Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1910)

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BAÜZEITUNG

Nr.  1

bildes  mit  Berücksichtigung  von  größeren  Gebäudeanlagen
und  Türmen  auch  die  Straßen-  und  Platzbilder,  welche
über  künstlerisch  anregenden  Baulinien  entstehen  werden.
Die  vielen  technischen  und  wirtschaftlichen  Fragen  werden ­
  natürlich  im  grundlegenden  Programm  aufgeführt
sein  und  durch  eine  künstlerische  Auffassung  der  Aufgabe ­
  beseelt  werden.
Gleichwie  der  künstlerische  Charakter  des  Zeitalters
in  der  Architektur,  so  soll  er  auch  in  der  Grundlage
hierfür,  in  der  Stadtaulage,  zum  Ausdruck  kommen,
gleichwie  das  innerste  Wesen  der  Bewohner  in  ihren
Bauwerken  verwirklicht  ist,  so  soll  im  Städtebild  die
Anpassung  an  Klima  und  Bodenverhältnisse  uns  inne
werden.

daß  die  Einleitung  der  Fäkalwasser  in  die  städtischen
Dohlen  an  die  Bedingung  der  Ausführung  einer  Hauskläranlage ­
  geknüpft  ist  und  dadurch  neben  hohen  Kosten
allerlei  Unannehmlichkeiten  entstehen.
Die  gegenwärtige  Einwohnerzahl  Groß-Stuttgarts  ist
auf  260000  anzunehmen;  beträgt  der  Tagesverbrauch
pro  Kopf  120  1,  so  ergibt  sich  eine  tägliche  Abwassermenge ­
  von  260  000  •  120  =  31200  cbm  oder  in  der  Sekunde ­
  rund  361  1.
Nach  der  Abhandlung  des  ßegierungsbaumeisters
Schury  über  die  Versuchskläranlage  auf  der  Prag,  die
in  Heft  5  der  „Berliner  Mitteilungen  über  Abwasserbeseitigung“ ­
  veröffentlicht  ist,  enthält  das  Rohwasser  des
Stuttgarter  Sammelkanals  am  Auslauf  in  den  Neckar
450  mg  ungelöste  schwebende  Stoffe  (Trockensubstanz)
und  550  mg  gelöste  organische  Stoffe  (Glühverlust),  zusammen ­
  1000  mg  Schmutzstoffe  im  Liter  ohne  Fäkalien.

Gei  ade  Straße  durch  Kirchenschiff  räumlich  abgeschlossen
Rothenburg  o.  d.  T.

Groß-Stuttgart  und  die  Schwemmkanalisation

Unter  den  großen  Tagesfragen  der  Stadt  Stuttgart
ist  die  Einführung  der  Schwemmkanalisation  von  hervorragender ­
  Bedeutung,  so  daß  eine  technische  Beleuchtung
derselben  zeitgemäß  sein  dürfte.
Die  Abschwemmung  der  menschlichen  Auswurfstoffe
durch  Wasser  mittels  des  Wasserklosetts  hat  in  England ­
  in  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  seinen  Anfang ­
  genommen  und  sich  von  dort  aus  überallhin  verbreitet. ­

Die  Vorzüge  und  Annehmlichkeiten  des  Wasserklosetts
werden  als  bekannt  vorausgesetzt  werden  können.  Ihnen
gegenüber  muß  jedoch  immer  wieder  auf  die  großen  Mißstände ­
  hingewiesen  werden,  die  infolge  der  Verunreinigung
der  öffentlichen  Gewässer  durch  die  in  sie  eingeleiteten
massenhaften  Schmutzstoffe  in  England  auftraten.  Um
Wandel  zu  schaffen,  sah  sich  die  Behörde  genötigt,  strenge
Vorschriften  zur  Klärung  der  Abwasser  vor  ihrer  Einleitung
in  das  öffentliche  Gewässer  zu  erlassen;  die  Last  dieser
Auflagen  und  die  damit  verbundenen  erheblichen  Kosten
sind  nun  von  den  Gemeinden  zu  übernehmen  und  zu  tragen.
Auch  Stuttgart  steht  vor  diesem  Aufwand;  mehr  und
mehr  wird  es  ohnedies  als  großer  Mißstand  empfunden,

Die  dem  Neckar  zugeleiteten  Schmutzstoffe  berechnen
sich  somit  auf  31200  •  450  g  ==  14040  kg  schwebende  und
31  200  •  550  g  =  17  160  kg  gelöste,  zusammen  auf  31200  kg
Schmutzstoffe  täglich  ohne  Fäkalien.
Diese  Menge  hat  es  bekanntlich  fertig  gebracht,  daß
der  Neckar,  der  am  Berger  Wehr  allerdings  nicht  ganz
einwandfrei  ankommt,  aber  doch  die  Wasserentnahme
für  das  städtische  Pumpwerk  zuläßt,  vom  Cannstatter
Wehr  ab  bis  Heilbronn  verdorben  ist;  am  Wehr  von
Hofen-Mühlhausen  gleicht  er  bei  Niederwasser  einer
förmlichen  Kloake.
Hiernach  ist  der  Beweis  erbracht,  daß  die  Selbstreinigungskraft ­
  des  Neckars  durch  die  gegenwärtige  Zufuhr ­
  von  Schmutzstoffen  überschritten  ist;  man  wird  sie
nicht  ganz  unrichtig  einschätzen,  wenn  man  nur  etwa
zwei  Drittel  oder  die  Hälfte  der  oben  berechneten  Schmutzstoffmenge ­
  als  zulässig  annimmt,  also:  zwei  Drittel  von
14040  kg  =  9360  kg  schwebende,  zwei  Drittel  von
17  160  kg  =  11  440  kg  gelöste,  zusammen  20800  kg
Schmutzstoffe  ohne  Fäkalien;  bei  der  Hälfte  statt  zwei
Drittel  erhält  man:  die  Hälfte  von  14  040  kg  =  7020  kg
schwebende,  die  Hälfte  von  17160  kg  =  8580  kg  gelöste,
zusammen  15  600  kg  Scbmutzstoffe  ohne  Fäkalien.
Kommen  zu  den  Hauswassern  noch  die  menschlichen
Auswurfstoffe  hinzu,  so  ist  davon  auszugehen,  daß  auf
den  Kopf  und  Tag  100  g  feste  Kotstoffe  und  1100  g  llüssige
            
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