FTEILUNGE!
der
Vereinigung der Flektrizitätswerke.
(Eingetragener Verein.)
Jahrgang XIX / 1920. a
Nr. 262.
I. April-Nummer. -
Inhalt:
Torfkrafitwerke und Nebenproduktenanlagen. Von Zander-Siemensstadt.
S. 81. — Zur Verordnung des Reichskohlenkommissars über Einschränkung
des Verbrauchs elektrischer Arbeit vom 9. September 1919. S.83. —
Kann der Erwerber patentierter Gegenstände diese ohne Patentverletzung
selbst ausbessern, ergänzen oder erneuern? Von Assessor Dr, Müller,
Essen/Ruhr. S. 86. — Die Meßtechnik im Dienste der Wärmewirtschaft,
(Kursus der Hauptstelle für Wärmewirischaft.) S.89. — Verschiernenee
Elektrizität und Landwirtschaft. S. 90. — Sonderblätter für Wärmewirtschaft.
S. 90. — Bekanntmachung über Prüfungen und Beglaubigungen
lurch die Elektrischen Prüfämter. S. 1. — Buchbesprechung: „Schmiernittelnot
und ihre Abhilfe.“ S. 92. — Fragen. S.92. — Kleine Miteilungen:
Goldenes Dienstiubilänm hei Siemens. S. 92. — Direktor
Albert Hemnel +4. Ss. ©°?
Torfkraftwerke und Nebenproduktenanlagen.
Von Zander- Siemensstadt.
Die zunehmende Knappheit unserer Brennstoffe
hat dazu geführt, daß in neuerer Zeit den in den
Torimooren enthaltenen Energievorräten erhöhte
Aufmerksamkeit geschenkt wird. In der Tat gibt
es kaum einen leichter gewinnbaren Brennstoff als
den Torf, weshalb es auch nie an Stimmen gefehlt
hat, welche einer intensiveren Ausnutzung der Torfmoore
das Wort reden. So einfach sich nun auch
die Torigewinnung bei Bedarf geringer Mengen
gestaltet, so erheblich werden die Schwierigkeiten,
wenn es sich darum handelt, Torf in Großhetrieb
zu erzeugen.
Rohtori, als unser jüngstes Brennmaterial,
welches jetzt noch dauernd nachwächst, besitzt, wie
alle pflanzlichen Gebilde einen äußerst‘ hohen
Wassergehalt von 90 % und mehr, während die
schon in vormenschlicher Zeit gebildete Braunkohle
denselben bereits bis auf 50—60 % verloren hat
und die aus den Urtagen der Erdvegetation
stammende Steinkohle sogar fast wasserfrei ist.
Dementsprechend sind .bei der Gewinnung von
1 Tonne Trockensubstanz beim Torf etwa 10 Tonnen,
bei Braunkohle etwa 2—21!/% Tonnen und bei Steinkohle
nur etwa 1 Tonne abzubauen. Dabei ist das
Wasser von dem Torf nicht etwa nur aufgesogen,
so daß dieser sich gewissermaßen wie ein Schwamm
auspressen ließe, sondern Trockensubstanz und
Wasser bilden — nach dem Ausdruck des Physikers
— eine sogenannte kolloidale Mischung, d. h.
die Toriteilchen und die Wasserteilchen sind in
beinahe molekularer Kleinheit durchaus gleichmäßig
miteinander verteilt und lassen sich in diesem Zustand
nur durch Austrocknen, Verdampien .des
Wassers oder dergl. voneinander trennen, wobei die
zurückbleibende Trockensubstanz zu einer zusammennängenden
holz- oder hornähnlichen Masse zusammenschrumpft.
Der kolloidale Zustand kann
allerdings auch durch Frost zerstört werden, ‘da
Wasser nur kristallinisch zu gefrieren vermag, wobei
sich die einzelnen Wasserteilchen zu größeren Eisxristallen
innerhalb der Torfmasse vereinigen müssen.
Nierbei wird aber zugleich der innige Zusammenhang
der Torimasse selbst zerstört, so daß dieser
nach erfolgtem Wiederauftauen und Entfernung des
Wassers zu einer bröckeligen, lockeren Masse zerällt,
die für Brennzwecke nur noch wenig geeignet
st. Nasser Torf darf daher nicht bei Frost ge-"rocknet
werden, weshalb die eigentliche Torfgewinnung
auf etwa 4 Sommermonate beschränkt
ist. Außer dem kolloidal gebundenen Wasser enthält
das Torimoor auch noch erhebliche Mengen
mechanisch beigemischten Wassers, welche vor
Beginn des Toristiches durch Entwässerungsgräben
und Kanäle nach Möglichkeit beseitigt werden
müssen.
Der hohe Wassergehalt des Torfes und die
Beschränkung der Torfgewinnung auf 4 Monate im
Jahr, verbunden mit der Notwendigkeit der Torfaufspeicherung
für den Winterbedarf haben zur
Folge, daß der Toribetrieb an sich keineswegs so
oillig ist, wie vielfach angenommen wird. Andererzeits
können aber durch sachgemäßen Torfabbau
lie ausgedehnten Ödländereien, welche unsere Torfnoore
bedecken, in wertvolles Kulturland verwandelt
werden, so daß die Torigewinnung schon aus diesem
Grunde das größte volkswirftschaftliche Interesse
verdient.
Der Abbau des vorher von der oberen Vegeationsschicht
befreiten Moores erfolgt ähnlich wie
7eim Braunkohlentagebau mittels Löffel- oder Eimer-»aggern,
die den Torf einer Knet- und Mischmaschine
zuführen. aus welcher er. in backsteinförmige Soden