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BAULEITUNG
meisterprüfung eine Gewähr dafür geben, daß die Bauwerkmeister
eine gewisse Uebung in den praktischen
Arbeiten des betreffenden ßauhandwerks besitzen. Deshalb
könne wohl den Inhabern der Zeugnisse über die
Erstehung der Bauwerkmeisterprüfuug, nicht aber auch
denjenigen über die Erstehung der Diplomprüfung die
Befugnis zur Ausbildung von Lehrlingen in dem Bauhandwerkszweig
erteilt werden, in welchem sie eine
mindestens halbjährige Lehrzeit zurückgelegt haben. Den
Inhabern von Zeugnissen über die Diplomprüfung für
Maschinentechniker könne die Befugnis zur Anleitung
von Lehrlingen im Schlosser- oder Mechaniker- oder
Schmiede- oder Flaschner- oder Installateurgewerbe verliehen
werden, wenn sie eine mindestens dreijährige
Tätigkeit in dem betreffenden Gewerbe nachweisen
können. — Des weiteren nahm das Gesamtkollegium
Stellung zu einigen Aenderuugen der Vorschriften über
das öffentliche Submissionsweseu, worüber von den
beteiligten Ministerien neue Vorschläge ausgearbeitet
worden sind. In Uebereinstiramung mit den Aeußerungen
der Handwerkskammer sprach sieb das Kollegium dafür
aus, daß hei der Aufstellung von Voranschlägen oder
Preisberechnung für allgemein vorkommende Arbeiten
periodisch Vertreter des organisierten Handwerks beigezogen
werden sollen, namentlich auch bei großen Bauausführungen,
bei der Zerlegung der Arbeiten in Lose
u. dgl., sofern dabei das Handwerk überhaupt beteiligt
sei. Entsprechend einem Vorschlag von Kommerzienrat
Magirus, sprach sich das Kollegium sodann auch dafür
aus, daß gegebenenfalls Vertreter des organisierten Handels
und der Industrie gehört werden.
Heimatschutz und Industrialisierung. Auf Veranlassung
des Bundes für Heimatschutz hielt Universitätsprofessor
Dr. Fuchs-Tübingen im Landesgewerbemuseum
in Stuttgart einen Vortrag, in dem er die
Berechtigung des Heimatschutzes namentlich im Hinblick
auf die in Württemberg in der Entwicklung begriffene
Industrialisierung großen Stils betonte. Ueberall im Lande
und auf dem Lande sehen wir, so äußerte sich der
Kedner unter anderm, neue kolossale Fabrikgebäude entstehen,
und sie gestalten das Landschaftsbild bedeutend
um, noch mehr werde das durch die großen Wasserstraßenprojekte
der Fall sein. Nichts liege dem Bund
ferner als die Bekämpfung der Industrialisierung, es handle
sich für ihn nur darum, dafür zu sorgen, daß nicht mehr
zum Opfer fällt, als unbedingt notwendig ist; er hält
es für seine Hauptaufgabe, diesen Entwicklungsprozeß
zu beeinflussen. Ein großes Glück für Württemberg sei
es, daß diese industrielle Entwicklung nicht früher in
der Stärke eingetreten ist wie jetzt. Diesem Umstand
verdanken wir, daß wir noch einen solchen Reichtum von
Naturschönheiten und Städtebildern haben. Heute sei
die Anschauung Gemeingut geworden, daß auch die
Schönheit einen gewissen Reichtum darstelle und einen
Wert habe. Es müsse Schranken geben, vor denen die
Industrie haltzumachen und sich in das Landschaftsbild
einzufügen habe. Mit der Industrie im Zusammenhang
stehe ein andrer Faktor, der ebenso gefährlich
werden könne: der Verkehr. Auch ihm sollte nur geopfert
werden, was unumgänglich notwendig ist. Die
Verkehrsfrage werde bei uns in nächster Zeit akut
werden, bedrohe sie doch unsre alten schönen Steinbrücken
immer mehr. Auch in der Land- und Forstwirtschaft
komme der Nützlichkeitsstandpunkt immer
mehr in den Vordergrund und bedrohe viele Schönheiten.
Redner geht dann weiter auf die Frage ein, ob wir in
Württemberg nicht schon Schutzeinrichtungen genug
haben, wobei er an die Denkmalspflege, den Naturschutz
usw. erinnert. Diese Einrichtungen erfassen jedoch
immer nur eine Seite des Heimatschutzes, so
Dankenswertes sie auch sonst leisten. Im Grunde genommen
bilde der Heimatschutz ein Problem des KapiNr.
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talismus. Es handle sich um nichts andres als um den
uralten Kampf zwischen Materialismus und Idealismus,
und darum treiben wir Heimatschutz. Zum Schluß richtete
der Redner an alle, die nicht wollen, daß unsre schwäbische
Kultur einer industriellen Schablone weiche, die
Aufforderung, sich dem Bunde anzuschließen.
Heilbronn. In Fragen der Neckarkanalisation
verhandelte am 24. Januar eine aus Baudirektor v. Leibbrand,
Ministerialrat Pfleiderer und Baurat Gugenhan
bestehende Regierungskommission mit Vertretern der
Stadt Heilbronn. Dabei wurde .nach Mitteilungen des
Oberbürgermeisters im Gemeinderat seitens der Stadt
geltend gemacht, daß sie Aufwendungen für Grunderwerb
und ünterhaltungsbeiträge in Höhe von 2 — 3 Millionen
Mark zu entrichten haben werde. Bei solch hohen Aufwendungen
könne von einem Barbeitrag der Stadt, wie
ihn der Staat als wünschenswert bezeichnete, nicht die
Rede sein, zumal die Stadt aus eignem Grund und Boden
noch etwa 150 Morgen abgetreten habe. Zunächst werden
nun die staatlichen und städtischen Techniker die
Frage der Kanalführung durch die Stadt Heilbronn einer
nochmaligen Prüfung unterwerfen.
Gegen die Renovierung des Heidelberger
Schlosses wendet sich C. Gurlitt in einem Aufsatz im
„Dresd. Anz.“ Er gellt von der Annahme aus, daß ein Verfall
der Ruinen in dem Maße, wie er befürchtet werde,
gar nicht in Aussicht stehe, und beantwortet die Frage,
was zu tun sei, wie folgt: „Die Antwort ist einfach
genug: Gar nichts ist zu tun! Nachdem der Bau aufs
genaueste vermessen, photographiert, abgeformt ist, nachdem
in dankenswerter Weise alles das geschehen ist,
was ermöglicht, eine Kopie des Baus in allen späteren
Tagen mit derselben Genauigkeit herzustellen, wie dies
heute möglich ist, soll man die Ruine nur vor den Restauratoren
schützen, sonst aber in Ruhe lassen. Ist ein
Schutz gegen Wind nötig, so mache man das, was nötig
ist, zeige es aber: denn das Nötige getan zu haben, ist
nie eine Schande. Will die Ruine später einmal wirklich
einstürzen, so stütze man sie, man füge Strebepfeiler
an von der Stärke, wie sie zum Halten nötig sind.
Nicht ,stilvoll' abgestimmte, sondern redliche Mauerklötze
: die Ruine wird vielleicht dadurch noch vornehmer
wirken. Sicher aber wird sie somit noch durch Jahrhunderte
stehen können.“
Personalien
Württemberg. Versetzt: der Bahnmeister Obele in Schwenningen
nach Oehringen seinem Ansuchen entsprechend.
Diplomprüfung. Auf Grund der an der Technischen Hochschule
Stuttgart abgehaltenen Diplomprüfung für Architekten haben
den Grad eines Diplom-Ingenieurs erlangt: R. Fi 1 s e r- Augsburg,
P. Sch ü z-Oberjesiugen, OA. Herrenberg, H. Wi nt er-Nürnberg.
Baden. Versetzt: der Regierungsbaumeister E. Reißer in
Freiburg zum Baubureau für den Neubau der Heil- und Pflegeanstalt
nach Wiesloch.
Briefkasten
Anfrage. Beim Ausmaß von Gipserarbeiten entstehen immer
wieder Meinungsverschiedenheiten und Differenzen darüber, ob
Türen und Fenster in ihrem Liohtmaß (also zwischen Tür- bzw.
Fensterfutter) oder nach ihrem Außenmaß, d. b. einschließlich der
Bekleidungen, abgezogen gehören. Wie verhält es sich damit?
Dem Fragesteller ist bekannt, daß in den meisten Gegenden die
Oeffnungen samt den Bekleidungen abgezogen werden, und liegt
nach dessen Dafürhalten kein Grund vor, daß und warum in einigen
Bezirken unsers Schwabenlandes andre Praxis (besonders von Geometern)
geübt wird. Gestellte Frage dürfte im Interesse und Sinn
vieler Kollegen erörtert werden. K. B.
Verantwortliche Schriftleitung; Chefredakteur und Herausgeber Adolf Fauaet.
Architekt W.Klatte, beide in Stuttgart. Druck : DeutacheVerlags-Anstaitin Stuttgart.