»⸗
—
*
—
1
TTE—LONGGED)- DEBR BRITEMABEBRGISCABEM
BEBA SS OB D —
stuttgart, November 1930
Anhrgang /Nummer 11
kKölner Jahrestagung 1930 ——
des Deutschen Ausschusses für wirtsthsftsichès Bauen
v
Auch die diesjährige Tagung dieses nun 11 Jahre bestehenden
Ausschusses bewies die Anziehungskraft des Begriffes „Wirt—
schaftliches Bauen“. Waren doch wieder etwa 1000 Vertreter aus
allen Kreisen der deutschen Bauwirtschaft, der Architektenschaft
und der Fachverbände zusammengekommen. Auffallend ist diese
große Zahl angesichts der Zweifel, die man berechtigterweise an
den prättischen Ergebnissen der Tagungen hat. Erklärlich ist sie
aus der drängvollen Notlage unserer Bauwirtschaft, die auch
allen Ausführungen Unterton und Richtung gab.
Aus den Begrüßungsansprachen seien die grundsätzlichen Aus—
führungen zur Lage von Baurat Dr. Riepert vom Reichs—
berband der deutschen Industrie wiedergegeben, in denen der
Befahrstand seinen Niederschlag von dieser Seite aus fand:
kurzer Zeit beim Verlag ccTaube, Dresden-A. 1, er—
cheint und die Vorträge samt Bildmaterial enthält.
Die Vorträge des ersten Tages behandelten die Skelettbau—
veisen. Professor Dr. J. Sie dler z-Berlin sprach über den
Ztahlskelettbau, Professor Dr.«Ing. Rüth-Wiesbaden über
Betonskelettbau und Professor Schmitthenner-Stuttgart
iber Holzskelettbau. Der zweite Tag brachte Vorträge von Dr.⸗
Ing. TriebeleBerlin über die Bewertung verschiedener
Bauweisen, von Professor Keuerleber-Stuttgart über die
Decken⸗ und Estrichtonstruktionen der Versuchssiedlung Bie—
igheim und von Direktor Gerlach-Berlin über Massivdecken
m Wohnungsbau. Es folgte Dr.«Ing. Reiher-Stuttgart
nit seinen neuesten Untersuchungen auf dem Gebiet des Schalls
ind der Erschütterungen und zuletzt Ministerialrat Dr.
Schmidt-Berlin mit der wichtigen Frage der Winterarbeit
m Baugewerbe.
Man ist gegen die Ergebnisse der Tagungen mißtrauisch ge—
vorden. Es wird viel mit Zahlen aufgewartet, die man nicht
tachprüfen kann und die sich oftmals widersprechen. Dies zeigte
ich bei den Verfechtern der verschiedenen Bauweisen in Stahl,
fisenbeton und Holz wiederum deutlich. Was hat zu gelten,
venn z. B. vom Stahlbau gesagt wird, er sei um mindestens
0 9 billiger als andere Bauweisen, vom Betonskelettbau, er
zringe wirtschaftliche Vorteile und vom Holgzskelettbau, daß
ich bei ihm 20 Ersparnisse gegenüber anderen Bauweisen
iachweisen lassen? Ganz besonders bedauerlich ist, wenn keine
Oöglichkeit zur Diskussion gegeben wird. Es ist damit einer
Tagung ein gut Teil ihrer Berechtigung genommen. Dies muß
— von der diesjährigen Kölner Tagung gesagt
verden.
der Stein der Weisen in der Bauwirtschaft ist noch nicht ge—
unden. Er wird auch nie gefunden werden. Es ist bekannt, daß
»s sich beim Bauen um eine Summe von einzelnen Arbeiten
jandelt, die sich nicht in dem Maß wie etwa maschinelle oder
Verkstattarbeit zusainmenfassen lassen. Der Gruppenbau (Wohn⸗
eilen in großen Siedlungen), der diese Zusammenfassungen
im eheften ermöglicht, bleibt vorerst der Einzelfall im Vergleich
ur Gesamttätigkeit des Baugewerbes. Immer sind die ört—
ichen Vorausseßungen wieder andere und immer sind die Men—
chen bei allen Bauborgängen die vermittelnden Organe, ohne
»eren sinnvolles Mitwirken klaffende Risse zwischen den ein—
elnen Arbeiten entstehen, die den Bau verteuern. Daß der
Architekt hier durch Voraussicht viel leisten kann, ist sicher, aber
beuso sicher ist, daß ohne geschulte zuverlässige Handwerker
richt das letzte erreicht werden kann.
ßezeichnend ist, daß Professor Schmitthe‚nner, der über
eine fabrizierie Fachwerksbauweise „Fafa“ sprach, und die
Borteile der Fabrikation von Bauteilen und deren Montieren
im Bau hervorhob, sich trotzdem in temperamentvollen Worten
iber das häufige Versagen von Handwerkern beklagte. Der
Zandwerker ist also auch in solchem Fall nicht zu entbehren.
Wir geben im folgenden unseren Lesern eine neutrale wissen—
chaftliche Untersuchung aus dem Tagungsprogramm wieder,
die eine für das gesamte Baugewerbe lebenswichtige Frage
zehandelt, nämlich die Möglichkeiten, die gegeben sind, um aus
ein Saisongewerbe des Baueus ein Dauergewerbe zu machen.
Die Reichsregierung hat ihre Mithilfe für diese Bestrebungen
ugesagt. Es handelt sich dabeti um eine Aufaabe auf lange Sicht.
81
„In einer Zeit, wie der heutigen ist von allen wirtschaftlichen Pro—
blemen das der Selbstkostensenkung eines der wichtig—
sten. Diese wird zumeist in erster Linie erstrebt durch eine möglichsi
weitgehende Mechanisierung zur Herabsetzung des entscheidenden
Unkostenfaktors, der Lohnkoͤsten. Unsere bedrohliche wirtschaftliche
Lage, die Kapitalarmut auf der einen und insbesondere die ständig
wachsende Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite, mahnen jedoch dazu,
auf dem Wege der Mechanisierung nur vorsichtig fortzuschreiten,
denn die damit verbundene Erhöhung der Firkosten ist in jetziger
Zeit besonders gefährlich und es erscheint ratsam, den am stärksten
zeweglichen Unkostenfaktor, den der Löhne, nicht allzusehr durch
starre Faktoren zu ersetzen.
Bei der Zielsetzung, moͤglichst wirtschaftlich zu bauen, darf die
Mechanisierungstendenz nicht überspannt werden.
Wenn aber von der Bäuwirtschaft erstrebt werden soll, die mensch—
liche Arbeitskraft nicht allzusehr von der Maschine verdrängen zu
lassen, so hat dies doch zur Voraussetzung, daß die Kosten dieser
menschlichen Arbeitskraft in erträglichen Grenzen bleiben und sich
dem allgemeinen Bestreben einer Unkostenminderung eingliedern.
Die Bauwirtschaft wird daher nicht darum herumkommen, auch auf
dem Gebiet der Arbeitslöhne eine gründliche Revision der bestehen—
den Verhältnisse durchzuführen, nachdem dies hinsichtlich der anderen
Kostenfäktoren bereits seit längerem angebahnt und zum Teil durch—
geführt ist. Das Regierungsprogramm, läßt die Tendenz erkennen,
die oͤffentliche Bezuschussung des Wohnungsbaus einzuschränken.
Nur noch für die ärmsten Schichten sollen Wohnungen mit staat—
licher Hilfe erstellt werden, während der normale Wohnungsbedari
wieder, wie früher, Aufgabe der freien Wirtschaft wird. Aber nur,
wenn die öffentlichen Mittel, die dem Wohnungsbau künftig ent—
zogen werden, auf andere Weise der Bauwirtschaft wieder zufließen,
uͤnd zwar durch Wegebau, Kanalbau, Verkehrsbauten usw. läßt sich
das immer mehr anschwellende Heer der Arbeitslosen wenigstens
teilweise zu einer produktiven Beschäftigung zurückführen und der
ciesige Betrag für unproduktive Unterstützung sparen.
Bei der Neuregelung der Wohnungswirtschaft muß die Rentabilität
im Wohnungswesen sobald wie möglich wieder hergestellt werden,
damit die daͤraus dem freien Kapitalmarkt zuströmenden Beträge
den Anreiz erhalten, in die Bautätigkeit zurückzukehren. So wird
von einer gesundeten Wohnungswirtschaft aus die Bauwirtichaft zur
Besundung kommen können.“
Unter dem Vorsitz von Regierungsbaurat Stegemann, dem
Leiter der Leipziger Baumesse, nahm die Taaung den vro—
grammäßigen Verlauf.
Der Hauptstoff, der zur Behandlung stand, betraf den Skelett—
bauim'heutigen Wohnungsbau, und zwar in Stahl,
Fisenbeton und Holzfachwerk. Vorträge über Holz- und Mas—
sivdecken und einige andere schlossen sich an.
Wir geben lediglich das Vortragsprogramm wieder und ver—
Penen auf die 9. Folge vom .Wirtschaftlichen Bauen“, die in
4.
14