Volltext : Württembergische Kirchengeschichte bis zum Ende der Stauferzeit

250 Allgemeine Verhältnisse der ersten Stauferzeit

den Stuhl Petri nur ganz kurz inne hatten, waren eher zu einer Ver—
ständigung bereit.
1187 hatte sich Sultan Saladin von Ägypten und Syrien Jerusa—
lems und fast des ganzen Heiligen Landes bemächtigt. Aufs neue rief
man im Abendland zu einem Kreuzzug auf; Barbarossa, vom Be—
wußtsein seiner kaiserlichen wie religiösen Pflichten erfüllt, nahm im
März 1188 mit seinem Sohne, dem Schwabenherzog Friedrich, aus
den Händen des Bischofs Gottfried von Würzburg, des früheren (dem
Geschlechte der Grafen von Helfenstein entstammenden) Reichskanzlers,
das Kreuz. Nicht nur die fromme Begeisterung führte zur Teilnahme
an der Kreuzfahrt, Friedrich sparte auch einen Druck nicht, wo er es
für gut fand. Widerolph, der Abt des Vogesenklosters Murbach im
Elsaß, wollte mit seinen Dienstmannen nicht am Zuge teilnehmen.
Friedrich erließ ihm denselben, zwang ihn aber, ihm dafür den Mur—
bach gehörigen Hof Markgröningen mit Zubehör, der 250 Bewaffnete
stellen konnte, als Lehen zu geben; die Ritter der Abtei waren dar—
über so unwillig, daß Widerolph sich vor ihnen flüchten mußte'!). An
der wohlvorbereiteten Kreuzfahrt nahmen unter anderen teil der eben—
genannte Bischof Gottfried von Würzburg, die schwäbischen Grafen
Ludwig von Helfenstein, Konrad von Öttingen und Heinrich von Ve—
ringen, der fränkische Edle Albert von Hohenlohe“). Das Reich wurde
während der Abwesenheit des Kaisers von seinem Sohne Heinrich re—
giert, Schwaben durch dessen Beamte verwaltet. Im Mai 1189 setzten
sich die deutschen Kreuzfahrer, ein kriegstüchtiges, in trefflicher Zucht
gehaltenes Ritterheer, von Regensburg aus in Bewegung; sie konnten
im März 1190 nach Kleinasien übersetzen. Als Friedrich Cilicien er—⸗
reicht hatte, und am 10. Juni 1190 eine Furt des Flusses Salef, des
Kalykadnos der Alten, durchritt, wurde er von der Strömung an
einen Baumstamm geworfen, sank, am Kopfe verletzt, im Wasser unter
und wurde nicht mehr lebend herausgezogen; er hat ein Alter von
etwa 66 Jahren erreicht. Die Reste des auf dem Marsche stark ge—⸗
schwächten Heeres nahmen unter Herzog Friedrich von Schwaben an
der Belagerung Akkons teil, mußten aber manches von dem Hochmut
der zur See angekommenen französischen und englischen Ritter aus—
stehen. Am 20. Januar 1191 starb auch Herzog Friedrich; die führerlos
gewordenen, noch überlebenden Deutschen kehrten heim. Das Ziel der
Kreuzfahrt, die Befreiung des Heiligen Grabes. war wieder nicht er⸗
reicht worden.
Friedrichs glänzende Persönlichkeit hatte, begünstigt durch eine län⸗
gere Regierungszeit. die Macht des Reichs kraftvoll vertreten und
) Grandidier, Histoire de la province d'Alsace, 1787, II, p. 735. Württ. Vjsh. XXXVI,
1930, S. 157. — 2) Anshberti historia de éxpeditione Friderici imperatoris ed. a. Jos. Dobrowskvy.
 1827. D. 24
            
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