Das Programm der Beratungsstelle
Die Sätze, mit denen unterm 4. November 1905 in der Zeitschrift der
Zentralstelle, dem „Gewerbeblatt aus Württemberg“, die Errichtung und die
Aufgaben der Beratungsstelle angezeigt wurden, lassen am besten die von
allem Anfang an leitenden Gedanken erkennen und sind deswegen wert,
hier wenigstens zum Teil noch einmal abgedruckt zu werden:
„Eine neue Anstalt der Zentralstelle für Gewerbe und Handel hat ihre
Tätigkeit aufgenommen: Die Beratungsstelle für das Baugewerbe. Nachdem
sie in den letzten Monaten die Baugewerbliche Abteilung des Landesgewerbemuseums
vollständig neu eingerichtet hat, wird sie jetzt an ihre Hauptaufgabe
herantreten.
Die Beratungsstelle ist auf eine Anregung aus Fachkreisen hin errichtet
worden, um eine Lücke in der Reihe der staatlichen Vorkehrungen zur Gewerbeförderung
zu schließen, eine Lücke, die bestand zuungunften des so überaus
zahlreichen Stands der Baugewerbetreibenden und der zu dem Baugewerbe
in naher Beziehung stehenden Gewerbetreibenden. Die rasche Entwicklung
der heutigen Baukunst nach der künstlerischen und technischen Seite erschwert
es namentlich den kleineren Meistern, sich auf der Höhe der Zeit zu halten
und aus der Fülle des Gebotenen das für sie Brauchbare herauszufinden.
In der größeren Stadt mag es noch angehen, aber der Techniker und Meister
auf dem Land hat nur wenig Gelegenheit, sich zuverlässig über den Wert
oder Unwert neuer Erscheinungen zu unterrichten. Die Fachpresse eingehend
zu verfolgen, dazu fehlt ihm vielfach die Zeit. Die Folge ist, daß ihm manche
nützliche Neuheit unbekannt bleibt oder daß er zuweilen teures Lehrgeld
bezahlen muß.
Hier soll nun die Beratungsstelle einsetzen. Sie ist dazu berufen, den
Gewerbetreibenden in allen einschlägigen Fragen künstlerischer und technischer
Art mit unparteiischem Rat an die Hand zu gehen. Das Gebiet ihrer
Betätigung ersireckt sich auf alle Gewerbe, die sich mit der Errichtung und
Einrichtung von Gebäuden befassen, mit letzterer nur soweit es sich um nietund
nagelfeste Einrichtung einfacherer Gebäude handelt. Besondere Aufmerksamkeit
wird dabei neben der künstlerischen der technischen Beratung
geschenkt werden. Auskunft soll über alle Fragen erteilt werden, die sich
bei den verschiedenen Bauarbeiten ergeben, beispielsweise über erprobte neue
Verfahren, Konstruktionsmethoden und ähnliches. Außer über allgemeine
Fragen aus dem Geschäftskreis der Bauwerkmeister und Techniker, der Gewerbe
der Maurer-, Steinhauer-. Zimmer-, Schreiner-, Glaser-, Schlosser-,
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