 100* C. bei weitem nicht. ’
Dieser Heizart, welche bis zur Erfindung der Nieder- Mit der Erwirmung einer irgend dichter besetzten
druck-Dampfheizung als die vorzüglichste anzusehen war, | Räumlichkeit auf einen dem Zwecke entsprechenden
kann vom Standpunkte des Hygienikers fast nur der eine
Vorwurf gemacht werden, dass infolge des verhältniss-
mässig grossen Wasserinhaltes und der beträchtlichen
Wirmecapacitit des Wassers die Heizkörper Wärme-
speicher sind, weshalb die Wärmeabgabe noch geraume
Zeit fortdauert, wenn dieselbe nicht mehr erwünscht ist.
Der Fall tritt beispielsweise ein, wenn sich nach einem
kühlen Frühlingsmorgen die Nebel zertheilen und die
siegereichen Sonnenstrahlen jedwede künstliche Heizung
überflüssig machen. Eine rasche Warmeregelung ist bei
Heizungen mittelst Wasser überhaupt nicht móglich.
Wer bedenkt, dass bei einem 20 7% hohen Gebäude
die Last der Wassersäule einen Ueberdruck von zwei
Atmosphären im Niveau des untersten Geschosses erzeugt,
wird der Gefahren, die sich bei einem, wenngleich nicht
wahrscheinlichen, doch immerhin möglichen Zers springen
von Heizkórpern ergeben kónnen, nicht vergessen.
Bei Mitteldruck-Warm wasser rheizungen steht
das gesammte Rohrsystem unter Druck, die Wasser-
temperatur beträgt bis etwa 130° C.; die Heizart ähnelt
daher in ihren Nachtheilen bei der Heiss-Wasser-
heizung. geschilderten.
Auch die Dampfheizungen unterscheiden sich
scharf nach der Hóhe des angewendeten Druckes. Solche
mittelst Hochdruckdampfes arbeiten in der Regel mit
zwei oder drei Atmosphiren Ueberdruck, was einer Tem-
Tas
den
peratur von -- 134 bis + 144° C, entspricht. Die Heiz-
flachen. sind. also. zu heiss, und es tritt hier Staubver-
sengung ein.
Vor anderthalb Jahrzehnten sind (und zwar zuerst
von der deutschen Firma Bechem und Post) die ersten
Dampfheizungen eingerichtet worden, bei welchen die
Dampfspannung nicht mehr als 0:5 Atmosphüren Ueber-
druck betragen kann. ln den Wasserraum des Kessels
reicht ein. oben offenes Standrohr von 57 Hóhe, durch
welches bei Steigen des Dampfdruckes über das oben an-
geführte Hóchstmass das Kesselwasser herausgeschleudert
würde, ein Ereieniss, welches durch selbstthätige Rege-
lung der Lebhaftigkeit der Verbrennung bei halbw egs gut
bedienten Anlagen nie eintritt. Dampf von 0:5 Atmo-
sphären Ueberdruck hat ‘eine Wärme von —- 111-7° C.;
die Heizflächen werden also nie so warm, dass der die-
selben berührende Staub versengt werden kónnte. Durch
die Zugregler wird übrigens eine geringere Betriebsspan-
gewöhnlich innerhalb der Grenzen von 0:15 bis
0-25 Atmosphiren Ueberdruck eingehalten, was einem
Wirmegrad von -L 104 bis 4-106? C. gleichkommt.
Die Niederdruck-Dampfheizungen bieten also
gleich den Niederdruck-Warmwasserheizungen den. hoch-
wichtigen sanitären Vortheil einer milden Erwärmung,
haben aber vor letzteren den Vorzug, eihe rasch wirk-
same Regelung der Warmeabgabe durch theilweise oder
völlige Ausschaltung von Heizflàchen bequem zu er-
móglichen.
Der im Heizkörper enthaltene Dampf wird nach
Abgabe der latenten Dampfwirme zu Wasser, welches
aus demselben abläuft; wird der : Dampfeintritt gesperrt,
so erkaltet der eiserne Heizkörper binnen Kurzem und
ist daher nicht mehr weiter wirksam.
Das Entstehen einer Undichtheit, eines Risses, ist mit
Rücksicht auf den unbedeutenden Dampfdruck gefahrlos;
der Dampf entstrómt dann kaum lebhafter, als aus einem
Topfe ndr kochendem Wasser, von dem der Deckel ab-
gehoben wird.
Die Heizung mittelst Niederdruckdampfes
in gesundheitlicher Beziehung
Heizart; dieselbe hat, wie spiterhin
nung,
ist aber
entspre-
erórtert
nicht bloss die
chendste
Wármegrad und mit der Erhaltung desselben ist die Auf-
gabe des Heiztechnikers noch keineswegs gelóst. Die
durch die Anwesenheit der Menschen und durch die
künstliche Beleuchtung sich mehr und mehr verschlecl A
Luft muss erneuert werden. Für die Entfernung der Ab-
luft ein Ausdruck, der dem älteren HÄbwassere
glücklich nachgebildet ist — und für die Zufuhr neuer
reiner Luft ist Sorge Zu tragen. Letztere ist, wenn
sie nicht als lästiger und gesundheitsschidigender Zug
empfunden werden soll, ‚im Winter unbedingt ent-
sprechend. vorzuwärmen.
Diese Nothwendigkeiten werden mehr. und mehr
allgemeine Erkenntniss; die staatlichen Gesetze ver-
langen die sachgemisse Lufterneuerung für Krankenhäuser,
Schulen, Theater; die öffentliche Meinung zieht gut ven-
tilirte Vereinssäle, Wirthsgeschifte und Cafés ausge-
sprochener Massen vor; der Bauherr, der so viel hygienisches
Verständniss besitzt, um für das von ihm zu bewohnende
Gebáude nebst allem modernen Comfort auch ausgiebige
Lüftungseinrichtungen zu begehren, ist eine, wenn auch
seltene, doch schon vorkommende Erscheinung.
Die Ventilationsluft darf bei der Vorwármung keine
Verschlechterung ihrer Beschaffenheit erleiden, denn sonst
würde die Lufterneuerung anstatt gesundheitsfórdernd zum
dem Freien be-
Gegentheile werden. Da nun die aus
zogene frische Luft nie frei von Staubtheilchen ist, da die
Massr egeln zur Luftreinigung, so z. B. Luftfilter, hiegegen
nur unvollkommene Abhilfe bieten, gilt die Regel bezüglich
der Heizflächentemperatur in aller "Sd hàrfe auch für die
Einrichtungen zur Vorwármung. Darum ist beispielsweise
die Ausnützung der in den Rauchgasen enthaltenen Wàrme
zu diesem Zwecke hygienisch nicht zu billigen. Nach den
früheren. Ausführungen können nur Warmwasser oder
Dampf, und zwar beide nur im Niederdruckzustande,
hiebei in Betracht kommen. Die engere Wahl zwischen
denselben füllt nicht schwer. Die Zustrómung von Aussen-
luft, welche in unserem Klima bis zu 20? C. Kalte be-
sitzen. kann, schliesst. für Warmwasser-Heizkórper die
bose Gefahr des Einfrierens in sich, wodurch Betriebs-
stórungen entstehen, deren Behebung viel Geld und Zeit
kostet. Selbst bei wahrend der Nacht nicht unterbrochenem,
also Dauerbrande, ist man hievor nicht vóllig sicher. Es
ist daher auch selten eine Warmwasser-, und noch seltener
eine Heisswasserheizanlage zu finden, bei welcher nicht
während des strengen Winters alle Zutritswege für die
frische Luft sorgfi iltig verschlossen und sonstwie gedichtet
sind, die Ventilation also unterdrückt ist. Warmwasser-
heizung und Ventilation sind miteinander nicht
vereinbar. Bei Einrichtungen mittelst Niederdruckdampfes
ist, wenn nur ein rascher Ablauf des Condenswassers und
ein guter Wärmeschutz für die Condensleitung vorgesehen
ist, die Frostgefahr nicht zu fürchten. Nur durch Nie der-
druckdampf ist eine vollkommen entsprechende
Vorwärmung der Ventilationsluft zu erzielen!
Soll nun diese Vorwärmung unabhängig von der
Beheizung als solcher oder in mehr oder minder i innigem
Vereine mit derselben geschaffen werden? Für getrennte
Anlagen, die nur die Dampferzeugung, also die Kessel,
gemeinsam haben, spricht die Thatsache, dass die haupt-
sächlichste Wirkung der Heizung vor der Benützung der
Räume, nämlich zum Zwecke des Anheizens, hingegen
die Vorwärmung der Luft während der Benützungs-
dauer der schon erwärmten Räume nöthig ist. Derartig
getrennte Heiz- und Lüftungseinrichtungen verursachen
erheblich grössere Anlagekosten, die aller dings bei erossen
Gebäuden für öffentliche Zwecke sich leicht rechtfer tigen
lassen. Sie erfordern aber auch ‘eine hiufice Controle,
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