Volltext : Bauplatz und Werkstatt / Monats-Zeitschrift der Staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1936, Bd. 31. Heft 1/2)

ZEITGEMÄSSE FORDERUNGEN AN DAS SIEDLUNGSWESEN

Abb. 25.
MODELLAUFNAHME
VON STUTTGART.
Schematische Darstellung
der Tonwertzonen

Versucht man mit diesen Grundformen eines Hauses die verschiedenartigsten
Formkombinationen, so wird daraus manches Rätsel, das uns die Umgebung
bietet, zu lösen sein. Bis in die feinsten Unterscheidungen muß unser Beobachtungsvermögen
 sich erstrecken. Nichts ist ohne Sinn und Bedeutung nicht nur
für die Architektur an sich, sondern auch vor allen Dingen für ein Eindringen in
die Geistesart, die maßgebend für den Bau war. So kann uns die Bevorzugung
oder auch die Ablehnung der Giebelseiten ein ganz bestimmtes Bild der damals
herrschenden Gedankenrichtung zeigen, wie auch die Betonung der Breitseiten
der Häuser nicht allein dem Ausnugen des Gebäudes oder der Bodengestaltung
entsprechen wird. Vielmehr trägt alles den Stempel, der zeigt, in welcher Weise
die Menschen zu einander sich verhalten haben. Dieser Anschauung stehen
heute begreiflicherweise starke Gegenansichten gegenüber. Es wird geltend gemacht
 werden, daß die Häuser sich nach den Himmelsrichtungen, dem Sonnenlauf
 usw. in ihrer Stellung zu richten haben. Solche Einwände lassen sich noch
vermehren und alle haben ihre nicht zu bestreitende Berechtigung. Letten
Endes wird aber auch in allen derartigen Gesichtspunkten eine nach ihrer Bedeutung
 zu wertende Stufung erblickt werden können. Und heute, wo es sich
darum handelt, die Anordnung der Häuser hauptsächlich gemeinschaftsbildend
zu gestalten, wird eben diese Forderung an erste Stelle zu treten haben. Damit
            
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