Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Mitteilungen der Württemberg. Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1918, Bd. 13, Heft 1/12)

aäberhaupt keine Beeinträchtigung bedeutet. Muß jedoch
der zu belichtende Raum auch gelüftet werden können, so
wäre das liegende Dachfenster das Naheliegendste. Doch ist
hier Vorsicht geboten, da nicht jede Konstruktion dieser Art
von Fenstern Kewähr gegen das Eindringen von Feuchtigkeit
dietet. Auf jeden Fall sicherer ist das stehende Dachfenster,
bvor allem dann, wenn die Dachhaut in weit ausholender
5chweifung über das Fenster ohne Unterbrechung hinweg⸗
geführt wird. Ein Beispiel für eine solche Ausführung findet
iich in Ur. 10 des Jahrgangs 1908 unserer Zeitschrift.
Sind die Räume, die in einem Dach durch besondere Auf⸗
hauten zu belichten sind, regelrechte Wohnräume, so müssen
die ÄOffnungen die Größe von Wohnzimmerfenstern annehmen.
Im die Aufbauten aber trotzdem nicht zu groß und schwer⸗
zällig werden zu lassen, empfiehlt es sich. die Fenster mehr
—

inmuren, so sehr muß uns doch auffallen, wie im Gegensatz
ierzu das Drum und Dran der meisten Bauten alter Seit und
oie die handwerklichen Erzeugnisse an Geräten und Ge⸗
rauch sgegenständen überhaupt einen umso hemmungsloser
etätigten Schmucktrieb offenbaren. Sweifellos war die
zreude am Schmücken reger und die Begabung hiefür sicherer
ntwickelt als bei uns, wo sich der Schmucktrieb am untaug⸗
ichen Objekt, am haus körper selbst, versucht und diesen da—
urch zum aufgeputzt erscheinenden Erzeugnis spielerischer
aune werden läßt, während die geschmackvolle Durchbildung
zer kleinen Dinge in und am haus nur zu sehr vernachlässigt
vird. — Daß in unserer Zeit so manches Stück oft nur die
oheste und konstruktiv notwendigste Formung zeigt, ist sicher
icht allein die Schuld unserer Verhältnisse, so häufig und so
gern sie auch zur Entschuldigung angeführt werden. Der Hand⸗

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Rirche und Friedhof zu Buoch. OA. Waiblingen.
breit als hoch anzunehmen und nötigenfalls in ganzen Reihen verker selbst trägt nicht weniger Schuld. Er hat sich vom Zeich⸗
jusammenzufassen. Es hat dies auch noch den Vorteil, daßz ier so lange bevormunden lassen, bis er das Selberkönnen ganz
nicht mehr jedes einzelne Fenster Kehlen und Verwahrungen erlernt hat. Aber was ein wirklicher Meister ist, der schafft
für sich verlangt, sondern daß deren nur zwei für jede Fene inmal auch ohne Huftrag und Detailzeichnung auf eigene
tergruppe notwendig werden. — Soll der Dachaufbau nicht Faust und nach eigenem Kopf. Je meistermäßiger in der Aus—
nur Licht, sondern aua Raum schaffen, so genügen Dachfenster ihrung und je gefälliger seine Arbeit dann ausfällt, umso
nicht mehr, vielmehr wird es notwendig, ganze Zwerchhäuser her wind sich auch ein Liebhaber hiefür finden. So haben die
aufzusetzen, die bei noch weitergehendem Raumbedarf unter⸗ lten auch geschafft und der Erfolg würde auch für unsere Zeit
einaͤnder wiederum zu ganzen Gruppen verbunden werden vieder der sein, daß solche Arbeiten mehr und mehr geschätzt
azönnen, indem man zwischen sie kleinere stehende Dachfenster ind begehrt würden. — Um zum eigenen Sormen anzuregen
anordnet, welche unter einem einheitlichen Schleppoach liegen. nd zu erziehen, wurden in den früheren Bauhandwerker—
-Eine solche Anordnung dürfte das Höchstmaß dessen dar⸗ vettbewerben der Beratungsstelle für das Baugewerbe, die
tellen, was einem Dach an Aufbauten aufgesetzt werden nit dem Frieden wieder aufgenommen werden sollen, die zeich⸗
zann, ohne es in seiner Geschlossenheit zu sehr zu beein- erischen Vorlagen versuchsweise nicht in natürlicher Größe,
trächtigen. Was darüber hinaus an Tuͤrmen, Erkern, Giebeln nndern in kleinerem Maßstab ausgegeben. Es liegt die rohere
und dergleichen aufgepackt wird, wirkt zweifellos unschön dere feinere Durchbildung der Einzelheiten also durchaus noch
und gefährdet die Gediegenheit der baulichen Ausführung. n der Hand des Meisters, der sich an die Ausführung macht.
5 andwerkerkunst So bescheiden uns die bau- In besonders schöner Weise ist der in dieser Nummer abgebildete
lichen Erzeugnisse der bür- Nakatständer gelungen, der im letzten Bauhandwerker—
Jersichen und dauerlichen Bauweise früherer Zeiten mit ihren vettbewerb vor dem Kriege angekauft werden konnte und
echteckigen Hauskörpern und ihren großflaäͤchigen Dächern etzt im Landesgewerbemuseum seinen Platz gefunden hat.
)erantw. Schriftl Oberbaurat PaulSchmohl, Dir. d. x Baugewerkeschule, Vorst. d Beratungsst. f.d. Baugew.; Verl.v. Wilb. Meyer-Ilschen; Druch
on Carl Grüninagernochft. Ernist Klett, sämtl. in Stuttgart. — Für d. Bezieher d. Gewerbebl. a. Württ. unentaeltl. Im Buchhandel M. 3. 50 jährl
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