Volltext : Stuttgarter Ausstellungs-Nachrichten (1896, Bd. 1)

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Ausslellungs⸗
Fyt Machrichlen.

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Pr. 37.

— Zeitung — —— 3. September 1896.
für die Elektrizitäts- und Kunstgewerbe-Kusstellung zu Stuttgart im Oakre 1896.
Herausgegeben unter Mitwirkung der ARusstellunas-KRommislston, sowie hervorragender Sachleute.

Erscheink bis Inni alle 14 Toge ab JZuni bis Ende September wöchentlich 2 his 2 mal. Abonnementspreis für sämtliche nummern 5 Mark einschlietzlich freier Sistellung.
Die einzelne Nummer kostet 10 Vf. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille-Seile oder deren Kaum koftet 30 Pf. Bei größzeren Aufträgen Kabatt. Beilagen nach Uebereinkunft

Die Textilabteilung der RKunstgewerbeausstellung im Jandesgewerbemulseum.
(Fortsetzung.)

e Posamentenbranche, welche durch ihre enge 3. Stickgardinen.
Verbindung mit den Möbel- und Vekorations- (inleitung nach Notizen des Herrn O. Merz, Ravensburg, bearbeitet.)
5 zeschäften den kunstgewerblichen An⸗ Die Stickgardinen-Industrie hat sich in
forderungen mehr und mehr gerecht Württemberg in den letzten Jahrzehnten zu
verden muß, ist durch die Firma Adolj einem bedeutenden Industriezweig herausgebildet,
Hänselmann, Posamentenfabrik, Stutt— weshalb es interessant sein dürfte, einen kurzen
gart, in gediegener Weise vertreten. In einem Ueberblick über die Entwicklung dieser Industrie
Blasschrank sehen wir in gefälligem Säulen— während genannter, Zeit zu gewinnen.
aufbau geschmackvoll angeordnet auf altgold— Der Stickgardine erwuchs seiner Zeit durch
farbigem Plüschgrund die verschiedensten Er— die Einführung der sogenannten englischen Gar—
‚eugnisse der Möbel-Posamenterie. Der Sockel dine eine drohende Konkurrenz besonders da—
ist mit verschieden gearbeiteten farbenprächtigen durch, daß der Preis der letzteren infolge ihrer
Möbelfransen im Stil Louis XVI., Empire und mechanischen schnellen Herstellung auf dem Web⸗
andere Stile behängt, während die Säulen mit stuhl ein bedeutend billigerer ist. Neben der
schönen Jacquardborden und Marabous in Billigkeit dieser englischen Gardine waren es
timmungsvollen Farbenzusammenstellungen um— dann' auch besonders die schönen reichen Dessins,
wunden sind. Der portalartige obere Teil ist welche mit dem Fortschreiten der Technik immer
einerseits mit einem verkleinerten Muster einer ausdrucksvoller hergestellt werden konnten, so
sogenannten Grillage für ein Bogenfenster, ge daß es eine Zeitlang schien, als sei die gestickte
bildet aus Schnüren und Corelledessin, im modern Gardine durch die billige englische Gardine
englischen Geschmack behangen, andererseits „vollständig verdrängt. Dieser Kalamität suchte
sehen wir ein Pendant dazu, ebenfalls für nan nun dadurch zu begegnen, daß man die
einen Fensterabschluß berechnet, mit herrlich Handstickarbeit möglichst reduzierte, indem man
schöner Knuͤpfarbeit im maurischen Stil. Schön aͤnfachere Dessins wählte, auch die reiche zeit—
zearbeitet und in zarten Farben zusammen raubende Ausarbeitung möglichst beschränkte,
zestimmt sind die verschiedenen Muster, welche so daß allerdings ein billigeres Fabrikat zu
iuf den Bogenfüllungen beiderseits gefällig auf tande kam; dasselbe war aber in seiner Wirkung
gemacht sind. Besonders hervorzuheben ist ein gegenüber der englischen Gardine so nüchtern,
uͤberaus reicher Vorhanghalter in Louis XVI. daß das Resultat geradezu ein negatives sein
ein solcher in moderner Komposition mit reicher mußte, denn die Folge davon war, daß die
Spicat- und Balettarbeit, sodann vollendete geschmackvoll gezeichnete englische Gardine mehr
Handarbeiten in Ketterei, Knüpf- und Balett denn zuvor der ausdrucksarmen, jeder Schön—
aͤrbeit, Vorhang- und Draperiefransen mit reichen heit baren Stickgardine vorgezogen wurde.—
Borden und Behängen in verschiedenartiger Dieses Bild zeigte die Gardinen-Stickerei—
neuer Ausführung. Neben der Gediegenheit der branche anfangs der achtziger Jahre. Dem
technischen Ausführung anerkennen wir besonders nachdenkenden Fabrikanten war es damals klar,
das feine Formen- und Farbengefühl, welches daß die gestickte Gardine nur dann wieder zu
bei jedem einzelnen Muster zu Tage tritt. xhren kommen könne, wenn das bis jetzt gehand⸗
            
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