Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Mitteilungen der Kgl. Württemberg. Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1908, Bd. 3, Heft 1/12)

mit einer gebro⸗
chenen Tonne in
der Längsrichtung
überdeckt ist, wäh—⸗
rend rechts und
links mit horizon⸗
talen, kassettierten
Decken abschlie⸗
hzende Erweiterun⸗
gen sich anglie⸗
dern. Auf der
rechten Seite baut
sich im halbenAcht⸗
eck ein herren⸗
zimmer mit braun
lasierten Holzpan⸗
nelen und holz⸗
balkendecke ver⸗
sehen, vor. Auf
der anderen Seite
ist entlang dem
ganzen haus eine
Dorhalle mit ei—
ner auf einfachen
Steinsaäulen ruh⸗
enden Verlängerung des Hauptdaches vorgelagert. Im
Dachgeschoß befinden sich die Schlafräume samt Bad. Die
Küche ist in einem Untergeschoß zu denken. Eine weitere
Terrasse ist am Ufer des Sees aufgemauert und mit einem
holzgeländer zwischen gemauerten Postamenten, wie es das
Detailblatt der letzten Seite zeigt, umfriedigt. Der ganze
Bau ist recht behäbig und breit am Seegestade hingelagert,
alle An⸗ und Aufbauten dem hauptdach untergeordnet und
eingefügt. Bei diesem Bau ist der interessante Versuch ge—
macht, eine alte Technik des Mauerwerks, wie wir sie 3. B.
bei Bauten der Barockzeit, für Pförtner- und Garten⸗
häuschen, da und dort verwendet sehen, wieder in KAuf—
nahme zu bringen und namentlich unsern einheimischen
Steinbruchbesitzern für die bisher ziemlich wertlosen Stein—
abfälle ein neues Verwendungsgebiet zu erschließen. Die
Umfassungsmauern sind alle in einer eigenartigen Bruch—⸗
steintechnik ganz rauh aufgeführt, am Sockel mit größeren
Brocken, sonst mis
mittelgroßen und
kleinen, die Cük—⸗
ken mit ganz klei⸗
nen Stücken aus⸗
gezwickt. Es ent⸗
stehen so Wand⸗
flächen von prik⸗
kelnder Oberflä⸗
chen⸗ und Far—⸗
benwirkung. Die
Ausführung ist bil⸗
lig und kann von
jedem Maurer oh⸗
ne weiteres ge⸗
macht werden. Gu⸗
tes Mörtelmate⸗
rial ist natürlich
vorauszusetzen. —
Die Senster sind
auch alle in be—⸗
häbig breitem For⸗
mat, sämtliche mit
horizontalen Stür
zen ausgeführt.
Dies war möglich

durch Zuhilfe⸗
nahme moderner,
ichtbar gelassener
und wie Stein
überarbeiteter Ei⸗
enbetonkonstruk⸗
ionen. Die klei—⸗
neren Fenster sind
einfach mit scheit⸗
rechten Bögen ge⸗
chlossen, über den
längeren hori—
zontalen Stürzen
ind ebenfalls noch
cheitrechte Ent⸗
lastungsbögen ge⸗
mauert. Die Wän⸗
de der Dachauf⸗
bauten sind ganz
derziegelt, so daß
alles, was auf dem
Dache sitzt, wie
aus einer Masse
geformt erscheint.
VDor den Fenstern
hefinden sich weißgestrichene Blumenbretter, wie eines in
der letzten Nummer abgebildet war. Der rückwärtige
biebel, sowie das Dächlein des kleinen, erkerartigen Vor⸗
zaus, in welchem sich im Innern ein kleiner Wandbrunnen
efindet, ist mit eckig beschnittenen Schindeln mittelgroßen
zrormats in kräftig brauner Lasur verkleidet. Die Fenster⸗
mrahmung und das Verandageländer sind durch weißen
Anstrich herausgehoben. Die Unteransicht der Dachvorsprünge
st rauh verputzt, auf den weißgestrichenen Zahnlatten ent⸗
ang den Giebeln ist ein kleines farbiges Ornament auf⸗
chabloniert. Der Fußboden der Terrasse ist mit hochkantigen
Zacksteinen nach geometrischem Muster hergestellt. Die
decke über diesem Sitzplatz im Freien ist auch mit den
infachsten Mitteln gefällig ausgebildet worden. Sie be⸗
teht aus einem rauhen Spritzbewurf, aus welchem Qua⸗
»rate mit glatter Oberfläche ausgespart sind. In diese
Quadrate sind dann wieder abwechslungsweise kleinere qua⸗
dratische glasierte
Plättchen oder
einfache Decken⸗
Beleuchtungskör⸗
per eingesetzt. Der
Dorplatz beim
hauseingang und
die Diele sind mit
roten Plättchen be⸗
legt. In dem her⸗
renzimmer steht in
der Ecke ein gro⸗
zer Kachelofen.
die Senster sind
zum Teil ganz
mit ornamentalen
Bleiverglasungen
gefüllt, teils sind
an einzelnen Stel⸗
len nur kleinere
zierstücke in die
ꝛinfache Vergla⸗
ung eingesetzt. Die
Dachdeckung be⸗
steht aus roten
Biherschwänzen.

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Weinhaus am See. Vorder⸗u. Rückseite. Arch. Prof. P.Schmohl & G. Stähelin, Stuttqgart.

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