MITTEILUNGEN
der
Vereinigung der Klektrizitätswerke.
(Eingetragener Verein.)
Jahrgang XIX /1920.
Nr. 279. 1l. Dezember «Nummer.
inhaıtin
neues Wirtschaftsgebilde in der Elektrizitätsversorgung. S. 323. —
Der Elektromontantrust. S.324, — Die amerikanische Elektroindustrie.
3.325. — Prüfstelle des Verbandes Deutscher Elektrotechniker e. V.
5. 326. — Aus den Arbeitsgebieten des Ausschusses I für elektrotechnische
Fragen und des Ausschusses IV für maschinentechnische Fragen
der Vereinigung der Elektrizitätswerke. S. 327. — Rechentafel zur Be-'echnung
von Holzmasten für elektrische Freileitungen. Von Dipl.-Ing. Ott,
Meidelberg. S. 327. — Bernleitungen auf öffentlichen Wegen. Von
lustizrat Friedrichs, Düsseldorf. S, 329, — Preiserhöhung bei festen Ver-:;rägen.
S. 331. — FElektrizitätsverwertung anf dem flachen Lande, S, 334.
— Blitzschlag-Statistik. S.3234. -. Verschiedenes. A. Bekanntnachungen
der Vereinigung: Heizwertbestimmungen; Kohlenersparnisjrämien;
Isolierte Leitungsdrähte. S. 335. — B, Wirtschaftliches: Steuerıflicht
von Rückstellungen auf Konten, die schon auf 1.— M abgeschrieben
ind; Bilanzberichtigung. S. 336. Wertermittelung nach dem Gesetz über
lie Kricegsabgabe vom Vermögenszuwachs, S. 336, Vereinfachung im
‚oOhnwesen. S. 337. — CC. Technisches: Heiztechnische Tagung in Han-1over;
Elektro-Installateur und Kautionsleistung: Verfeuerung von Rolhıraunkohle.
S. 337. - D. Fragen und Antworten. S, 337, — Mityliederuganyg.
S. 338. — Von Firmen eingegangene Drucksachen. S. 338. —
Ddersonalien. S. 338
Ein neues Wirtschaftsgebilde in der Elektrizitätsversorgung.
Die verhängnisvolle Umgestaltung unseres gesamten
Wirtschaftslebens und die durch das Sozialisierungsgesetz
hervorgerufenen Unsicherheiten
stellen der Elektrizitätswirtschaft und Elektrizitätsversorgung
die schwersten Hemmnisse entgegen.
Die infolge Steinkohlenmangel zur Zeit bestehende
Stromnot macht es allgemein den Elektrizitätswerken
unmöglich, allen Anforderungen ihrer Abnehmerkreise
nachzukommen. Die staatliche Kohlenbewirtzchaftung
liefert den Elektrizitätswerken nur so viel
Kohlenmengen, daß sie ohne Reserven von der
land in den Mund leben und ihre Abnehmer zum
Teil empfindlich einschränken müssen. Auch die
Kraftwerke der Zechen, die im westfälischen Industriejezirk
vielfach die kommunalen Elektritätswerke
unterstützten, können infolge der zur Zeit bestehenden
Schwierigkeiten nur in beschränktem Umfange
liefern.
In sicherer Erkenntnis dieser Mängel und unter
dem Zwang der Notwendigkeit haben sich kürzlich
die größten Elektrizitätswerke des westfälischen Industriebezirks
zu dem „Kommunalen Elektrizirätswerksverband“*)
zusammengeschlossen, um
‚hre vielseitigen Interessen in Zukunft gemeinsam
zu wahren und unter Zusammenwirken der in einem
so großen Verbande vorhandenen starken Kräfte
ılle Maßnahmen zu ergreifen und durchzuführen,
die geeignet sind, die Elektrizitätswirtschaft in ihren
Versorgungsgebieten auf den technisch und wirtschaftlich
höchstmöglichen Stand zu bringen und
jür die Zukunft eine gute und ausreichende Elekırizitätsversorgung
der im Verbande vereinigten
wichtigen Gebiete sicherzustellen.
Zur Erfüllung dieses Zweckes hat der neue Veroand
sich folgende Aufgaben gestellt:
a) die Sicherstellung genügender Brennstoffmengen
aus dem westfälischen Steinzohlenbergbau,
um die vorhandenen, auf Steinkohlen
eingerichteten großen Kraftwerke des
Verbandes voll ausnutzen zu können;
*\ Kommunaler Elektrizitätswerksverband (K.E.V.) West-Aiten-Rheinland.
G. m. b. H.. Hagen
b) die gegenseitige Aushilfe und Unterstützung
aus den vorhandenen Kraitwerken;
c) der Ausbau geeigneter Wasserkraftwerke;
d) die Heranholung größerer Strommengen aus
dem rheinischen Braunkohlenrevier.
Gegebenenfalls besteht der Plan, durch den
/erband ein neues, gewaltiges Kraltwerk mit eigener
<ohlenbasis, also in Verbindung mit einer bereits
jestehenden oder neu anzulegenden Steinkohlenzeche,
bauen und betreiben zu lassen,
Ueber alle diese Möglichkeiten sind von dem
/erbande Verhandlungen eingeleitet worden, die
yereits greifbare Ergebnisse gezeitigt haben. Die
Zergwerksgesellschaft Lothringen, Gerthe bei Bochum,
st dem Kommunalen Elektrizitätswerks-Verband als
Jesellschafter beigetreten, um in Zukunft die Steincohlenbasis
für den K. E. V. zu bilden. Auch der
Zuhrtalsperrenverein wird sich voraussichtlich dem
/erbande anschließen, um gemeinsam mit ihm ein
sroßes Wasserkraftwerk in Angriff zu nehmen. Es
‚oll außerdem der Plan ernsthaft im Auge behalten
verden, von Kraftwerken, die unmittelbar auf
heinischer Rohbraunkohle liegen, größere Stromnengen
für den Verband heranzuziehen, ein Proekt,
das neben Steinkohle und Wasser als äußerste
Sicherheit zur Reserve und zum großzügigen Ausyleich
zwischen Westfalen ınd Rheinland dienen
würde.
Der neue Verband richtet sich in keiner Weise
regen andere Elektrizitäts-Unternehmungen; Im
jegenteil, er will- bestrebt sein, mit diesen in guten
3Zeziehungen zu leben und gegenseitige Unter-;tützungen
an den Grenzen zu ermöglichen. Die
m K.E.V. vereinigten, in der Mehrzahl rein oder
loch vorwiegend kommunalen Werke wünschen
ıber mit Recht, bei der zukünftigen Einteilung von
Zlektrizitätswirtschaftsbezirken nicht willkürlich aus-;inandergerissen
zu werden; ihre bisherige Entvicklung
und die lokalen Eigenarten und Bedürf-1sse
ihrer Versorgungsgebiete verlangen mit zwinzender
Notwendigkeit eine Zusammenfassung,
vie sie sich. jetzt in dem neuen Verbande darstellt.
besetzgeber und Reichsbehörden werden sich he