— HStutkgarter Russtellungs-Nachrichten. e
so brauchen wir nur, dem obern See eine höhere Lage zu geben
»der den Kanal weiter zu füllen oder noch besser diese beiden
Maßnahmen gleichzeitig zu treffen.
Könnten wir nun bei unserer Anlage das Wasser nicht
durch Elektrizität ersetzen? Vor mir steht auf isolierendeim
Glasfuß eine mit positiver Glektrizität geladene Metallkugel
— der Konduktor unserer Elektrisiermaschine. Vom Fußboden
ührt ein Kupferdraht bis in ihre Nähe. Führe ich sein Ende
ais zur Kugel, so verliert diese augenblicklich ihre ganze Ladung;
die Elektrizität, hatte offenbar das Bestreben, in dem Draht—
'anal zur unelektrischen Erde zu gelangen und einem unsichtbaren
Blitze gleich ist sie im Moment der Berührung durch den
Draht zum Boden geeilt. Wäre die Ladung der Kugel sofort
erneuert worden, so würde dem ersten Drahtblitz ein zweiter
zefolgt sein; sorgen wir also dafür, daß die Kugel stets geladen
hleibt, etwa durch äußerst rasche Drehung der Elektrisiermaschine,
'o wird sich im Draht statt der stoßweisen Entladung eine
munterbrochene Blitzwanderung vollziehen. Man bedient sich
auch hier des bildlichen Ausdruckes des Fließens, indem man
agt, es fließe in dem Draht die Elektrizität von der Kugel
zur Erde. Daß
ein solcher elek—
trischer Strom
wie das Wasser
n unserem vo⸗
rigen Kanal
Arbeit verrich—
ten kann, läßt
ich auf mannig⸗
ache Weise be—
stätigen. Bevor
vir aber zur
Ausführung
olcher Versuche
schreiten, möchte
ich Sie mit
einem Apparat
vertraut
machen, der
elbstthätig uns
ꝛinen dauernden
elektrischen
Strom erzeugt.
Dieses gewöhn—
iche Becherglas
ülle ich zur
Hälfte mit
Wasser, dem ich
den zehnten
Teil Schwefel⸗
äure beimenge.
In diese ver—
dünnte Schwe—
elsäure stelle ich
eine Platte ganz reinen Zinks und in kleinem Abstand von ihr eine
Platinplatte; beide Platten ragen noch einige Zentimeter aus der
Flüssigkeit und sind oben mit Klemmschrauben versehen. Unters uche
ch eht mit unserer früher erwähnten Probekugel das freie Zink⸗
ende, so erweist es sich als elektrisch negativ; weiter finde ich,
daß das freie Platinende ebenso stark positiv geladen ist und
die nämliche positive Ladung hat, auch die zwischen den Platten
befindliche Saͤure. Was geschieht nun wohl, wenn ich oben
am Platin einen die Elektrizität leitenden Draht befestige und
hyn zum Zink führend auch hier festschraube? Ich berühre
nit der Hrobekugel das Platinende — auch Platinpol ge⸗
jannt — und finde, daß er noch positiv ist; ebenso hat das
Zinkende — der Zinkpol — noch negative Ladung. Untersuche
ch jehzt weiter in gieicher Weise verschiedene Punkte des Drahtes,
o vraͤngt sich mir die Anschauung auf, daß die positive Ladung
„om Platinpol aus gleichmäßig bis zur Mitte abnimmt, wo
ie null ist, dann in der anderen Hälfte negativ wird, um dann
am Zinkpol den größten negativen Wert zu erreichen, ein
Zustand, welcher nicht nur einen Augenblick währt, sondern
ich dauernd erhält — mit später zu betrachtenden Einschränk⸗
ngen. Richten wir nun unsere Blicke auf das Innere des
Flases. so Heobachten wir, daß das Zinkstück von der Säure
ingefressen und sehr langsam aufgezehrt wird, während am
Platin nur kleine helle Gasbläschen in die Höhe wandern.
die übrige Flüssigkeit scheint teilnahmelos in Ruhe zu verharren;
illein diese Ruhe erweist sich ebenso trügerisch, wie jene im Innern
)es Drahtes, denn wir werden uns sofort überzeugen, daß
ich in beiden Teilen ein ganz bestimmter Vorgang abspielt.
Die positive Elektrizität des Platinpols strömt nämlich durch
»en Draht, zum negativen Zinkpol, steigt hier an der Zink—
»latte in die Säure und wird dann durch eine an der Be—
rührungsstelle zwischen Zink und Säure thätigen Kraft
zurch die Flüssigkeit hindurch zur Platinplatte getrieben, in
der sie in die Höhe steigt, um ihre Wanderung ungeschwächt
yon neuem zu beginnen. Somit entsteht auch hier ein ge—
chlossener Stromkreis, der außen vom Platin zum Zink und
nnerhalb des Gefäßes vom Zink zum Platin führt. Ziehen
vir den Vergleich mit der anfangs beschriebenen Einrichtung,
o gleicht der positive Platinpol dem obern, der negative Zinkpol
dem untern See; der Verbindungsdraht entspricht dem Kanal,
ie Kraft zwischen Zink und Säure der durch, Maschinenkraft
irbeitenden Pumpe, während endlich die Flüssigkeit zwischen den
beiden Platten
dem die Seen
verbindenden
Pumprohr ana⸗
og ist. — Fra⸗
gen wir nun,
vie entsteht hier
eigentlich der
elektrische
Strom, so müs—⸗
sen wir unser
Augenmerk dem
chemischen Vor⸗
gang im Becher⸗
Ilas zuwenden.
die verdünnte
Schwefelsäure
zersetzt das Zink
ind wird dabei
elbst verbraucht
zur Bildung ei—
nes ganz neuen
Körpers, des
Zinkvitriols,
welcher sich in
der Flüssigkeit
auflöst. Wie
Holz im Ofen
—
Wärme spendet,
so verbrennt hier
das Zink, ein
Vorgang, bei
welchem, wie
ins die Berührung des Glases mit der Hand lehrt, eben—
alls Wärme frei wird. Ein großer Teil derselben erfährt
iber bei unserer Einrichtung eine Umwandlung in der Art,
haß sie zur Erzeugung und Erhaltung des vorhin beschriebenen
lektrischen Zustandes im Apparat verbraucht wird. Der
lektrische Strom entsteht demnach hier auf Kosten des Zinks
ind der Schwefelsäure, denn das Platin erhält sich vollständig
mverändert. Zu Ehren Galvanis, welcher 1789 eine Ent—
eckung machte, deren weitere Verfolgung durch Volta zur
Auffindung unseres Apparates führte, heißt er ein galvanisches
Flement.“ Zu einem solchen sind also nur ein Becherglas,
rner zwei Platten aus verschiedenem Metall, sowie eine
zlüssigkeit erforderlich, welche die eine der beiden Platten an—
reift. Will man däs Element in Thätigkeit setzen, so müssen
ie beiden freien Plattenenden oder die zwei Pole mit, einem
Schließungsdraht verbunden werden; dann fließt der elektrische
Strom vom pofitiven Pol durch den Draht zum negativen und
son diesem durch die Flüssigkeit zurück. Eine Unterbrechung
er metallischen Leitung an irgend einer Stelle bewirkt ein
ofortiges Aufhören des Stromes, der dann nach beliebig langer
Zeit wieder zu fließen beginnt, sobald und solang die Leitung
son neuem geschlossen wird. Fortsetzung folgt.'
Jestsaal.
Photographische Aufnahme aus der II. Internationalen Gemälde⸗Ausstellung zu Stuttgart.