Volltext: Für Bauplatz und Werkstatt / Mitteilungen der Kgl. Württemberg. Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1914, Bd. 9, Heft 1/12 [Heft 4; 6-9; 11 fehlen])

nehmer für seine Verwendung unerwünscht, so wird die 
Arbeit auch als durchweg glattes Gitter, also ohne diesen 
Korb, zugelassen. Kutogene Schweißung an den An⸗ 
ätzen, viele Feilstriche und endlich gar ein decken der 
änstrich zeigen in der Regel keinen tüchtigen Meister, 
weshalb wir von solchen hHilfsmitteln abraten möchten. 
Satte handschweißung, die ein richtiges Feuer und geübte 
hammerführung verrät, will uns handwerkstüchtiger er⸗ 
scheinen. Gegen 
Kostbildung mag 
ein durchsichtiger 
Leinölfirnis⸗ 
anstrich schützen. 
Das Wand⸗ 
schränkchen kann 
in eine Fachwerks⸗ 
oder massive Wand 
eingebaut, oder 
auch frei aufge— 
hängt werden. In 
etzterem Fall sind 
ruch Zargen und 
Rückseite gut zu 
bearbeiten. Die 
holzart ist frei⸗ 
gestellt. Ein dek⸗ 
zender Anstrich 
des Schränkchens 
würde manchen 
Fehler in der Be⸗ 
arbeitung und Ver⸗ 
wendung des Ma⸗ 
terials verschleiern 
und ist deshalb 
auch bei dieser 
Wettbewerbs⸗ 
arbeit zu vermei⸗ 
den. Dagegen läßt 
ich mit guter Bei⸗ 
zung auf schönem 
Holz, etwa Kirsch⸗ 
oder Nußbaum, 
oder mit heller 
Politur gute Wir⸗ 
kung erzielen. 
Diese kann durch 
Querfurnierung 
des holzes am 
Türchen und durch 
dunklere Behand⸗ 
ung der Sprossen 
noch erhöht wer⸗ 
den. Durch Über⸗ 
greifen des Rund⸗ 
stabs am Türchen 
8 an der ochub Straße in Markgröningen. 
Fugen verdeckt und das Eindringen von Staub 
verhindert. 
Der Ofenschirm ist mit Applikation, d. h. mit auf⸗ 
genähten, nach bestimmtem Muster in Form und Farbe 
gewählten Stoffstüchen verziert. Das Material für die 
Zespannung ist freigestellt und je nach der Verwendung 
ind dem Geschmack kann Leinen, Wollstoff, Tuch, Satin, 
deide usw. gewählt werden. Es erscheint zweckmäßig, den 
zanzen Ständer, also auch die Schreinerarbeit, mit einzu⸗ 
liefern, doch genügt es, wenn der Schirm allein, auf einen 
einfachen, gebobelten Lottenrahmen gespannt, eingesandt 
berantw. Schriftl. Oberbaurat Paul Schmohl, Dir.d. K. Baugewerkeschule, Dorst. d. Beratungsstelle f.d. Baugewerbe; Verl. v. Wilh. Meyer⸗Ils chen; 
druc von Cart Gruninger, sämtl. in Stutigari. — Für d. Begieher d. Gewerbeblattes a. Württemb. unentgelti. Im Buchhandel Mu3.50 jährl. 
vird. Der Ofenschirm dürfte sich auch als Ausstellungs⸗ 
tück für das Schaufenster eines Tapeziers eignen. 
gür den Schlußstein ist das Material ebenfalls frei— 
jestellt. Ein heimisches, d. h. württembergisches Gestein 
vird jedoch in verschiedener Hinsicht den Vorzug verdienen. 
Vortlaut, Schriftart und Form der Beschriftung sind frei— 
gestellt und somit dem persönlichen Geschmack des Verfertigers 
zeine Schranken gezogen. Die einfach gewählten Haupt⸗ 
formen des Steines 
'assen ihn überall 
an privaten wie 
zffentlichen Gebäu⸗ 
den über Türe oder 
Senster verwenden. 
IJHAus der g 
guten alten 
J Zeit. 9 
Unser Bilo fuhrt 
uns in eine Gasse 
des schwäbischen 
städtchens Mark⸗ 
gzröningen, das so 
reich an malerischen 
Straßenbildern 
uind Baugruppen, 
vie an beachtens⸗ 
verten Bauteilen 
zinstiger tüchtiger 
handwerkskunst 
ist. Die Gasse ist 
eng und kann den 
heutigen Forderun⸗ 
gen an Luft und 
kicht nicht mehr 
genügen. Trotz⸗ 
dem fesselt uns 
das Bild. Wir 
suchen darin das 
Gute, und das sind 
seine Schönheits⸗ 
werte, die sich in 
unserem Gefühl 
offenbaren, sich 
aber nicht immer 
in Gedanken for⸗ 
nen oder gar in 
azlare Sätze pressen 
assen. Jedenfalls 
ist es hier der 
geschlossene durch⸗ 
laufende Stein⸗ 
ockel derGebäude, 
das Übersetzen der 
einzelnen Stock⸗ 
werke, der Khyth⸗ 
nus, der in den drei durch gleiche Zwischenräume ge— 
rennten Giebelwänden liegt, was trotz der Verschiedenheit 
m einzelnen der Straßenwand Ruhe, Einheit und Ge— 
chlossenheit verleiht. Der ernste Kusdruck der großen 
hiebel wird durch die kleinen Doppelgiebel und die ab 
ind zu hervorbrechenden Sonnenfleche gemildert. Das 
Zesamtbild spiegelt so äußerlich das Leben der arbeits— 
amen, eng beieinander lebenden Bewohner wieder, die 
»ei aller ürbeit und Bürde sich noch ein gutes Stück 
hwäbischer Sitte und Urwüchsigkeit bewahrten, die einst 
die Erbauer und Werkleute dieser Bauten beseelte. 
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