Volltext : Das neue Weltbild nach dem Niedergang der mechanischen Naturauffassung am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends

nicht allzulanger Zeit selbst der planetarische Charakter abgespro—
chen, indem dieselben als Sonnenmonde erklärt wurden; über
Leben auf ihnen wissen wir nichts.
Die Sonne selbst, der Zentralkörper und die Stammutter
unseres ganzen Systems, ist eine ungeheure Kugel von glühenden
Gasen, von welcher wir nur die Atmosphäre sehen, die der Haupt—
sache nach aus Wasserstoff und Metalldämpfen in glühendem Zu—
stande besteht. Wie in der Erdatmosphäre die Wolken schweben, so
schwebt in der glühenden Sonnenatmosphäre durchweg eine glü—
hende Wolkenschicht, und diese glühende Wolkenschicht ist es, welche
das Sonnenlicht aussendet. Durch die Sonnenatmosphäre müssen
die Lichtstrahlen der Wolkenschicht dringen, um zu uns zu gelan—
gen, und erleiden dabei eine Abschwächung um etwa die Hälfte
hres Betrages. Die Sonnenatmosphäre oberhalb der lichtaus—
sendenden Wolkenschichte besteht im wesentlichen aus dem leichten
Wasserstoff und aus Helium, einem auf der Erde sehr seltenen
Elemente. In dieser äußeren Schichte sind die glühenden Gase
jehr verdünnt und strömen mit enormen Geschwindigkeiten unter
Bildung mannigfacher Formen weithin in die Sonnenumgebung
aus. Bekränzt ist die Sonnenatmosphäre von einer zeitweise enorm
ausgedehnten strahlenden Schichte, mutmaßlich aus einem noch
wenig bekannten Gase, dem vorgenannten Helium, bestehend, in
dem sich zahllose glühende Meteorkörperchen bewegen. Nach dem
Kern der Sonne zu steigt die Temperatur über 6000 Grad Celsius
und der Gasdruck wächst ins Ungeheure, so daß man wohl berech—
tigt ist, den Kern der Sonne als dem Glutflüssigen sich nähernd
anzunehmen. Wegen der gewaltigen Masse der Sonne wirkt die
Schwerkraft auch gewaltig auf der Sonne, nämlich 271/2mal stär⸗
ker als auf der Erde.
Auch der Glutball der Sonne wird sich allmählich abkühlen,
jedoch ist diese Abnahme der Sonnentemperatur tatsächlich eine
ganz unmerkliche, indem, wie man annimmt, durch die zunehmende
sonzentrierung und Zusammenziehung der Sonnenmaterie der
durch die Sonnenstrahlung bedingte Wärmeverlust ausgeglichen
wird. Die Sonne wird also noch Millionen von Jahren ihre leben⸗
erhaltende Strahlung spenden, bis auch sie ihren sonnenhaften Cha—
rakter verliert, was von den schwerwiegendsten Folgen für alles
Leben im Bereiche unseres Sonnensystems werden muß. Als
Typus eines starren, öden Weltkörpers ohne organisches Leben gilt
heute schon unser Mond.
Die Masse der Sonne ist den Massen der Planeten gegenüber
überwältigend groß. Sie beträgt das 748fache aller Planeten—
massen zusammengenommen und das rund 325000fache der Erd⸗
masse. Wie punktförmig klein ist unsere Erde zur Sonne! Und
            
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