Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Monatszeitschrift der Staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1932, Bd. 27, Heft 1/12)

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MONATS -ZEITSCHRIFT DER STAATLICHEN
BERATUNGSSTELLE FÜR DAS BAUGEWERBE

Jährlicher Bezuaspreis RM 3.40

Stuttgart, März 1932, 27. Jahrg., Nr. 3

Wettbewerb
der Höheren Bauschule Stuttgart für ein ländl. Kleinhaus.
Besprochen von Prof. Ernst Wagner, Degerloch.

Die Wohnungsnot, noch nicht ganz behoben, ist von der
Arbeitsnot abgelöst worden. Es kann von niemand bestimmt
vorausgesagt werden, wie lange und inwelchem Umfang das
“ehlen hinreichender Arbeitsmöglichkeit für einen so außerordentlich
 hohen Prozentsatz der Bevölkerung, wie wir ihn
z.Zt. erleben müssen, andauern wird. Immerhin muß mit jahreanger
 Fortdauer eines zu geringen Arbeitsvolumens gerechnet
 werden.

Jas Wettbewerbsprogramm, das in der nächsten Nummer abjekürzt
 wiedergegeben wird, mußte einfach sein. Es wurde
leshalb der Lageplan-Lösung weniger Bedeutung zugemesen
 und nur Einzelhaus-Typen verlangt. Die Reichs-Notverord-‚ung
 verlangt Selbsthilfebau, außerdem ist durch eine sehr
charfe Begrenzung der Gesamt-Baukosten die größte Becheidenheit
 in Allem notwendig. Deshalb sollten die Mög:
ichkeiten späterer Vergrößerung (Anbau, Ausbau, oder
1. U, auch Aufbau) und der späteren Verbesserung (Wärme-1altung,
 Haltbarkeit u.s. w.) möglichst angestrebt werden. Mit
aus diesem Grund kommt das Reihenhaus weniger in Frage,
>bwohl auch hiefür ausbaufähige Typen geschaffen werden
«Öönnen. Wegen der größeren Landzugabe 6-30 ar werden
ıber Doppelhäuser oder Einzelhäuser richtiger sein. Die Verjrößerung
 (ohne wohntechnische Störungen) und irgendvelche
 Anbauten für Kleintierställe usw. sind beim Einzelhaus
a der einfachsten und billigsten Weise möglich, auch ist die
challtechnische Absonderung bei den Leichtbauweisen
chwierig und bei Doppel- oder Reihenhausbau kaum lösar.
 Ein Grund, weshalb nicht mit Unrecht bei D. H. häufig
wenigstens im Erdgeschoß Massivbau gewählt wird,

Allgemein theoretisch beurteilt, kommen als Linderungsmittel
nicht als Abhilfe) in Frage:
..) Die Arbeitsteilung, über die hier nicht gesprochen werden
 kann.

2.) DieSchaffung von Zusatnahrung durch Eigenerzeugung.

ıe größer die Städte, je ausgesprochener und einseitiger
deren Industrie-Charakter, um so schlimmer die Lösung der
Aufgabe, Erwerbslosen wenigstens eiwas Arbeit und außerdem
 die Möglichkeit eigener Erzeugung von Zusabnahrung,
zu verschaffen. Je andauernder die allgemeine Wirtschaftsnot
 sein wird, umso stärker und unaufhaltsamer wird ganz
von selbst ein Zurückströmen auf das flache Land und in die
kleineren Städte einsekben.

Die Verteilung der Räume auf die Geschosse ist für die bauiche
 Lösung von entscheidender Bedeutung. Die 3 mit Preisen
»edachten Arbeiten zeigen Vorzüge und Nachteile der
‘ Möglichkeiten:
iingeschossige Wohnung mit Halbkeller und mit Flachdach.
!/z geschossige Bauweise mit steilem Satteldach,
) Vollgeschosse mit Pult- Flachdach.

/e nach der allgemeinen, wirtschaftlichen Entwicklung und dem
Tun der jeweiligen Regierung wird es sich um eine planmäßige
 Besiedelung der Stadtränder zum Zweck der Beschaffung
 von Zusaknahrung oder um vollständige Rück:
siedlung auf das flache Land (bäuerliche Siedlung) handeln.

Der von der höheren Bauschule veranstaltete Wettbewerb
sollte einerseits der technischen Weiterbildung der Schüler
dienen, andererseits auch für die Praxis brauchbare oder
wenigstens Anregung gebende Einzellösungen hervororingen.
 Es muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen
 werden, daß es sich bei der Stadtrandbesiedlung
nicht nur um bauliche Aufgaben handelt, daß vielmehr die
grundlegenden Fragen die planmäßige Bodenbeschaffung,
die richtige Bodenausnubung (möglichste, sachgemäße Stei-Jerung
 der Bodenerträgnisse) sind.

der Halbkeller dürfte für unsere süddeutschen Verhältnisse
venig geeignet sein. Abgesehen von Einzelheiten ist das
)’aumgefüge der durch eine Belobung ausgezeichneten Arbeit
4. Arbeit) mit flachem Satteldach als treppenlose Anlage
‚ehr sparsam. I. Preis siehe Umschlag Seite 2, Il. Preis siehe
Jmschlag Seite 3, Ill. Preis u. 4. Arbeit s. nächste Nummer.

bei Eingeschoßwohnungen muß die Erweiterung durch Anbau
arfolgen. Beim 1'/2 oder 2 geschossigen Haus ist der spätere
Ausbau das natürliche. Auch ist der Anreiz für den Siedler,
;elber zu vergrößern, bei der Ausbaumöglichkeit größer als
zn ” 3 Fortsetung siehe Rückseite
Verlag und Versand: Staatliche Beratungsstelle für das Baugewerbe beim Würti. Landesgewerbeamt, Stuttgart, Kanzleistr. 281. Verantwortliche
schriffleitung: Baurat Schleicher, Vorstand der Württemb. Beratungsstelle für das Baugewerbe. - Herstellung: Druckerei Otto Kösler, Stuttgart.
            
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