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Stuttgart. Dezember 1930
25. Jahrgang /Nummer 12
Neubau der Staatl. Milchwirtschaftl. Lehr- und
Forsschungsanstalt, Wangen iĩ. A.
Baubeschreibunꝗq
Beim Neubau für den praktischen Betrieb der Staatl. Lehr—
und Forschungsanstalt war die Lage des Kesselhauses gegeben.
Der alte Kessel soll als Reserve dienen und der Betrieb sollte
während der Bauzeit nicht unterbrochen werden. Die Betriebs—
umstellung durfte ebenfalls keine Unterbrechung des Betriebs
herbeiführen.
Es lag für die Beratungsstelle für das Baugewerbe als Plan—
fertigerin die Aufgabe vor, die betriebstechnischen Pläne über
Verarbeitungsgang und Maschinen, welche vom Bergedorfer
Eisenwerk und dem Betriebsleiter unter Anhörung Sachver—
ständiger stizziert waren, räumlich zusammenzufassen. Bei der
Planfertigung wurde eine möglichst einfache Bauform ange—
strebt unter Vermeidung von Oberlichtern. Dies wurde durch
ein einmal abgesetztes Pultdach erreicht, das an das alte
Betriebsgebäude in der Flucht und mit der Höhe der Traufe
anschließt. Der Verarbeitungsgang forderte, daß die angeliefer—
ten Milchmengen durch natürliches Gefälle den einzelnen Ver—
arbeitungsmaschinen und Geräten zugeleitet werden. Hierbei
lag die gegebene Rampenhöhe bei der Annahme fest. Die Fuß—
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her bestimmt, ferner waren die Kellerräume unter dem Neu—
bau mit denen des Altbaues in Verbindung zu bringen, so
daß ein Verkehr mit Wagen erfolgen kann. Auf übersichtlich—
keit des Betriebs wurde besonderer Wert gelegt. Dies kommt
in erster Linie bei der Anordnung des Raumes für die Be—
triebsleitung zum Ausdruck. Von hier kann der Wirtschafts—
hof, die überdeckte Annahme- und Ausgaberampe, der An—
nahme- und Separatorenraum, die Flaschenreinigung und die
Butterei übersehen werden: auch ein Durchblick zur Käserei ist
zewahrt. Ferner kann unmittelbar anschließend der Maschinen—
raum übersehen werden, sowie die dahinterliegenden und durch
Glasverschläge abgetrennten Räume, wie Kesselhaus und
Werkstatt. Durch die Sägedachform erhalten die Räume aus—
giebig Tageslicht. Auf Fußbodenhöhe der Butterei und in
direkter Verbindung mit derselben liegt der Butterkühlraum,
welcher zugleich als Podest für die Rahmreifer dient. Ein klei—
nerer Milchkühlraum liegt zwischen Flaschenreiniagung und
Käserei. Von der Rampe zugänaglich ist noch die Käseabaabe,
die durch einen Aufzug mit Käserei und darunter liegenden
Käselagerkellern in Verbindung steht. Als letzter Raum an
der Rampe und vom Betrieb wegen Geruchbeläöstigung absicht—
lich getrennt lieat die Molkenabgabe. Durch die verschiedene
Höhenlage der Räume, welche sich durch Ausnützung des natür—
lichen Gefälls für die Milchverarbeitung ergab, konnte auf Fuß—
bodenhöhe der Käserei und in Verbindung mit derselben unter
den Rampenräumen ein Zwischengeschoß angeordnet werden.
Ein Käsesalzraum, ein Gerätewasch- und Trockenraum und ein
Abstellraum sind hier untergebracht. Der aganze Neubau ist
unterkellert. Um den Käsevackraum beim Aufzug aruvpieren
sich Käsekeller für die verschiedenen Sorten, ein Käsekühlraum
sowie ein Lagerkeller. Die Kellerräume, Kühlräume und Be—
triebsräume sind an eine künstliche Entlüftungsanlage ange—
schlossen. Im alten Betriebsgebäude, in dem das vergrößerte
Kesselhaus lieat, konnte noch ein Bad- und Brauseraum, ein
Schüleraufenthaltsraum, als Zwischenstock beim Boiler ein
Hleidertrockenraum untergebracht werden. Ein Vorbau vor
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em Altbau enthält einen Kohlenraum in Verbindung mit dem
Zesselhaus, eine Garage, Aborte sowie die Erweiterung des
Zpülraums. Der tiefer als die Keller liegende Pumpen—
aum, in dem sich die Kondenswasser-Sammelbecken befinden,
at durch eine Leiter direkte Verbindung zur Werkstatt, Über
der Werkstatt liegt, vom Rahmreiferpodest zugänglich, ein
ragerraum für Butterpapier usw. Die ganze Anlage des prak—
ischen Betriebs ist mit dem alten Schulgebäude durch das
rühere Betriebsgebäude verbunden.
Die Ausführung des Gebäudes ist folgende:
die Umfassungswände im Keller sind Stampfbeton mit innerer
Zgacksteinvormäuerung. Die Käsekeller haben unter den Käse—
gestellen eine lose, in den Gängen eine feste Backsteinflachschicht,
m Packraum und im Verbindungsgang eine feste Klinker—
lachschicht als Bodenbelag. Die innere Vormauerung hat einen
Zzchwarzkalkputz: die aus Stampfbeton hergestellten Trag- und
zwischenwände sowie Eisenbetonstützen sind wie der Schwarz—
alkputz und die Sperledecke mit Kalkmilch gestrichen. Die
dühlraͤume sind allerseits mit 10 em starken expansierten
dorkplatten isoliert und haben als Bodenbelag weißgraue
Ta-Bé-Klinker. Die Wände sind teils mit Zementputz versehen,
eils mit frost- und säurebeständigen Ka-Be-Wandplatten ver—
leidet. Sämtliche Betriebsräume haben als Bodenkonstruktion
iuf den Sperledecken Bimsaufbeton mit Gefälle, eine doppelte
Asphaltabdichtung mit dreimaligem Isoliergudronanstrich. Die
Abdichtung ist an den Wänden hochgezogen. Als Bodenbelag
vurden bei den Räumen auf Rampenhöhe braune Mulden—
teinerplatten, bei allen übrigen Betriebsräumen weiß-graue
Ca-BecKlinker verwendet. Bei der Ausfugung der Platten—
zeläge wurde als Zusatz gegen Milchsäureangriffe Sika ge—
tommen. Die Betriebslettung hat Parkettboden, das Schüler—
aboratorium Asphaltbelag. Die Erdgeschoßumfassungswände
purden aus Backsteinen mit FJsolierschlitzen ausgeführt. Die
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