Volltext : Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke (1921, Jg. 20)

n

Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke. Nr. 292.

Juli 1921

daß die Verteuerung gerade im Interesse der Elektrizitütswerke
 liege, die andernfalls nicht in der Lage
seien, den von ihnen eingegangenen Verpflichtungen
Rechnung zu tragen. Dem könne nicht energisch
genug widersprochen werden. Mit ihren Abnehmern
und ihren Pflichten würden die Elektrizitätswerke
sich schon auseinander zu setzen wissen; was unbedingt
 erstrebt werden müsse, sei aber die baldigste
Aufhebung jeder Zwangsbewirtschaltung, schon um
der Steuerung der Arbeitslosigkeit willen und zur
Hebung der Industrie und des Installationsgewerbes,
die augenblicklich durch die Einschränkungsmaßnahmen
 praktisch lahmgelegt seien. Die Vereinigung
 der Elektrizitätswerke sei sich der Notwendigkeit,
 Kohlenersparnisse herbeizuführen, wohl bewußt,
und habe aus diesem Grunde mit anderen kräftigen
Verbänden die Hauptstelle für Wärmewirtschaft ins
Leben gerufen. Wenn diese auch nur seit kurzer
Zeit bestehe, soviel ließe sich erkennen, daß durch
sachgemäße Verbesserung der allgemeinen Wärmewirtschaft
 in Industrie und Haushalt mit Leichtigkeit
ein Mehrfaches des jährlichen Kohlenbedaris der
Elektrizitäswerke erspart werden könne, der nur
etwa 5 bis 6% der Gesamterzeugung überhaupt
beträgt. Weitere Schwierigkeiten schienen der Elektrizitätswirtschalt
 aus neuen Vorschriften zu drohen,
die bezüglich der Kreuzung von Eisenbahnen mit
Starkstromleitungen seitens der zuständigen Behörden
erwogen würden. Einerseits droht eine erhebliche,
noch nicht vollständig zu übersehende Erhöhung
der Gebühr, andererseits aber sollten technische
Vorschriften erlassen werden, die für die Entwicklung
der Fernversorgung verhängnisvoll werden können.
Da weder Umfang noch Ursache der behaupteten
Störungen des Eisenbahn-Betriebes hinreichend geklärt
 seien, so stelle sich die Vereinigung auf den
Standpunkt, daß keine Vorschriften erlassen werden
dürften, solange nicht durch eine paritätisch zusammengesetzte
 Kommission, die etwa aus je einem
Vertreter des Reichsverkehrs-Ministeriums, des Reichspost-Ministeriums,
 des Verbandes Deutscher Elektrotechniker
 und der Vereinigung der Elektrizitätswerke
zusammengesetzt sein könnte, alle einschlägigen
technischen Verhältnisse absolut geklärt seien. ,
Die Pflege des Zusammenarbeitens mit befreundeten
 technischen Verbänden habe sich die
Vereinigung besonders angelegen sein lassen; abgesehen
 vom Verband Deutscher Elektrotechniker
und dem Zentralverband der deutschen elektrotechnischen
 Industrie sei die Vereinigung vertreten
in der Hauptstelle für Wärmewirtschaft, in dem
Wasserwirtschafts- und Wasserkraitverband, dem
Ausschuß Yechnik in der Landwirtschaft und anderen
mehr. Die Aufgaben, die heute uns obliegen. seien

so umfassend und bedeutsam, daß sie von einem
einzelnen Verbande nicht gelöst werden könnten,
Ersprießliches sei nur durch engstes Zusammenwirken
 aller beteiligten Verbände zu erreichen.
Besonders gelte dies auch für das Verhältnis der
Elektrizitätswerke zu der Landwirtschaft, dem aul
der heutigen Hauptversammlung ein besonderer
Tag gewidmet sel.
Die Bearbeitung einzelner technisch wichtiger
Fragen, die eine Reihe von Sondertagungen notwendig
 machten und sich bestens bewährt haben,
sollten in erweitertem Umfange fortgesetzt werden.
Für die nächste Zeit sei eine Sondertagung zur
Erörterung des Leistungsfaktors und eine weitere
Sondertagung über die Anwendung der Elektrizität
in Aussicht genommen.
Zur Bearbeitung des überaus schwierigen Gedietes
 der Verwendung höherer und höchster Spannungen
 zur Fernübertragung sei von der Vereinigung
die Studiengesellschaft für Höchstspannungsanlagen
in Jena gegründet worden, in der die Vereinigung
mit der Industrie zum gemeinsamen Wirken sich
die Hand gereicht habe.“
Die Tätigkeitsberichte der Ausschüsse sind
den Mitgliedern bereits gedruckt zugestellt worden.
Die Versammlung nimmt nur noch den Bericht des
Wasserkraft-Ausschusses entgegen, ebenso den Bericht
über den Gang der Verhandlungen mit dem Zentral-‚erbande
 der deutschen elektrotechnischen Industrie
yetr. die Neufassung der Lieferungsbedingungen.
Diese Verhandlungen haben sich lange Zeit hingezogen
 und sind endlich während der Elektrischen
Woche in Essen zu Ende geführt worden. Die
Versammlung stimmt der gedruckt vorliegenden
Neufassung der Lieferungsbedingungen zu, jedoch
nit dem Vorbehalt, daß zu Ziffer II der ursprüngliche
 Text wieder hergestellt wird und diese Zilfer
demnach zu lauten hat:
„Die Preise gelten bei Lieferung ohne Aufstellung
 ab Werk „einschließlich Verladung“.
jedoch ausschließlich Verpackung.“
Der weitere geschäftliche Teil wird rasch erledigt.
 Zunächst hat die Versammlung zu den
vorgeschlagenen Satzungsänderungen Stellung zu
ıehmen. Die Aenderungen sind von dem Satzungs-Ausschuß
 eingehend beraten und begründet worden.
Auf eine aus der Versammlung herausgegebene
Anregung werden sämtliche vorgeschlagenen Aenderungen
 als Ganzes ohne Widerspruch angenommen.
Ebenso erteilt die Versammlung ihre Zustimmung
zu der vorgeschlagenen nachträglichen Erhöhung
der Mitgliederbeiträge für das Jahr 1921 und der
Festsetzung der Beiträge für das Jahr 1922 in der vorgeschlagenen
 Form.
            
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