STEFAN MEYER-MIETHKE
000 Stuttgart-70, Ahornstrafle 53,
jeboren 1947 in Marburg/ Lahn;
studium Generale, Studium der Sprachund
Literaturwissenschaft; freie Mitarbeit
vei versch, Medien; Spiel- und Dokumenarfilme,
u.a. Uber "Kinder in der Stadt";
eit Anfang 1975 am iL.
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Stefan Meyer-Miethke
BAUEN ALS SPIEL -
BEMERKUNGEN ZUM BAUEN BEI KINDERN
Spielen und Bauen bildet bei Kindern oft eine Einheit,
Mit ihren Hütten, Zelten, Höhlen und Lagern erfüllen
Kinder ihr Verlangen nach Gestaltung ebenso wie das
Bedürfnis nach einer Ruckzugsmöglichkeit, also einem
eigenen, von der Umwelt - speziell der Erwachsenenwelt
- abgegrenzten Bereich.
Wenn Kinder bauen, so geschieht das spontan und
unter Verwendung derjenigen Materialien, die ihnen
rasch und problemlos zugänglich sind:
Aste und Blatter fur eine Laubhutte (>3) findet man in
der Natur Uberall, mit Brettern und einem halbwegs
kräftigen Baum wird die zusätzliche Attraktivität des
erhöhten Standorts erreicht (>2, vgl. >8,9), und wenn
es schneit, entstehen kunstvolle Iglus (>1). Auf die
erstaunliche Ähnlichkeit dieser Kinderbauten mit den
Bauweisen der Ur- und Naturvölker soll nur am Rande
verwiesen werden.
Für Kinder in innerstädtischen Wohngebieten wurde
dieses Tätigkeitsfeld immer mehr eingeschränkt, bis
man in den letzten Jahren die sogenannten Robinsonoder
Abenteuerspielplätze einrichtete. Auch hier
nimmt das konstruktive Gestalten einen großen Raum
ein, Anfangs heftig umstritten, ist heute der (vor allem
stdagogische) Wert dieser Bau-Spielplitze weitgehend
akzeptiert. (>4-9)
Bei all diesen von den Kindern angewandten Bauformen
‘ällt auf, daß in ihnen - wenn auch primär auf den
kindlichen Bereich zugeschnitten - in geradezu idealer
Weise viele Forderungen anpassungsfähigen Bauens
realisiert sind:
- Verfügbarkeit des Materials, Naturstoffe wie Gras,
.aub, Aste, Erde oder Abfallprodukte wie alte Pfosten,
atten, Bretter, Droht, Papier- oder Plastiksticke
sind von den Kindern leicht zu beschaffen. Viele
dieser Materialien erfüllen den gleichen Zweck und
sind daher - je nach Verfügbarkeit - untereinander
austauschbar.
- Leichte Bearbeitung , niedere Technologie. Die
Bauten bestehen aus unkomplizierten Konstruktionen ,
die Materialien sind mit einfachen Werzeugen zu 2
bearbeiten.
3
- Materialgerechtes Bauen. Kinderbauten werden nicht
bis in die Einzelheiten fest geplant und dann dem
Material aufgezwungen, sondern die Konstruktion
richtet sich nach dem verwendeten Baustoff. Oft ist
as gerade das Vorhandensein eines bestimmten Materials
(z.B. Schnee, Laub), wodurch die Kinder zum
lauen anaereat werden
- Selbstbau. Die Bewohner (=Kinder) bauen ihre
Adäuser selbst, Bei Schwierigkeiten wie Dachkonstruktionen,
Verankerung im Boden, Einbau von TUren,
evtl. Isolation können ältere Kameraden, Betreuer
oder Eltern beratend mitwirken.
- Realisierung der eigenen Wohnbedurfnisse. Die
Größe und Beschaffenheit des Hauses richtet sich
direkt nach den eigenen Bedürfnissen und ist u.a.
abhängig von Gruppengröße, Nutzung (Spielhaus,
Versammlungsstätte, Schlafplatz..) und Zeitplanung
(von einigen Stunden bis zu mehreren Monaten).
Bei verdnderter Nutzung kann jederzeit-an- um- oder
sbgebaut werden.
LA (197°