108
Mitteilungen der Vereinigung der Elektricitätswerke. Heft 8.
jetzt sehr gut rentieren. Nach den obigen Ausführungen
wird jeder sich überzeugt haben, dafs
von einer waghalsigen Spekulation nicht die Rede
gewesen sein kann,})
Zu 6. Bericht über die siebente Jahresversammlung
der Vereinigung der Elektrisitätswerke,
In seinem Bericht singt Herr Direktor Prücker
einen Lobhymnus auf den Wright-Tarif, und das
ganz mit Recht.?) Wir, die O. E.-W., nehmen aber
einen Teil dieses Lobes auch für uns in Anspruch,
da der springende Punkt des Wright-Tarifes im
allgemeinen auch der springende Punkt des O0. E -W.-Tarifs
ist. Bei unseren Überlegungen wegen der
Konstruktion eines möglichst gerechten und zweckmäfsigen
Tariıfs kamen wir auch zu der Erkenntnis,
dafs es am richtigsten sei, den Höchstverbrauch
einer jeden Konsumstelle der Preisbemessung zu
Grunde zu legen; allein es fehlten uns die hierzu
erforderlichen Apparate, und so mufsten wir uns,
abgesehen von einigen Stellen, wo wir den Strom
für die ganze Stadt nicht an die einzelnen Kon:
sumenten sondern an die Stadtverwaltung zu liefern
hatten, und daher infolge des bedeutenden Strom:
verbrauchs in der Lage waren, die etwas umständlichen
registrierenden Wattmeter einzubauen, zunächst
ohne Höchstverbrauchsmesser begnügen.
Rein theoretisch betrachtet, ist der Vorschlag
Blüthgen, die Einführung einer Grundtaxe, der
allerrichtigste und gerechteste Tarif. Die Grundtaxe
ist jedoch unbeliebt und hemmt daher die
Anschlufsbewegung, was natürlich der gröfste Schaden
ist. ®)
Das Kappsche und alle damit verwandten
Systeme halte ich nicht für sehr glücklich; sie sind
zu willkürlich und unbestimmt, da die Preisbemessung
von der wiederum vom Tarif selbst abhängigen
täglichen und jährlichen Stromkurve abhängig
ist. Man wird bei diesen Tarifen nie im
stande sein, von vornherein einen bestimmten Preis
anzugeben, von dem man sagen kann, dafs er dem
Werk den und den Gewinn bringt; man kann nur
1) Diese Entgegnung ist unzweifelhaft als durchaus stichhaltig
anzuerkennen.
®) Der »Lobhymnus« ist nicht uneingeschränkt ausgesprochen
worden, er bezieht sich auf die Einführung der
durchschnittlichen Benutzungsdauer pro maximal in Betrieb
genommenes statt pro angeschlossenes KW. in die Rabattberechnung.
Gleichzeitig wurde übrigens der Erhardsche
Doppeltarifzähler als die »eleganteste Lösung des Tarifproblems«
bezeichnet,
3) Eine Grundtaxe, welche pro maximal in Betrieb genommene
KW. erhoben würde, könnte theoretisch nicht die
Anschlufsbewegung, sondern nur die ausgedehnte gleichzeitige
Benutzung der angeschlossenen Stromverbrauchskörper hemmen,
was mit dem Vorschlage indirekt auch bezweckt ist.
empirische Festsetzungen vornehmen, welche wahrscheinlich
jedes Jahr zu verändern sein werden. !)
Zu 7. Hohmann, Elektrotechnische Zeitschrift
1901, Heft 3.
In dem Aufsatz von Hohmann ist unter »Anwendung
des Höchstverbrauchsmessers« eine höchst
ımständliche und schwer verständliche Berechnungsırt
angegeben, welche den Zweck hat, die Bezahung
der teuren Kilowattstunden möglichst aufs
sanze Jahr zu verteilen. Dieses Bestreben ist ja im
interesse der Konsumenten ganz anerkennenswert.
Zs gibt aber hierfür einfachere Mittel, auch wird
z, B. in Brighton diese Berechnungsart nicht geübt.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf die prakäische
Anwendung der Höchstverbrauchsmesser auch
:ür andere Zwecke ganz besonders aufmerksam
nachen, z. B. für die Bestimmung der Höchstbelastung
von Transformatoren, wo dieser Apparat
zanz vorzügliche Dienste leistet.
‚ Zu8. Wilkens Elektrotechnische Zeit:
schrift 1901, Heft 6,
Der von Herrn Wilkens aufgestellte Grundsatz:
‚Will man an dem richtigen Grundsatz. festhalten,
len. Verkaufspreis des Stromes ausschliefslich von
ler Höhe der Selbstkosten abhängig zu machen,
jo muß man einen Tarif aufstellen, dessen Preisabstufungen
nach denselben Gesetzen varlieren,
ıach welchen die Selbstkosten sich ändern«, ist
ıntschieden ein ganz gesunder, weshalb er, be-‚onders
bei den jetzigen Zeiten, in welchen nur
lerjenige Geschäftsmann Erfolg hat, welcher bei
len niedrigsten Preisen seiner Ware sich vor Ver-'usten
zu schützen weils, besondere Beachtung verlient.
Es ist daher vollkommen richtig, wenn Herr
Wilkens weiter unten sagt: »Es erscheint daher
ınbedingt erforderlich, dafs die Kosten für Verinsung
und Amortisation des Werkes in dem Verıältnis
auf die einzelnen Konsumenten verteilt
verden, in welchem dieselben an dem Strommazxinum
Anteil nehmen«,
In dem Aufsatz des Herrn Wilkens ist jedoch
3in hicht unwesentlicher Fehler vorhanden. Aufser
len festen Kosten für Amortisation und Verzinsung
zibt es noch im Betriebe aufser den laufenden Auszaben
für die Kilowattstunde noch feste Kosten,
velche sich auf das Maximum in Kilowatt verteilen.
Diese festen Betriebskosten sind nach meinen Ernittelungen
fast ebensogrofs wie diejenigen für
Amortisation und Verzinsung.
Vollständig im Widerspruch mit den eingangs
aufgestellten Grundsätzen ist das Verlangen des
1) Vgl. die unter IV nachfolgenden Mitteilungen "des
Herrn Erhard.