Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Monats-Zeitschrift der staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1933, Bd. 28, Heft 1/12)

47
FÜR BAUPLA..
UND WERKSTAI ı
MONATS -ZEITSCHRIFT DER STAATLICHEN

Jährlicher Bezugspreis RM. 3.40

Die Natursteine Württembergs

Die schlechten Erfahrungen, die mit den vielen Ersabßbauweisen
 in der Nachkriegszeit gemacht wurden, haben die
Aufmerksamkeit des Architekten und Handwerkers wieder
mehr den natürlichen althergebrachten Baumaterialien zugewendet
 und haben u. a. dem Naturstein wiederum mehr Beachtung
 geschenkt. Das Verständnis für echte Materialien
liegt bei einsichtigen Fachleuten und Stellen heute schon vor.
Diese Einstellung sollte daher immer mehr Unterstübßung ertahren.
 Von der Beratungsstelle für das Baugewerbe wurde
schon seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen, daß u. a.
auch der Naturstein wieder mehr Verwendung finden sollte

Süddeutschland ist reich an Natursteinen, Bis ins lebte Jahrhundert
 hinein wurden sie in großen Mengen weit nach dem
Norden hinauf ausgeführt, Berühmte Bauten in den werksteinarmen
 Gebieten wurden daraus erstellt. In Süddeutschland
 selbst aber waren sie in den Städten neben Holz der
wichtigste Baustoff überhaupt. Ein Umschwung trat erst ein,
als durch die starke Industrialisierung der Städte die Luft mit
schweflig- und kohlensäurereichen Gasen geschwängert wurde.
 Darunter litten gewisse Sandstein-Sorten so stark, daß sie
schon nach wenigen Jahrzehnten ersett werden mußten.
Dieser unglückliche Umstand brachte es mit sich, daß man
sich überhaupt vom Naturstein abwandte, um mehr und mehr
zu den Bauweisen mit Ersabbaustoffen überzugehen. Man
hatte dabei noch den Vorteil großer Billigkeit.
Daher ist es für die Wiederverwendung des Natursteins von
größter Wichtigkeit, sich mit diesen beiden Tatsachen auseinanderzuseken.


Sind die bei uns vorkommenden Natursteinsorten
schlechter als andere Baustoffe?

Es ist bezeichnend, daß bei den Angriffen auf die Güte des
Natursteins immer die Sandsteine ins Feld geführt werden.
ımmer wieder werden in Wort und Bild die Verwitterungserscheinungen
 behandelt, die dort auftreten. Dabei vergibt
man aber ganz, daß es sich hier nur um minderwertiges Material
 handelt, während man genügend Beispiele zeigen
könnte, wo sich selbst Sandsteine jahrhundertelang ohne
wesentliche Schädigung gehalten haben, ganz zu schweigen
von den Kalksteinen und Hartgesteinen, die sehr wohl einen
Vergleich mit dem besten Eisenbeton ertragen, vor dem sie
sogar noch gewisse Vorzüge haben.

Stuttgart, November 1933, 28. Jahra., Nr. 11

ß
Rx
ir
4
4

Jm zu einem objektiven Ergebnis in dieser Frage zu komnen,
 mukßte auch entsprechendes Material über die Verwiterung
 von Beton und Kunststeinen gesammelt und veryffentlicht
 werden und man würde zu ganz überraschenden
zrgebnissen gelangen. Es sei in diesem Zusammenhang nur
das Beispiel der Figuren auf dem Stuttgarter Neuen Schloß
ıngeführt. Diese müssen jetzt zum größten Teil erneuert werlen.
 Die Überprüfung hat ergeben, daß die Kunststeinfiguren
1us dem Jahre 1911 außerordentlich stark unter der Witterung
zjelitten haben. Sie weisen so schwere Risse und Sprünge
ıuf, daß die ganzen Figuren mit Draht zusammengehalten
verden müssen. Zudem bröseln sie oberflächlich stark ab.
Dagegen sind die Sandsteinfiguren aus den Jahren 1906 und
rom Ende des letzten Jahrhunderts noch besser erhalten. Auch
ınter den Sandsteinen zeigen sich Verschiedenheiten, Der
Saggstadter Stein mit tonigem Bindemittel ist viel stärker korodiert
 als der Dettenhauser Stubensandstein, der kieseliges
3indemittel besitt. Daraus geht hervor, daß nur bestimmte
jorten unserer Natursteine die für bautechnische Zwecke erorderliche
 Zusammensebung haben. Allerdings brauchen
auch leichter verwitterte Gesteinsarten nicht unbedingt abzelehnt
 werden, es kommt immer darauf an, an welcher Stelle
ınd wozu sie verwendet werden. Soviel steht jedenfalls fest:
Is ist durchaus falsch, daß die Natursteine insgesamt schlecher
 seien als andere Baustoffe. Es sind nur gewisse Sand-;teine,
 die nicht allen Anforderungen unserer Zeit gerecht
verden. Die Mehrzahl unserer einheimischen
Natursteine kann sich jedoch würdig neben jeden
 anderen Baustoff stellen, ja darüber hinaus
ı1aben sie sogar eine Anzahl von Eigenschaften und Werten,
die ihnen vor allen anderen Baustoffen den Vorzug geben.
Sind die bei uns vorkommenden Natursteine teurer als
andere Baustoffe }
Jer Naturstein wurde bisher von vielen Architekten mit dem
3emerken abgetan, daß jede Art von Naturstein viel zu teuer
:ei, als daß man ihn an einfacheren Gebäuden verwenden
<önne. Eine solche Behauptung ist aber durchaus nicht be-'‚echtigt.
 Es mag auf den ersten Blick allerdings so scheinen,
ıls ob der Naturstein teurer sei, Aber bei eingehender Prü-'ung
 kommt man zu dem überraschenden Ergebnis, daß der
3au mit Natursteinen in manchen Fällen günstiger ist als mif
‚gend einem anderen Baustoff.

En und Versand: Staatliche Beratungsstelle für das Baugewerbe beim Württ. Landesgewerbeamt, Stuttgart, Kanzleistr. 281. Verantwortliche
Schriftleitung: Baurat Schleicher, Vorstand der Württemb. Beratungsstelle für das Baugewerbe. - Herstellung: Druckerei Otto Kösler, Stuttgart
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.