Die Vorteile, welche man von dem Mansarddach rühmt,
verlieren indessen bedeutend an Wert, und fallen sogar
gänzlich weg, wenn man neben den bedeutenderen Kosten
eines Mansarddaches und dem immer nur sehr geringen
Wert solcher Dachwohnungen die eigentlichen Nachteile
dieser Dächer gegen die geradlinigen in Vergleich bringt.
Die in der Dachdeckung mit der Zeit entstehenden Mängel
können hinter der Verschalung nicht so leicht entdeckt werden,
weshalb oft der
Schaden sehr weit um
sich greift, ehe er
bemerkt wird. Die
für die Mansarden—
zimmer auszuführen⸗
den Wande belasten
die Dachbalken be—⸗
deutend, selbst wenn
sie bloß gestakt sind.
Die Holzkonstruktion
muß stärker und fester,
daher kostspieliger
sein, als bei geraden
Wänden, indem die
Mansardendächer
dem Winde weit
mehr Widerstand ent⸗
gegenstellen als diese.
Der obere Teil der
Dachfläche ist zu flach,
der untere zu steil, so
daß erstere leichter
Regen durchläßt, als
gewöhnliche gerade
Dächer, man müßte
denn die Mansarden
mit Schiefer oder
Metall decken. Man
kann überdies mit den
Mehrkosten, welche
ein Mansarddach im
Vergleich zu einem
geraden an Mate—
rialien, Arbeitslohn,
Verschalung, Errich⸗
tung der Scheide⸗
wände usw. ver⸗
ursacht, beinahe ein
ganzes Stockwerk
mit den nötigen
Wohnräumen auf⸗
führen, was ohne
Zweifel noch einmal
so viel Wert hat, als
eine Mansarden⸗
wohnung.“
Eine Außerung,
der wir durchaus beipflichten möchten! In der Tat hat
die glatte Lösung vollausgebauter Stochwerke und gerader
Dächer technische und wirtschaftliche Vorteile. Was die
Dorliebe für das Mansarddach in unserer Zeit so groß werden
ließ, war vor allem wohl die gewiß nicht wegzuleugnende
Behäbigkeit seiner Wirkung. AÄber auch die glatte würfel⸗
förmige FSorm mit geradem Dach von mehr oder weniger
steiler Neigung hat ihre Schönheit, sodaß sehr wohl wieder
eine Zeit kommen kann, in der wir mit dem Verfasser
der oben wiedergegebenen Außerung „es sehr natürlich
finden, daß die neuere Architektur das Mansarddach wo
nicht gänzlich verwirft, so doch immer seltener anwendet.“
Der Gebrauchstisch von heute ist
Kunder Tisch. in der Regel vierechig. Was an
inders geformten, also vornehmlich an runden und ovalen
Lischen jetzt angefertigt wird, das sind meistens sogenannte
'ier- oder Salontische, fein aufpolierte, gebrechliche Ware,
ze für den täglichen Gebrauch viel zu empfindlich sind.
zo recht behagliche runde Tische aber, an denen eine
ganze Familie Platz nehmen konnte, führen die Möbel—⸗
geschäfte in einfacher
tannener Ausführung
heute nicht mehr.
Und doch sollte der
runde Tisch gerade
im einfachen Hhaus
wieder mehr Auf—⸗
nahme finden, hat
er doch den großen,
für enge Behausungen
besonders schätzens⸗
werten Vorzug ge⸗
ringster Platzbean—⸗
spruchung bei größt⸗
möglicher Släche.
Denn der Vreis ist
bekanntlich die Figur,
die bei geringstem
Umfang den groͤßten
Flächeninhalt besitzt.
Der runde Tisch
älterer Herkunft, der
hier abgebildet ist,
zeichnet sich durch
Leichtigkeit seines
Baues ebenso sehr
aus, wie dadurch, daß
bis heute weder sein
Gestell wackelig noch
seine Platte krumm
geworden ist — und
das alles trotz gering⸗
ster Holzstärken und
durchgängiger Ver—⸗
wendung von Tannen⸗
holz. Erreicht wurde
dies durch eine muster⸗
gültige Konstruktion:
An den sechseckigen
Fuß, der seinerseits
mit doppelten Zapfen
in der breiten Fuß⸗
platte steht, sind am
oberen Ende zwei
CLeisten angeblattet.
Auf diese ist die
Tischplatte aufgelegt
und zwar so, daß
zwei andere mit der Unterseite der Platte verbundene
deisten den beiden am Fuß befestigten parallel liegen.
hurch vier lange Holznägel, welche die Leisten des
Fzußes mit denen der Platte verbinden, ruht die
NMatte fest und unverrückbar, dem Schaffen des hol⸗
es aber vollkommen Spielraum lassend, auf dem
zußgestell auf. Damit sich die Platte nicht werfen
rzann, ist in sie auf der Unterseite eine Leiste bündig
mit der unteren Plattenfläche eingeschoben. RKund um
die Platte ist ein nur 4 mmm starker Span gebogen, der
)as sonst sichtbar werdende hirnholz verdecht und dem
Kand ein sauberes Ansehen gibt.
y Mm
—V — —
————
Tannener Rundtisch.
Derantw. Schriftl. Oberbaurat PaulsSchmohl, Dir. d. k Baugewerkeschule Vorst d Beratungsst.f.d. ßBaugew.; Verl.v. Wilh. Meyer⸗Ilschen; Druck
von Carl GrüningerNachf. Ernst Klett, sämtl. in Stuttgart. — Für d. Bezieher d. Gewerbebl. a. Württ. unentgeltl. Im Buchhandel M. 3.50 jährl.
A