Vertraulich!
MITTEILUN GEN
Vereinigung der Elektrieitätswerke
Redaktion: Expedition:
Stadtbaurat Uppenborn, München, Ledererstr. 2/ım. Buchdruckerei R. Oldenbourg, München, Glückstr. 8.
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München, den 1. November 19083. Jahrgang II.
Inhalt. Mitteilungen aus der Vereinigung: Stenographischer Bericht über die ordentliche Generalversammlung in Wien
vom 25. bis 28. Mai 1903. (Fortsetzung.) S. 143. — Sitzung der Kommission für Statistik. S. 175. — Verschiedene Mitteilungen :
3olignac-Lampen. S. 176. — Unfallstatistik, betreffend elektrische Betriebe. 8. 176. — Zur Glühlampenfrage. S. 176. —
Fragekasten; Anfragen: Wechsel- und Drehstrom-Elektricitätswerke. S. 177. — Errichtung von Hausinstallationen gegen
Beisteuer, 8. 177. — Antworten: Zahlungsrückstände bei Konkursen. S. 177. — a) Sicherung des isolierten Mittelleiters.
b) Zahlungsrückstände bei Konkursen. S. 178, — Warenhausbrand in Budapest. S. 178. — Mitgliederstand. S. 178. —
Berichtigung. 8, 178.
Heft 1.
Stenographischer Bericht über die ordentliche
Generalversammlung der Vereinigung der
Elektrieitätswerke in Wien.
Vom 25. bis 28, Mai 19083.
(Fortsetzung.)
Ingenieur Rofs: Herr Direktor Datterer hat
vergessen, noch einen wichtigen Faktor zu erwähnen,
den Heizernutzeffekt, es gibt viele Werke,
wo Differenzen von 15% im Kohlenverbrauch nur
durch ungenügenden Heizernutzeffekt bedingt sind.
Resultate, wie durch Direktor Datterer erzielt,
wo der Jahreskohlenverbrauch die nach den Garantieversuchen.
zu erwartenden Werte nur um 15—20%
übersteigt, werden nur in den wenigsten Werken
erreichbar sein, da eine entsprechend gleichmäfsige
Belastung der Einheiten in der Nähe ihres günstigsten
Wirkungsgrades nicht zu erzielen ist, übersteigt
der Jahresverbrauch auch die Garantiezahlen um
50%, so mufs das Resultat noch als vorzüglich bezeichnet
werden.
Oberingenieur Hoefner: Ich habe mich in
den letzten Jahren speziell mit den Verhältnissen
von Dampf und Kohlen beschäftigt. Man ging
früher von der Voraussetzung aus, dafs je mehr
kg Dampf pro qm Heizfläche produziert, desto
wirtschaftlicher gearbeitet wird. (Rufe: Oho!) Meine
Herren! Ich bin zu einem anderen Resultate gekommen
und habe gefunden, dafs bei einer Beanspruchung
von 15—18 kg mehr Kohlen gebraucht
werden als bei einer solchen von 11—12 kg. Es
müssen auch die Dampfsteuerungs-Verhältnisse mit
in Betracht gezogen werden.
Ich bin daran, in Leipzig eine Station vollständig
umzubauen. Diese Station besitzt Dampfmaschinen
mit Flach- bezw. Rundschiebersteuerungen,
welche angeblich sehr ökonomisch arbeiten sollen.
Das war jedoch nicht der Fall gewesen, und auf
Grund der schlechten Erfahrungen, welche gemacht
worden sind, werden die Maschinen jetzt mit Lenz-Steuerungen
versehen. Wir haben durch Versuche
festgestellt, dafs durch diesen Umbau in einer
Station mit ca. 3500 PS 65—66000 4 pro Jahr
ın Kohlen erspart werden. Wir haben gestern gesehen,
dafs auch die Internationale Elektrieitäts-Gesellschaft
in Wien ihre Dampfmaschinen später
mit Lenz-Steuerungen ausgerüstet hat, und es wurde
mir mitgeteilt, dafs seit dem Umbau jährlich 18
bis 20000 .4 Kohlen erspart werden.
Die Lenz-Steuerung bietet den Vorteil, sehr
‚asch zu regulieren, und die Versuche haben in der
Düsseldorfer Ausstellung gezeigt, dafs sie bei
schwankenden Belastungen 7—8 Touren früher in
Tätigkeit tritt, als die bis jetzt bekannten Ventilsteuerungen.
Wenn man also darauf sieht, dafs
die Kessel nicht überanstrengt und die Dampfmaschinen
mit einfachen Präzisionsventilsteuerungen
ausgerüstet werden, wird man viel Ersparnisse im
Betriebe erreichen. können.
Ingenieur Baumgardt: Ich anerkenne einerseits
die grofse Bedeutung des Antrages Prücker
und anderseits die Richtigkeit der Einwände gegen
lie Möglichkeit der Ausführung. Möchte es nun
aicht angezeigt sein, einen Vermittlungsvorschlag
n Erwägung zu ziehen, nämlich, um einen Überlick
über die auftretenden Differenzen zwischen
len garantierten und wirklichen Dampfmengen zu
ırhalten, die statistische Kommission zu bitten, in
Jer Statistik neben den Ziffern des Dampfverbrauches
»ro Kilowattstunde auch den wirklichen Dampfverbrauch
zu Konstatieren, damit nach einigen
Jahren es möglich ist, Vergleiche zu machen. Ich
telle diesen Zusatzantrag.