ATTEILUNGEN
der
Vereinigung der Elektrizitätswerke.
(Eingetragener Verein.)
Jahrgang XIX / 1920.
Nr. 263.
Il. April-Nummer.
Inhalt:
Die volkswirtschalftliche Bedeutung der Elektrostahlerzeugung für Deutsch- S. 99. — Gewöhnliche. und dioptrische Armaturen für hoclhkerzige Glühjand.
Von Dr.-Ing. Geilenkirchen, Remscheid-Hasten. II. Teil. (Schluß). lampen. S. 101. — Verschiedenes: Arbeiten des Verbandes Deut-S.
93. — Neue Sozialisierungsprobleme im Kohlenbergbau. S. 98. — scher Eiektrotechniker. S. 102. — Fragen. S. 104. - Kleine Mit-Vorteilhafte
Verkaufsart für Kleinabnehmer. Von Dr.-Ing. Schultze, Danzig. teilungen. S., 104.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Elektrostahlerzeugung
für Deutschland.
Von Dr.-Ing. Th. Geilenkirchen, Remscheid -Hasten. i
IL. Teil. (Schluß.) *)
Für die dritte Art der Verwendung des elektrischen
Oiens in der Eisenindustrie, die Erzeugung
von Sonderstahl in kleineren Anlagen,
besonders solchen, welche abseits von den Haupt-Industriegebieten
liegen, sind die Verhältnisse einlach
und günstig für den Elektroofen, und man
kann wohl sagen, daß dieses das Hauptverwendungsgebiet
für den Elektrooien in der Zukuntt sein wird.
Schon unter einfacher Berücksichtigung der Frage
der Ausnutzung der verwendeten Rohstoffe: dürfte
die. Arbeit im Elektroofen am vorteilhaftesten sein.
An sonstigen Stahlschmelz-Anlagen kämen in Betracht
der Martinoifen und der Kleinkonverter.
Letzterer wird ohnehin mit Rücksicht auf den großen
Roheisenmangel zurückgedrängt; zudem bedarf er
eines guten Brennstoffs, des Schmelzkokses, der
heute auch schwer zu haben ist. Bleibt also nur
der Martinofen. Der Kohlenverbrauch einer kleinen
Martin-Anlage für Stahliormguß schwankt je nach
den Betriebsverhältnissen —- ob bei Tag und Nacht
oder nur bei Tage geschmolzen wird, — nach der
Größe der Öfen und der Erzeugungsmenge zwischen
etwa 40 und 80%. Das würde, auf den Elektroofen
umgerechnet, einen zulässigen Stromverbrauch
von 400— 800 kWh für die Tonne ergeben. Der
wirkliche Stromverbrauch eines Elektroofens für die
Erzeugung von Stahliformguß kann auch bei kleineren
Öfen zu 600— 800 kWh angenommen. werden;
jedenfalls ist also der Elektroofen dem Martinofen
gegenüber, namentlich bei kleineren Öfen, rein vom
Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Ausnutzung der
Brennstoffe aus betrachtet, gleichberechtigt, zum
‘1. Fortsetzung aus Nr. 261
Teil sogar im Vorteil. Wo die elektrische Energie
aus anderen Quellen als aus der Verbrennung von
Brennstoffen, z. B. aus Wasserkräiten, stammt, neigt
sich die Wagschale entschieden zugunsten des
Elektroofens.
Damit ist aber die Frage nicht erschöpft. Sie
ist in diesem Falle mehr oder weniger eine Trans-9ortirage.
Schon der Gedanke, in einer Gegend
iernab von einem Industriegebiet ein Stahlwerk zu
zründen, kann nur hervorgehen aus der Absicht,
Gebrauchsgegenstände, für die in dem betreffenden
Gebiet Bedarf vorliegt, z. B. für Teile landwirtschaftlicher
Maschinen in landwirtschaftlichen Gegenden,
an Ort und Stelle zu erzeugen und dafür als Auszangsstoff
das in solchen Gegenden reichlich entiallende
Abfalleisen zu benutzen. Durch die Verarbeitung
an Ort und Stelle werden zwei Transdorte
gespart, einmal der des Abfalleisens zum In-Justriegebiet,
und andererseits derjenige der Fertigware
aus dem Industriegebiet zum Verbraucher.
Schon unter den normalen Friedensverhältnissen
haben derartige Erwägungen in vereinzelten Fällen
zum Bau von Elektrostahlanlagen beigetragen, insesondere
dann, wenn im Absatzgebiet durch vor-1andene
billige Wasserkräfte die Frage der Stromaeschaffung
in günstigem Sinne gelöst war, wenn
ja‘ auch immer berücksichtigt werden muß, daß derartige
außerhalb rein metallurgischer Beweggründe
jegende Erwägungen vielfach zur Errichtung von
Anlagen führen können, die aus sich heraus nicht
ebensfähig sind. Heute aber, in den Zeiten einer
schweren Transportnot, werden in vielen Fällen
solche Anlagen wirtschaftlich arbeiten können, und
as liegt jedenfalls im volkswirtschaiftlichen Interesse,