Volltext : Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke (1920, Jg. 19)

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Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke. Nr. 278. Dez. 1920

Jer unklar und verworren die Masse der Arbeiterschaft bewegt.
 Die inneren Gründe und Triebkräfte der Bewegung
 werden von Dr. Ouaatz folvendermaßen gekennzeichnet:

Wir sind außenpolitisch bankerott. Die Urkunden
1jerüber haben wir in Versailles und Spa ausgefertigt.
Der innerpolitische Bankerott der Revolutionswirtschaft ist
noch nicht offenkundig. Er kann auch noch nicht abgewickelt
 werden, weil niemand Konkursverwalter sein will.
Die Bankerotteure selbst stehen hohnlächelnd beiseite und
weigern jede Mitarbeit,
Was noch aufrecht steht, allerdings bereits bedenklich
in den Fugen krachend, ist die deutsche Wirtschaft.
Der deutsche Arbeiter in seiner überwiegenden Mehrheit ist
arbeitswillig. Der deutsche Unternehmer ist mit Ameiseneifer
 bestrebt, was äußere und innere Feinde einzureißen
versuchen, wieder aufzubauen oder durch immer neue
<lammern zusammenzuhalten. ;
Aber die menschliche Elastizität, sowohl die physische
wie die moralische, hat ihre Grenzen. Diese Flastizitätszrenze
 ist erreicht.
So sehr der deutsche Michel geneigt ist, die traditionelle
 Hochachtung und Fügsamkeit, die er der alten, sparsamen,
 rechtschaffenen und streng erzogenen Verwaltung
gegenüber bewies, zu übertragen auf alles das, was sich
heute unter der guten alten Firma des Beamtentums verbirgt,
 so stark verbreitet sich heute die Überzeugung, daß
Jies Vertrauen nicht mehr angebracht ist. Mehr und mehr
schwindet die Zuversicht zu dem, was die Pharisäer und
Schriftgelehrten in Berlin sagen. Mehr und mehr gewinnt
die Überzeugung Boden, daß es — um mit Bismarck zu
;‚eden — unsere Sache ist, unserer Regierung zu helfen,
uns zu regieren.
Es geht nicht an, daß wir 23 Schriftgelehrte in Berlin
zusammenberufen, um ihnen ein autoritatives Urteil darüber
anzuvertrauen, was mit der Grundlage unserer Wirtschaft,
jder deutschen Kohle, werden soll. Professoren sind, selbst
wenn noch so waschechte Sozialisten, hierdurch noch nicht
hinreichend als Sachverständige des Kohlenbergbaues legitimiert.
 Es geht nicht an, die sachverständigen Männer der
Wirtschaft aber, um die uns das Ausland beneidet, vor
Jiese Schriftgelehrten zum Verhör zu laden, ohne ihnen ein
Urteil zuzugestehen — um ein Juristenscherzwort zu gearauchen
 —, sie zı hören, um sie zu enthören. War das
deutsche Volk seiner Zeit des Widerwillens voll gegen das
Jolitische Narrenspiel des Untersuchungsausschusses, vor
dessen Schranken sich ruhmgekrönte.Heerführer von volks-'remden
 Schriftstellern schulmeistern lassen mußten, so wird
as schwerlich auf die Dauer seine wirtschaftlichen Lebensinteressen
 gern als Text für ein wirtschaftliches Fastnachtsspiel
 benutzen sehen. Schließlich ist auch hier ein Maß in
den Dingen.
Wir erkennen gern das Maß von ehrlichem Eifer an,
das auch in den Berliner Schreibstuben bewiesen wird. Nur
glauben wir nicht, daß der Ehrgeiz hier immer auf die richügen
 Ziele gelenkt wird. Wenn ein hoher Staatsbeamter
erst kürzlich die Dickleibigkeit der heutigen Gesetzsamm-‚ung
 im Gegensatz zur Schmächtigkeit der früheren Gesetzesbände
 als einen rühmenswerten Beweis des Fleißes
des heutigen Beamtentums hervorhob, so sind wir allerdings
geneigt, scherzhaft aufzufassen, was so hochgestellte Persönlichkeiten
 gern ernst genommen wünschen.
Was wir wollen, ist ein deutsches Regiment.
Gegenüber dem Taumel, hervorgerufen durch die Schlagworte
 der Demokratie. die für unsere Feinde Expdortartikel.

‚icht Gebrauchsartikel war, besinnen wir uns auf das, was
;‚tets die Grundlage deutschen Wesens war.
Wir gehen zurück auf die Grundlagen unserer stolzen
Intwicklung im vorigen Jahrhundert, auf den Steinschen
r‚roßen Gedanken der Selbstverwaltung, einen Gelanken,
 der so urgermanisch ist, daß die romanischen Völker
hn einfach nicht verstehen und deshalb auch nicht in ihr
Staatsleben einführen können. Wir besinnen uns auf die
zrundlinien der Bismarckschen Politik, auf die weisen Lehren
eines gewaltigen Testaments, das der Deutsche im privaten
Cämmerchen wohl liest, im politischen Leben aber selten
»eherzigt. Wir denken daran, mit wie sanfter Hand er die
leutschen Einzelstaaten eingefügt hat in seinen Neuau
 des Deutschen Reiches, mit welcher Achtung und Klug-1eit
 er die Figentümlichkeiten der deutschen Stämme gevürdigt
 und behandelt hat. Wir sind uns klar darüber, daß
;‚ich Staaten nur auf der Grundlage entwickeln können, auf
ler sie geschaffen wurden. Wir hüten uns daher vor jedem
Zingriff in den Bestand der deutschen Einzelstaaten. Wir
;ind insbesondere klar über die historische Rolle, die der
»reußische Staat als der Kristallisationspunkt des neuen
Deutschen Reiches gespielt hat, und maßen uns nicht an.
zu behaupten, diese Rolle sei ausgespielt.
Aber andererseits erkennen: wir, daß Geschichte gleich
'ntwicklung ist. Sehen wir zurück, auf die innere Geschichte’
’reußens seit der Einigung Deutschlands, so treten die Bemüıungen
 aller. führender Staatsmänner zutage, das Innenleben
ljerpreußischen Provinzen nicht nur zu schonen, sondern
m Sinne der Selbstverwaltung Schritt für Schritt weiter zu
\ntwickeln. Wir erkennen den Kampf, der seit der Geburt
les Gedankens der Selbstverwaltung dieser hat führen müssen
nit den entgegengesetzten Bestrebungen der Zentralbüroıratie,
 über deren Schwergewicht von Stein bis Bismarck
zerade unsere großen Männer geseufzt haben, an deren
;tillem Widerstand auch der Wille des Genies mehr als einnal
 erlahmt ist. Was wir wollen, ist also eine innere
deform Preußens im Sinne einer größeren Selh-;tändigkeit
 seiner Glieder.
Weiter aber: Was man im alten Deutschland zentrale
zZürokratie genannt hat, was man an ihr bekämpft hat, was
var es anderes, als ein schwaches Vorspiel der Bürokratie,
lie sich auf der Grundlage der durch die Not uns auf-‚ezwungenen
 Kriegswirtschaft in den zwei Jahren seit dem
‚roßen Zusammenbruch in Berlin gebildet hat. Gegen diese
zebilde, die sich wie Wucherungen am kranken Körper
ıcheinbar unaufhaltsam ausgebreitet‘ haben und den um
‚ein Leben ringenden Organismus zu zerstören drohen,
Vucherungen, die zugleich von den häßlichsten moralischen
’ersetzungserscheinungen, begleitet sind, hiergegen bäumt
ich alles, was am deutschen Körper, am deutschen Empinden
 noch gesund ist. Der alte Staat hat in Deutschland
Nirtschaftsaufgaben in einem Maße übernommen, wie es
a der übrigen Welt ohne Beispiel war. Kluge Ausländer
aben bereits in früherer Zeit nicht nur die Nachteile dieser
usgedehnten Staatswirtschaft, sondern auch ihre großen
orteile erkannt. Sie haben ebenso erkannt und ausesprochen,
 daß eine so große gesunde Staatswirtschaft
ur möglich ist in einem straff organisierten, disziplinierten
itaat, in einem Staat mit starker Autorität, in einem Staat,
ler heute unter der Bezeichnung „Obrigkeitsstaat“ der
jegenstand billiger Beschimpfungen in Zeitungen und Verjammlungen
 ist.
Heute liegen die Dinge anders. Hatten wir früher
ınen Staat von besonders starker Autorität, so ist heute
1as. was wir Regieruhg nennen. eigentlich nur noch ein
            
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