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FÜR BAUPLA..
UND WERKSTATT
MONATS -ZEITSCHRIFT.DER STAATLICHEN
Jährlicher Bezugspreis RM 3.40
Stuttgart, Juni 1932, 27. Jahrg., Nr. 6
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Grenzen der Gegenwartstechnik und die biotechnische
Erneuerun Gg. Von Dr. phil., Dr. med. F, D. Timmermans.
Herr Dr. Dr. F. D. Timmermans hat im Frühjahr im Auftrage der Beratungsstelle für das Baugewerbe einen Lichtbildervortrag über „Biotechnische
Richtlinien zur Beurteilung von Baustoff und Baugestaltung” gehalten. Wir geben mit der Abhandlung „Grenzen der Segen warlsiechnt und
die biotechnische Erneuerung” die Hauptigedanken dieses Vortrags wieder. — Zur Verbreitung und Nubsbarmachung des Gedankens, daß nicht
Technik und Rationalisierung die große Schuld am Elend der Gegenwart tragen, sondern ihre blinde Anwendung, die sich nicht um die unverrückbaren
Gesebe des Lebendigen kümmert, bemüht sich Herr Timmermans neuerdings darum, eine „Gemeinschaft zur Förderung biotechaischen
Wissens und Schaffens” ins Leben zu rufen. Seine Anschrift ist: Dr. Timmermans; Münster i. W., Scharnhorststrake 10a.
Die große Mannigfaltigkeit technischer Schöpfungen erscheint
uns zunächst in Idee und Verwirklichung nüklich und segensreich,
Einzelne Erscheinungen verdienen in ihrer vollendeten
Ausgeglichenheit Staunen und Bewunderung. Die großgewerbliche
Organisation birgt in sich nicht nur schlechthin die
Mittel zur massenhaften Erzeugung, zum massenhaften Gebrauch
und damit zur breitschichtigen Beeinflussung des
Kulturlebens, sondern die großgewerbliche Organisation ist
zugleich auch die Grundlage einer ungeheuren Macht, die
sich in der Mannigfaltigkeit der durch sie möglich und wirklich
gewordenen technischen Schöpfungen darstellt.
Diese Macht zeigt das menschliche Gehirn als die überlegenste
aller Waffen im Kampfe ums Dasein, weit gefährlicher und
srfolgreicher als Giftzahn, Mordgebiß und Tigerpranke. Es
ist nüblich, diese Waffe, die uns den Unbilden und Nöten
eines täglichen Ringens mit den Naturgewalten enthebt, für
den Lebenskampf zu üben. Aber ebenso wichtig ist es, sich
der Gefahren bewußt zu werden, die uns aus einem unbedachten
Gebrauch dieser Waffe erwächst, sich bewußt zu
werden, daß eine einseitig technische Entwicklung schließlich
zu Übersteigerungen führt, die dann den Nuten in Frage
stellen. Denn am Anfang und Ende der Dinge steht das Leben
und alle technische Gestaltung erfährt erst aus dieser Perspektive
heraus Sinngebung und Tragfähigkeit.
Die Entwicklung der Technik hat im Verlaufe des letten Jahrzehntes
einen Umfang angenommen, eine Steigerung erfahren,
die den Rahmen ihrer wissenschaftlichen Grundlagen
und gewerblichen Verwirklichung sprengte. Technische Fragen
wurden bislang nur vom technischen und vom betriebsund
volkswirtschaftlichen Standpunkte aus beantwortet. Daß
aber der Mensch als Lebewesen sich mit den umwälzenden
Veränderungen, die an ihm und seiner Umwelt durch die
Technik vollzogen wurden, auseinanderzuseben hat, um das
Segensreiche von dem Verderblichen zu unterscheiden und
demgemäß eine Auslese zu treffen, diese Einsicht ist erst in
jüngster Zeit wach geworden. Sie ist im Hinblick auf die weitere
Entwicklung der Technik entscheidend für Gedeihen und
Verderb derjenigen Völker, die wie wir im Zeichen der Techılk
leben und schaffen. Die Weltwirtschaftskrise, die auch unıbhängig
von dem Ausgange des Weltkrieges gekommen
väre, sollte eine ernste Mahnung sein, dem wilden Wachsum
der Industrien, lediglich bestimmt durch gemutmakte
Capitalrente, dem wilden Wachstum der Großstädte, ledigich
bestimmt durch das wilde Wachstum der Industrie, entjegenzuwirken,
sollte in dieser Zeit eines großen NiederjJanges
zur Besinnung mahnen, die künftige Entwicklung
3iner Ordnung zu unterwerfen.
Diese Ordnung künftiger Entwicklung muß eine Rangordnung
der Werte als Ausgang seben. Bislang war unbeachtet gelieben,
daß im Grunde genommen die technischen Gestalungen
nur Mittel übergeordneter Zielsetungen sein können.
'echnik ist seinem Wesen nach Verwirklichung, und wie das
;piel des Virtuosen kalt läßt, das sich im Glanz des technichen
Könnens erschöpft, so bleibt auch die großgewerbliche
echnik als Verwirklichung großer Erfindungen menschenfern,
wenn sie sich im virtuosen Spiel dieses technischen Könnens
‚erliert, wenn sie vergißt, daß der Maßstab aller Dinge zuebt
der Mensch ist, dessen leiblich-seelischem Gedeihen alle
echnik zulebt dienen muß. Technik als Dienerin des Lebens,
‚Biotechnik”, diese Aufgabe ist die brennende der
Zegenwart.
3iotechnik hat als Zielsebung, die Forderungen des Lebens
durch die Mittel der Technik zu erfüllen. In dieser Aufgabe
‚tellt sie sich als kulturhaft, lebenserneuernd in Gegensatz
zur Verflachung und Verebbung industrieller Tätigkeit, die
n einer Geld-Wert-Bilanz den letsten entscheidenden Wertnesser
erblickt. Auf die Fragwürdigkeit dieses Wertmaßstabes
ıls Start und Ziel industrieller Arbeit wirft die gegenwärtige
Neltwirtschaftskrise ein grelles Schlaglicht.
Nenn wir heute den Kreis der durch das Leben und seine
SGesebe bestimmten Forderungen, also den Kreis der biolo-Jgischen
Forderungen, daraufhin untersuchen, was hiervon
arfaßt wird durch den Kreis der technischen Gestaltung, so
st festzustellen, daß diese beiden Kreise nur wenig gemein-‚am
haben. Nur Weniges aus dem Kreise der technischen
Verlag und Versand: Staatliche Beratungsstelle für das Baugewerbe beim Württ. Landesgewerbeamt, Stuttgart, Kanzleistr. 281. Verantwortliche
Schriftleitung: Baurat Schleicher, Vorstand der Würtiemb. Beratungsstelle für das Baugewerbe. - Herstellung: Druckerei Otto Kösler, Stutigart