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Misi. Neyer lscsion · Slullgari
Herausgeg. vom Aurit sanbesgewe
16. Jahrgang Stuttgart, Juli / August 1921 Nummer 7/8
Unsere Friedhöfe
Der Ausbau der
Kriegergräber auf dem
Heimatfriedhof fürden
dauernden Zustand, die
Erstellung von Krieger⸗
denkmalen und die zu—
nehmende Sterblichkeit
als Kriegsfolge haben
an vielen Orten zur Er⸗
weiterung bestehender
Friedhöfe oder zu Neu⸗
anlagen geführt.
Es wäre zu wün—⸗
schen, daß diese Ge—
legenheit da und dort
auch gleichzeitig benützt
würde, um eine bessere
und würdigere Gestal⸗
tung des heimischen
Friedhofs anzubah⸗
nen. Die Mehrzahl der
Friedhöfe unseresLan⸗
des weist im allgemei⸗
nen einen Zustand auf,
der nicht erfreulich ist.
Sie sind zum Teil eine
Anhäufung von soge⸗
nannten Grabdenk⸗
mälern, ein Muster⸗
lager der verschiedenen
Steinhauerbetriebe,
eine Materialiensamm⸗
lungder verschiedensten
Gesteinssorten. Kaum
daß neben den auf der
eigentlichen Grabfläche
angepflanzten Rosen⸗
stöcklein irgendwo eine
größere Baumgruppe
als belebendes Grün
dieser Steinwüste sich
zeigt. Wenn man be⸗
denkt, welche unge—
heuren Geldsummen ein solcher Friedhof in seinen Grab⸗
steinen mit Einfassungen in sich schließt, welch ungeheurer
Aufwand von Arbeitszeit und Menschenkraft zur Schaffung
all dieser Werte benötigt wurde, so beschleicht den Besucher
beim Betrachten solcher Ergebnisse ein wenig erfreuliches
Gefühl. Von einer Begräbnisstätte sollte man doch im allgemeinen
erwarten dürfen, daß die Umgebung durch ihre
Anordnung und Form gewisse Seiten unserer Gefühlswelt
anspricht, so daß unser inneres Erleben eine gewisse Be—
ruhigung und Aufrichtung und einen gewissen Mut zum Leben
beim Verlassen der
Totenstätte mit sich
nimmt. Eine solche
Stimmung atmen un⸗
sere Friedhofanlagen
im allgemeinen wenig.
Besonders wir Schwa⸗
ben aber, die wir ein
tiefes Gemüt besitzen,
bedürften solcher
Friedhöfe im beson—
deren. Nur durch falsch
gerichtete Erziehung,
durch verkehrte Beleh⸗
rung und vielleicht auch
durch Oberflächlichkeit
war es möglich, daß un⸗
sere Friedhöfe einen
solchen Zustand der
Verödung und Ver-⸗
flachungerreichen konn⸗
ten. — Um denselben zu
verbessern, genügt es
nicht allein, wenn man
gute Grabsteine auf
dem Friedhof unter⸗
bringt, schon in der Ge⸗
samtanlagemußdarauf
Bedacht genommen
werden, daß Bilder ent⸗
stehen können, die eine
gewisse Befriedigung
geben und die Stim—
mung schaffen, die für
das Gefühlsleben des
Besuchers unerläßlich
sind. — Die größte
Sorgfalt ist daher auf
die Gesamtplanung ei⸗
ner solchen Anlage zu
verwenden. Es genügt
nicht, wenn man breite
Straßen seitlich mit
Bäumen besetzt anlegt und durch Querstraßen das Gräber⸗
eld einteilt, d. h. wenn man mit Maßstab und Zirkel ver—
tandesmäßig Ordnung und Systeme schafft, es genügt nicht,
venn man bedacht ist, die Grundfläche des Friedhofs mit
nöglichst vielen Gräbern zu belegen, d. h. den Standpunkt
der Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund rückt; man muß
nit andern Mitteln versuchen, Werte zu schaffen, die sich
licht in Zahlen und Geld ausdrücken lassen, die aber be⸗
eutende Werte für den seelischen Zustand der Friedhof—
esucher in sich schließen.
Aus Neresheim
Aus dem Darstellungswettbewerb: Fin 3. Preis. Wilh. Tiedje, Stuttgart