Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Monatszeitschrift der Staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1932, Bd. 27, Heft 1/12)

FÜR BAUPLA.
UND WERKSTAI ı

MONATS -ZEITSCHRIFT DER STAATLICHEN
BERATUNGSSTELLE FÜR DAS BAUGEWERBE

Jährlicher Bezugspreis RM 3.40

Stuttgart, Februar 1932, 27. Jahrg., Nr. 2

Für das deutsche Holz

T
G E L E ITWO R Die Zimmerkunst gehört unzweifelhaft zu den ältesten handwerklichen Betätigungen. Ein
Zimmermann war es wohl, der um den ersten Herd des Menschen den ersten Schubbau
erstellte. Jahrtausende lang hat der Zimmermann, zuerst der Not, dann der Vernunft genorchend,
 das nötige Holz aus seiner nächsten Umgebung genommen. Der Zimmermann
muß sich heute an diese Tradition erinnern und vor allem anderen einheimisches Holz
verwenden, Dieses gebietet ihm die Einsicht in die Lage unserer Wirtschaft. Forst- und
Holzwirtschaft bieten gutes schönes Holz im Überfluß, zudem zu so billigen Preisen wie kaum
zuvor, - Der Zimmermann, der deutsches Holz verwendet, tut das sowohl in seinem
eigenen Interesse, wie zum Besten der deutschen Forst- und Waldwirtschaft, zum Nuten
von Volk und Staat.

Notgemeinschaft für Holz. Dr. Marquardt.
Stuttgart, Königstraße 1, im Januar 1932.

Was mufy und was kann für das deutsche Holz
geschehen!

In Württemberg ist zur Zeit eine „Notgemeinschaft für Holz“
in Bildung begriffen, die uns durch ihren Geschäftsführer,
Herrn Dr. Marquardt das obige Geleitwort für unsere
Veröffentlichungen über Holz freundlichst zur Verfügung gestellt
 hat. Die Aufgaben dieser Notgemeinschaft sind vielseitig.
 Die ungünstige Holzmarktiage und die fast vollkommene
 Absatzstockung in sämtlichen Zweigen des Holzgewerbes
 verlangen gebieterisch umfassende Maßnahmen zur
Förderung der holzwirtschaftlichen Belange aller am Holz
‚nteressierten Wirtschaftsgruppen. Zu diesem Zweck fand am
21; Dezember eine Besprechung in Stuttgart statt, in der
Oberforstmeister Dr. Dannecker über die Möglichkeiten
sprach, wie der Absals des deutschen Holzes auf dem Wege
der Staats- und Selbsthilfe gefördert werden kann. Solche
Maßnahmen, wie sie die Notgemeinschaft auf ihr Programm
gesetbt haft, sind mit ein Zeichen dafür, wie der wirtschaftliche
Kampf Aller gegen Alle immer mehr um sich greift. Wir
unterstüben die Maßnahmen zur Förderung der vermehrten
Verwendung von einheimischem Holz nachdrücklich. Wir senen
 aber in einem Teil derselben nur vorübergehende Ver-‚uche,

 dem heutigen nationalen Notstand entgegenzuwircen.
 Die Wirtschaft der einzelnen Länder drängt, gesteigert
durch die Industrialisierung, auf einen Austausch der erzeugen
 Güter. Die nationale Einengung wird für ein Volk immer
1achteilig sein. Handelsfreiheit liegt in der Richtung der weieren
 Weltentwicklung. Auch der Qualitätsgedanke kann nicht
ıusgeschaltet werden. Der Vortrag von Herrn Dr. Dannecker
var von grundsätlicher Bedeutung. Wir geben ihn nachste-1end
 in verkürzter Form wieder:

Wollen wir der uns gestellten Frage näher treten, so ist vor
Ilem zu untersuchen, ob und inwieweit die innerdeutsche
lolzerzeugung auszureichen vermag zur Versorgung unserer
/olkswirtschaft. Hierzu einige Zahlen: Der Verbrauch an Nußolz
 jeglicher Art (einschließlich Papierholz) betrug die Zeit
or dem Krieg, wo wir eine gesunde Wirtschaft hatten, 39 Mill.
bm jährlich. Auch einige Zeit nach dem Krieg mag der Verırauch
 vorübergehend noch ähnlich gewesen sein. Seit 2bis
3 Jahren ist derselbe jedoch — neben Ursachen der allgeneinen
 Wirtschafisnot — aus den bereits angedeuteten Gründen
 in raschem Tempo abgesunken. Setbt man den jährlichen
Minderverbrauch seit 1929 sehr vorsichtig nur mit 40 pCt. ge-‚enüber
 1913 an, so ist von da ab der tatsächliche Bedarf nur

Verlag und Versand: Staatliche Beratungsstelle für das Baugewerbe beim Württ, Landesgewerbeamt, Stuttgart, Kanzleistr. 281. Verantwortliche
Schriffleitung: Baurat Schleicher, Vorstand der Württemb. Beratungsstelle für das Baugewerbe. - Herstellung: Druckerei Otto Kösler, Stuttgart.
            
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