Volltext : Das neue Weltbild nach dem Niedergang der mechanischen Naturauffassung am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends

Was nun die stoffliche Beschaffenheit der Weltkörper unseres
Sonnensystems betrifft, so bestehen sie insgesamt aus den elemen—
taren Grundstoffen, welche die Chemie aufzeigt, wobei dem einen
Weltkörper Elemente fehlen können, die der andere aufweist. Neben
den Unterschieden ihrer Größe, ihrer Masse, ihrer Dichte und ihrer
Bahnbewegungen unterscheiden sie sich sehr durch den Stand ihrer
Entwicklung. Man nimmt gewöhnlich mit Kant und Laplace an,
daß die Planeten von der Sonne abstammen, also einstmals zu
dem Bestande der Sonnenmasse selbst gehört haben. Unser Sonnen—
system bildete demnach ursprünglich eine ungeheure mit Stoff in
verdünntester Form erfüllte Nebelkugel, deren Grenzen noch weit
über den heutigen Durchmesser des Systems hinausreichten. Durch
zunehmende Konzentrierung verringerte sich stetig der Durchmesser
dieser Kugel, dazu wurden Massen von ihr abgeschnürt oder abge—
worfen, welche die Planeten bildeten und ihrerseits wieder die welt⸗
körpersetzende Tätigkeit der Sonne fortsetzten und Massen abwarfen,
aus denen die Monde hervorgingen. Man stellt sich die abgeworfe—
nen Massen zunächst als ringförmige Gebilde vor, wie den Ring oder
besser das Ringsystem, das der Saturn aufweist, das den früheren
Astronomen so große Rätsel aufgab, indem es ihnen als Henkel an
den beiden Seiten des Planeten erschien. Aus diesen ringförmigen
Massen ballten sich dann die Planeten und Monde. Die Erde und
die übrigen Planeten sind also Kinder einer Stammutter, der
Sonne, wenn auch verschiedenaltrige und verschiedengeartete. Die
Zeiten, in denen diese Entwicklungsvorgänge sich abspielten, oder
das Alter der Weltkörper zählt man nach vielen Millionen von Jah—
ren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß die Planeten als
selbständige Massenzentren in einem kosmischen Nebel unter Mit—
wirkung katastrophenartiger Vorgänge sich gebildet haben.
Von den äußersten Planeten unseres Systems wissen wir zu
wenig, um sie bestimmt charakterisieren zu können. Der Jupiter,
der gewaltigste unter den Planeten, 212 mal so groß als die Masse
aller übrigen Planeten zusammengenommen, und der Saturn, der
zweitgrößte Sprößling der Sonne, mit seinem einzigartigen Ring—
system, beide im mehrfachen Besitz von Monden, von denen die
des Jupiter den kleineren Planeten an Größe nahekommen, bil—
den geradezu wieder kleinere Systeme innerhalb des großen. Dabei
scheint der Jupiter noch nicht allseitig zur Bildung einer festen
Rinde fortgeschritten zu sein. Den vier äußeren Planeten gemein⸗
sam ist ihre geringe Dichtigkeit. Der Erde am nächsten in seiner
ganzen Konstitution steht als älterer Bruder der Mars, auf dem,
soweit unsere Kenntnis reicht, der Annahme der Entfaltung orga⸗
nischen Lebens nichts im Wege steht. Den zwei jüngsten Spröß⸗
lingen der Sonne, dem Merkur und selbst der Venus, wurde vor
            
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