Full text : Die deutsche Höhenburg des Mittelalters in ihrer baulichen Anlage, Entwicklung und Konstruktion

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aufnimmt. Es wird aber die Erbauung von Wohntürmen in Deutschland nicht
erst auf italienischen Einfluss hin aufgekommen sein, sondern die deutschen
Burgherren kamen auf diese Verbindung von Wohn- und Verteidigungsgelegenheiten
 bei ihren praktischen Anschauungen von selbst, wenngleich auch
Kunde von solchen Einrichtungen aus Italien zu ihnen gelangen konnte. Die
vom Berchfrit abweichende Anlage und Konstruktion ist bedingt durch die
grösseren Anforderungen in bezug auf Wohnlichkeit. Die äusseren Abmessungen
vergrössern sich, es erscheinen Seitenlängen von 15—20 m; grössere Innenabmessungen
 werden durch Reduktion der Umfassungswände auf das konstruktive
 Minimum erzielt. Starke Mauern zeigen die unteren Geschosse (3—4m);
den Wehrcharakter des Turms drückt der hochgelegene Eingang aus. Durch
vermehrte Fensteranlagen, Vergrösserung der Lichtweite, Kamineinrichtungen,
bessere Ausbildung der die Decken tragenden Stützen und Wände, durch
Einrichtung von Kapellen werden die Wohnbedürfnisse zum Teil in reichem
Masse befriedigt. Die Treppen sind wie im Berchfrit angeordnet, beliebter
ist aber die Anordnung von Ecktreppentürmen, die in den unteren Geschossen
als Vollpfeiler konstruiert sind. Der Eingang von den Wohngelassen in diese
Türme liegt unter pendentifartigen Konstruktionen oder Tragbögen, die den
Übergang von der Abschrägung in den Kreis vermitteln. Diese Treppentürme,
 Pfeiler, die planlose Verteilung der Lichtöffnungen ergeben ein malerisches
 Gesamtbild. Das oberste Turmgeschoss hatte hauptsächlich Wehrzwecken
 zu dienen, es hatte Zinneneinrichtung und die oben beschriebene
Dachkonstruktion. Sehr beliebt war die Ausbildung des Wohnturms in unregelmässiger,
 dem Gelände angepasster Grundform, wobei gefährdete Mauerteile
 nicht selten durch vorgelegte Mauermassen von dreieckigem oder halbrundem
 Querschnitt geschützt werden. Oft findet sich auf Burgen mit Wohntürmen
 ausgedehnter Raum, woraus zu schliessen ist, dass der Wohnturm
ein selbständiges Burgelement, kein Notbehelf ist.
Waren die bisher genannten Turmbauten meist im Beringe errichtet
und auch im Falle des Einbaus in die Ringmauer ein selbständiges Verteidigungswerk,
 so sind die zweite Gruppe turmartiger Bauten, die Mauertürme, ein
wesentlicher Bestandteil des Ringmauersystems. Sie spielten in mannigfacher
Grundform und Anlage schon in den Kriegsbauten der Römer eine grosse
Rolle; trotz dieses Vorgangs aber wurden sie im Anfang bis zu Ende der
ersten Periode kaum angewendet, weil beim Mangel eines weittragenden Schiesszeugs
 Flankenfeuer bei der Verteidigung ausgeschlossen war. Erst als man
im Orient ein solches in der Armbrust kennen gelernt und seine Anwendung
von Mauertürmen aus gesehen hatte, wurden die deutschen Höhenburgen in
der zweiten Bauperiode mit solchen ausgestattet. Anfänglich war die Ausladung
 über die Ringmauer gering, erst allmählich wurde der Vorteil einer
solchen erkannt. Im Grundriss sind die Türme viereckig, rund oder halb-
            
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