Full text : Württembergische Kirchengeschichte bis zum Ende der Stauferzeit

242 Allgemeine Verhältnisse der ersten Stauferzeit

unbeschränkt; meist weilten einer oder mehrere Legaten als persön—
liche Stellvertreter des Papstes in Deutschland, die den Bischöfen über—
geordnet und ermächtigt waren, in alle kirchlichen Verhältnisse einzu—
greifen. Welf VI., der auf der Rückfahrt vom Kreuzzug sich durch das
Gold Rogers von Sizilien hatten gewinnen lassen, eröffnete aufs neue
den inneren Krieg; doch söhnte sich Konrad wieder mit dem Welfen—
geschlechte aus. Im September 1151 wurde zu Würzburg die Rom—
fahrt zur Kaiserkrönung und die Heerfahrt gegen Roger II. beschlos⸗
sen. Ehe der Zug zur Ausführung kam, starb Konrad am 15. Februar
1152. Da er seinen bereits zum Römischen König gekrönten Sohn
Heinrich durch den Tod verloren hatte, der andere Sohn, Friedrich
von Rothenburg, aber erst acht Jahre alt war, empfahl er zum Nach—
folger seinen Neffen, den Schwabenherzog Friedrich.
Die Machtstellung des deutschen Königtums war während des letz⸗
ten Jahrhunderts untergraben worden. Es herrschte die allgemeine
Überzeugung, das kirchliche Leben müsse vom Staate durchaus unab—
hängig sein, die Grenzen der beiderseitigen Rechte habe die Kirche zu
bestimmen. Immerhin schien die Herrschaft des Papstes über die Ge⸗
müter bereits ihre Höhenlinie überschritten zu haben; in weiten Krei—
sen auch der Geistlichkeit waltete das Gefühl ob, daß die Kurie stärker
in die weltlichen Verhältnisse eingegriffen habe, als es die Tätigkeit
für das Reich Gottes erfordere und für die Kirche selbst ersprießlich sei.
Schon drei Wochen nach dem Tode Konrads III., am 4. März 1152,
wurde der noch nicht dreißigjährige Herzog Frie drich von Schwa—
ben zum deutschen König erkoren; man beschleunigte die Wahl, um
einem unerwünschten Eingreifen des Römischen Stuhls zuvorzukom—⸗
men. Der früh gereifte Staufer war der rechte Mann für die deutsche
Königskrone, rastlos und tapfer, von scharfem Verstand und sicherer
Entschlußkraft; eine liebenswürdige und großzügige Persönlichkeit,
vermochte er sich das Vertrauen der Menschen zu erwerben. Das Her—⸗
zogtum Schwaben übergab er seinem Vetter Friedrich von Rothenburg,
während dessen Minderjährigkeit er die Verwaltung des Landes
führte. Er wußte den Frieden in Deutschland wiederherzustellen, in—
dem er die ihm nah verwandten Welfen versöhnte und seinem Vet—
ter Heinrich dem Löwen auch Bayern zurückstellte. Ihn beherrschte der
Leitgedanke der Gerechtigkeit: er gab der Kirche, was dieser rechtlich
zustand, aber die dem Staat verbliebenen Befugnisse, zumal bei den
Bischofswahlen, hütete er mit Festigkeit: er wollte nicht, daß der
Machtbereich des Papstes gegenüber dem Reiche noch weiter greife,
als es durch das Wormser Konkordat bestimmt war. Streng hielt er
darauf, daß die Investitur des Königs der Weihe der Bischöfe und
Reichsäbte vorangehe und die Gewählten erst durch sie in den Besitz
            
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