Volltext : Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke (1916, Jg. 15)

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BAULEITUNG

meisterprüfung  eine  Gewähr  dafür  geben,  daß  die  Bauwerkmeister ­
  eine  gewisse  Uebung  in  den  praktischen
Arbeiten  des  betreffenden  ßauhandwerks  besitzen.  Deshalb ­
  könne  wohl  den  Inhabern  der  Zeugnisse  über  die
Erstehung  der  Bauwerkmeisterprüfuug,  nicht  aber  auch
denjenigen  über  die  Erstehung  der  Diplomprüfung  die
Befugnis  zur  Ausbildung  von  Lehrlingen  in  dem  Bauhandwerkszweig ­
  erteilt  werden,  in  welchem  sie  eine
mindestens  halbjährige  Lehrzeit  zurückgelegt  haben.  Den
Inhabern  von  Zeugnissen  über  die  Diplomprüfung  für
Maschinentechniker  könne  die  Befugnis  zur  Anleitung
von  Lehrlingen  im  Schlosser-  oder  Mechaniker-  oder
Schmiede-  oder  Flaschner-  oder  Installateurgewerbe  verliehen ­
  werden,  wenn  sie  eine  mindestens  dreijährige
Tätigkeit  in  dem  betreffenden  Gewerbe  nachweisen
können.  —  Des  weiteren  nahm  das  Gesamtkollegium
Stellung  zu  einigen  Aenderuugen  der  Vorschriften  über
das  öffentliche  Submissionsweseu,  worüber  von  den
beteiligten  Ministerien  neue  Vorschläge  ausgearbeitet
worden  sind.  In  Uebereinstiramung  mit  den  Aeußerungen
der  Handwerkskammer  sprach  sieb  das  Kollegium  dafür
aus,  daß  hei  der  Aufstellung  von  Voranschlägen  oder
Preisberechnung  für  allgemein  vorkommende  Arbeiten
periodisch  Vertreter  des  organisierten  Handwerks  beigezogen ­
  werden  sollen,  namentlich  auch  bei  großen  Bauausführungen, ­
  bei  der  Zerlegung  der  Arbeiten  in  Lose
u.  dgl.,  sofern  dabei  das  Handwerk  überhaupt  beteiligt
sei.  Entsprechend  einem  Vorschlag  von  Kommerzienrat
Magirus,  sprach  sich  das  Kollegium  sodann  auch  dafür
aus,  daß  gegebenenfalls  Vertreter  des  organisierten  Handels
und  der  Industrie  gehört  werden.
Heimatschutz  und  Industrialisierung.  Auf  Veranlassung ­
  des  Bundes  für  Heimatschutz  hielt  Universitätsprofessor ­
  Dr.  Fuchs-Tübingen  im  Landesgewerbemuseum ­
  in  Stuttgart  einen  Vortrag,  in  dem  er  die
Berechtigung  des  Heimatschutzes  namentlich  im  Hinblick
auf  die  in  Württemberg  in  der  Entwicklung  begriffene
Industrialisierung  großen  Stils  betonte.  Ueberall  im  Lande
und  auf  dem  Lande  sehen  wir,  so  äußerte  sich  der
Kedner  unter  anderm,  neue  kolossale  Fabrikgebäude  entstehen, ­
  und  sie  gestalten  das  Landschaftsbild  bedeutend
um,  noch  mehr  werde  das  durch  die  großen  Wasserstraßenprojekte ­
  der  Fall  sein.  Nichts  liege  dem  Bund
ferner  als  die  Bekämpfung  der  Industrialisierung,  es  handle
sich  für  ihn  nur  darum,  dafür  zu  sorgen,  daß  nicht  mehr
zum  Opfer  fällt,  als  unbedingt  notwendig  ist;  er  hält
es  für  seine  Hauptaufgabe,  diesen  Entwicklungsprozeß
zu  beeinflussen.  Ein  großes  Glück  für  Württemberg  sei
es,  daß  diese  industrielle  Entwicklung  nicht  früher  in
der  Stärke  eingetreten  ist  wie  jetzt.  Diesem  Umstand
verdanken  wir,  daß  wir  noch  einen  solchen  Reichtum  von
Naturschönheiten  und  Städtebildern  haben.  Heute  sei
die  Anschauung  Gemeingut  geworden,  daß  auch  die
Schönheit  einen  gewissen  Reichtum  darstelle  und  einen
Wert  habe.  Es  müsse  Schranken  geben,  vor  denen  die
Industrie  haltzumachen  und  sich  in  das  Landschaftsbild ­
  einzufügen  habe.  Mit  der  Industrie  im  Zusammenhang ­
  stehe  ein  andrer  Faktor,  der  ebenso  gefährlich
werden  könne:  der  Verkehr.  Auch  ihm  sollte  nur  geopfert ­
  werden,  was  unumgänglich  notwendig  ist.  Die
Verkehrsfrage  werde  bei  uns  in  nächster  Zeit  akut
werden,  bedrohe  sie  doch  unsre  alten  schönen  Steinbrücken ­
  immer  mehr.  Auch  in  der  Land-  und  Forstwirtschaft ­
  komme  der  Nützlichkeitsstandpunkt  immer
mehr  in  den  Vordergrund  und  bedrohe  viele  Schönheiten.
Redner  geht  dann  weiter  auf  die  Frage  ein,  ob  wir  in
Württemberg  nicht  schon  Schutzeinrichtungen  genug
haben,  wobei  er  an  die  Denkmalspflege,  den  Naturschutz ­
  usw.  erinnert.  Diese  Einrichtungen  erfassen  jedoch ­
  immer  nur  eine  Seite  des  Heimatschutzes,  so
Dankenswertes  sie  auch  sonst  leisten.  Im  Grunde  genommen ­
  bilde  der  Heimatschutz  ein  Problem  des  KapiNr. ­

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talismus.  Es  handle  sich  um  nichts  andres  als  um  den
uralten  Kampf  zwischen  Materialismus  und  Idealismus,
und  darum  treiben  wir  Heimatschutz.  Zum  Schluß  richtete
der  Redner  an  alle,  die  nicht  wollen,  daß  unsre  schwäbische ­
  Kultur  einer  industriellen  Schablone  weiche,  die
Aufforderung,  sich  dem  Bunde  anzuschließen.
Heilbronn.  In  Fragen  der  Neckarkanalisation
verhandelte  am  24.  Januar  eine  aus  Baudirektor  v.  Leibbrand, ­
  Ministerialrat  Pfleiderer  und  Baurat  Gugenhan
bestehende  Regierungskommission  mit  Vertretern  der
Stadt  Heilbronn.  Dabei  wurde  .nach  Mitteilungen  des
Oberbürgermeisters  im  Gemeinderat  seitens  der  Stadt
geltend  gemacht,  daß  sie  Aufwendungen  für  Grunderwerb
und  ünterhaltungsbeiträge  in  Höhe  von  2  —  3  Millionen
Mark  zu  entrichten  haben  werde.  Bei  solch  hohen  Aufwendungen ­
  könne  von  einem  Barbeitrag  der  Stadt,  wie
ihn  der  Staat  als  wünschenswert  bezeichnete,  nicht  die
Rede  sein,  zumal  die  Stadt  aus  eignem  Grund  und  Boden
noch  etwa  150  Morgen  abgetreten  habe.  Zunächst  werden ­
  nun  die  staatlichen  und  städtischen  Techniker  die
Frage  der  Kanalführung  durch  die  Stadt  Heilbronn  einer
nochmaligen  Prüfung  unterwerfen.
Gegen  die  Renovierung  des  Heidelberger
Schlosses  wendet  sich  C.  Gurlitt  in  einem  Aufsatz  im
„Dresd.  Anz.“  Er  gellt  von  der  Annahme  aus,  daß  ein  Verfall ­
  der  Ruinen  in  dem  Maße,  wie  er  befürchtet  werde,
gar  nicht  in  Aussicht  stehe,  und  beantwortet  die  Frage,
was  zu  tun  sei,  wie  folgt:  „Die  Antwort  ist  einfach
genug:  Gar  nichts  ist  zu  tun!  Nachdem  der  Bau  aufs
genaueste  vermessen,  photographiert,  abgeformt  ist,  nachdem ­
  in  dankenswerter  Weise  alles  das  geschehen  ist,
was  ermöglicht,  eine  Kopie  des  Baus  in  allen  späteren
Tagen  mit  derselben  Genauigkeit  herzustellen,  wie  dies
heute  möglich  ist,  soll  man  die  Ruine  nur  vor  den  Restauratoren ­
  schützen,  sonst  aber  in  Ruhe  lassen.  Ist  ein
Schutz  gegen  Wind  nötig,  so  mache  man  das,  was  nötig
ist,  zeige  es  aber:  denn  das  Nötige  getan  zu  haben,  ist
nie  eine  Schande.  Will  die  Ruine  später  einmal  wirklich ­
  einstürzen,  so  stütze  man  sie,  man  füge  Strebepfeiler
an  von  der  Stärke,  wie  sie  zum  Halten  nötig  sind.
Nicht  ,stilvoll'  abgestimmte,  sondern  redliche  Mauerklötze ­
  :  die  Ruine  wird  vielleicht  dadurch  noch  vornehmer
wirken.  Sicher  aber  wird  sie  somit  noch  durch  Jahrhunderte ­
  stehen  können.“
Personalien
Württemberg.  Versetzt:  der  Bahnmeister  Obele  in  Schwenningen ­
  nach  Oehringen  seinem  Ansuchen  entsprechend.
Diplomprüfung.  Auf  Grund  der  an  der  Technischen  Hochschule ­
  Stuttgart  abgehaltenen  Diplomprüfung  für  Architekten  haben
den  Grad  eines  Diplom-Ingenieurs  erlangt:  R.  Fi  1  s  e  r-  Augsburg,
P.  Sch  ü  z-Oberjesiugen,  OA.  Herrenberg,  H.  Wi  nt  er-Nürnberg.
Baden.  Versetzt:  der  Regierungsbaumeister  E.  Reißer  in
Freiburg  zum  Baubureau  für  den  Neubau  der  Heil-  und  Pflegeanstalt ­
  nach  Wiesloch.
Briefkasten
Anfrage.  Beim  Ausmaß  von  Gipserarbeiten  entstehen  immer
wieder  Meinungsverschiedenheiten  und  Differenzen  darüber,  ob
Türen  und  Fenster  in  ihrem  Liohtmaß  (also  zwischen  Tür-  bzw.
Fensterfutter)  oder  nach  ihrem  Außenmaß,  d.  b.  einschließlich  der
Bekleidungen,  abgezogen  gehören.  Wie  verhält  es  sich  damit?
Dem  Fragesteller  ist  bekannt,  daß  in  den  meisten  Gegenden  die
Oeffnungen  samt  den  Bekleidungen  abgezogen  werden,  und  liegt
nach  dessen  Dafürhalten  kein  Grund  vor,  daß  und  warum  in  einigen
Bezirken  unsers  Schwabenlandes  andre  Praxis  (besonders  von  Geometern) ­
  geübt  wird.  Gestellte  Frage  dürfte  im  Interesse  und  Sinn
vieler  Kollegen  erörtert  werden.  K.  B.
Verantwortliche  Schriftleitung;  Chefredakteur  und  Herausgeber  Adolf  Fauaet.
Architekt  W.Klatte,  beide  in  Stuttgart.  Druck  :  DeutacheVerlags-Anstaitin  Stuttgart.
            
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