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der meisten die Hirnhöhle umschliessenden Knochengebilde, in
Folge der die zwischen den compakten Knochenlamellen liegende
bildsame Substanz (Diplo) schwammig sich aufbläht und nach
und nach riesige, nur durch schmale, oft fadenförmige Quer-
halken oder dünne Scheidewände unterbrochene Hohlräume bildet,
so dass die beiden primären KnochenJamellen weit auseinander-
gerückt werden, wodurch der Gehirnschädel nach und nach eine
allseitige Zunahme an äusserem Umfang erfährt, während die
eigentliche Gehirnhöhle sich nur wenig mehr vergrössert. Dieses
sich Aufblähen, das innerhalb der harten Knochenmasse ähnliche
Gestaltsveränderungen zu Wege bringt, wie es ein Gährungs-
ferment in einer halbflüssigen, teigartigen Masse hervorzurufen
pflegt, scheint am Frontale seinen Anfang zu nehmen, um hier
zuerst den Sinus frontalis zu bilden; bald aber verbreitet es sich
durch alle Knochen hin und schafft nach und nach in der Um-
gehung des Gehirns, wo es irgend möglich ist, eine Fülle von
Hohlräumen, welche unter einander communiciren und in dem
Maass sich zu erweitern scheinen, je mehr die Hornzapfen an
Ausdehnung und Stärke gewinnen. Die Bildung von Hornzapfen
kündigt sich im fötalen Rindsschädel in. sehr eigenthümlicher
Weise zuerst an durch das Erscheinen von winzigen Haarbüscheln,
welche wirbelförmig auf beiden Seiten an der Stelle der Frontal-
zone erscheinen, wo sich später die Hörner bilden. Diese zier-
lichen Haarbüschel finden sich schon am 5 monatlichen Fötus,
auf der sonst absolut nackten Haut, und stellen ohne Zweifel
die Grundlage für die später sich bildenden Hornscheiden dar,
welche die Frontalzapfen umgeben.
Im gleichen Maass* nun, als im Gebirnschädeldach Hohl-
räume sich bilden zu statischen und pneumatischen Zwecken,
bilden und vergrössern sich solche auch im Gesichtsschädel, und
an diesen betheiligt sich nun das Lacrymale in sehr interessanter
Weise. Vor Allem ist es die Maxillarhöhle, welche hiebei eine
Wichtige Rolle spielt. Diese ist nämlich als Zalmalveole im
jugendlichen Schädel noch mit reichlicher Zahnpulpe erfüllt, aus
welcher sich schon frühe die zu Zähnen bestimmten knöchernen
Plättchen ausscheiden, um nach und nach als mehr oder weniger