Vertraulich!
MITTEILUN GEN
Vereinigung der Elektrieitätswerke
Redaktion: Expedition:
Stadtbaurat Uppenborn, München, Ledererstr. 2/ım. ] Buchdruckerei R. Oldenbourg, München, Glückstr. 8.
Ka
Heft 12. München, den 1. Dezember 1903. Jahrgang II.
Inhalt. Mitteilungen aus der Vereinigung: Stenographischer Bericht über die ordentliche Generalversammlung in Wien
vom 25. bis 28. Mai 1903. (Schlufs). 8. 179. — Sitzung der Komnission I, 8. 211, — Normen für Glühlampen. S. 211. —
Fragekasten: Antworten: Wechsel- und Drehstrom-Elektricitätswerke. S. 211. — Zahlungsrückstände bei Konkursen.
S. 212. — Mitgliederstand. 8. 212.
Stenographischer Bericht über die ordentliche
Generalversammlung der Vereinigung der
Elektrieitätswerke in Wien.
Vom 265. bis 28, Mai 19083.
(Schlufs,)
IT. Vorsitzender Direktor Blüthgen: Ich danke
lem Herrn Direktor Matt für seine interessanten
Ausführungen und eröffne hierüber die Diskussion,
Direktor Becker: Ich möchte bemerken, dafs
derartige Schrägrostfeuerungen schon vielfach be:
stehen; sie existieren in mehr oder weniger kom:
plizierten Formen und Konstruktionen. Soweit
meine Erfahrung reicht, haben aber alle Systeme
den gemeinsamen Nachteil, dafs bei Wasserröhrenkesseln
leicht Stichflammen entstehen, welche die
Siederohre sehr mitnehmen; es gibt aber auch
rauchschwache Feuerungen, welche mit Planrost
arbeiten, und man sollte auch diesen seine Aufmerksamkeit
widmen. So z. B. halte ich die Plan:
rostfeuerung mit automatischem Vorschub des Rostes
noch für günstiger, da die Verbrennung eine langsamere
ist. Ich erinnere in dieser Beziehung an
die Planroste der Firma Babcock & Wilcox Dampf:
Kesselwerke, Oberhausen, welche eine fast rauch:
lose Feuerung ermöglichen.
Major a. D. Direktor Ribbentrop: Es mag
richtig sein, dafs die Verbrennung eine langsamere
ist. Ich kenne einen Fall solcher Feuerung, wo
anstatt der Braunschweiger Kohlen Briketts verteuert
wurden. Es würde mich interessieren, zu
erfahren, welches Patent der Herr Vorredner im
Auge hatte.
Direktor Matt: Es ist diese Feuerung ein
Patent der Firma G. W. Kraft in Dresden-Löbtau.
II. Vorsitzender Direktor Blüthgen: Zur Zeit
Ändet die Städteausstellung in Dresden statt. welche
gerade bezüglich solcher Treppenroste sehr vieles
bietet. Von der sächsischen Maschinenfabrik und
andern Kesselfabriken sind‘ Roste mit Wasserkühlung
und automatischer Regulierung der Wasserzufuhr
ausgestellt. Es wird das natürlich alles nur
in kaltem Zustande vorgeführt, ist aber nichtsdestoweniger
interessant.
Direktor Matt: Einer der Herren Vorredner
hat die Stichflamme erwähnt. Die Verhütung
starker Stichflammen ist dadurch möglich, dafs
nan durch weiteres Senken des Zugschiebers den
Zug vermindert. Es ist allerdings zu beachten,
lafs eine Mindestzugstärke von ca. 5 mm Wassersäule
beizubehalten ist, da sonst eine schädliche
Wärmerückwirkung auf den Rost stattfinden könnte.
Sollte hierbei trotzdem noch der Rost unter der
Hitze leiden, so könnte diesem Übelstande durch
Erniedrigen oder Zurücksetzen der Feuerbrücke
zesteuert werden. Aber auch diese Malsnahme
darf nicht zu weit getrieben werden, da sonst
wieder mehr oder minder starke Rauchbildung
erfolgt.
Stadtbaurat Blessinger: Ich möchte den
Herrn Vorredner fragen, welches Patent er meint.
Vorsitzender Blüthgen: Das Kraftsche Patent.)
Das kommt mir wunderbar vor, denn ich besitze
selbst ein Patent auf diese Konstruktion, wenn ich
nicht irre, aus dem Jahre 1894/95.
Direktor Matt: Dieses Patent des Herrn Kraft
ist allerdings nicht aus der allerneuesten Zeit. Es
dürfte aus dem Jahre 1895/96 stammen. Zunächst
wurde diese Feuerung mit grofsem Erfolge in der
keramischen Industrie eingeführt, weil sie sich hier
bei dem stark veränderlichen Wärmebedarf dieser
Feuerungsanlagen besonders gut eignete.
IL Vorsitzender Direktor Blüthgen: Ich erteile
Herrn Oberingenieur Meng zu Punkt V. Ziff. 5