Volltext : Das neue Weltbild nach dem Niedergang der mechanischen Naturauffassung am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends

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Bildung der Zelle, und machte sie aber auch notwendig, um den
Erwerb an Enzymen und Psychonenkonjunktionen geordnet fest—
zuhalten. Diese Erfahrungen und Erinnerungen, wenn es erlaubt
ist, den menschlichen Standpunkt auf die Zelle zu übertragen, bilden
materiell und vielfach im Kern deponiert den Hauptteil der Ver—
erbungssubstanz. Der Gedanke Eimers (Tübingen), den Kern mit
dem nervösen Zentralorgan in Parallele zu setzen, war daher, wenn
auch im einzelnen anfechtbar, in seiner Grundidee dennoch richtig,
und eine Reihe hervorragender Forscher schreiben dem Kern die Ver—
erbungsstoffe zu, welche der Entstehung der spezifischen Art zugrunde
liegen. Nun steht die Tatsache fest, daß weder das Protoplasma
ohne Zellkern noch der Zellkern ohne Protoplasma für sich allein
lebensfähig ist. Zellkern und Protoplasma stehen in derartiger
Wechselwirkung, daß beide vereint zum Leben der Zelle notwendig
sind. Auch können kernlose Protoplasmastücke noch einige Zeit
die gewohnten Bewegungen ausführen, jedoch nicht mehr assimi—⸗
lieren. Aber wir werden immer wieder darauf hingewiesen, daß,
wenn auch Zellkern und Protoplasma in unlösbarer Wechselwirkung
stehen, dessen unbeschadet der Kern das höhere, das zentrale Organ
vorstellt, wie das Hirn gegenüber dem Rumpfe, wie das Herz
gegenüber den Gefäßen. Da wir heutzutage keine zellenlose
lebende Substanz mehr kennen, so können wir annehmen, daß alle
organisationsfähige Substanz des zellenlosen Zeitalters von der
Zelle aufgesaugt worden und als solche ausgestorben ist, in der
gleichen Weise wie ganze Tierarten verschwunden sind.
Es wird die Aufgabe der künftigen Wissenschaft vom Leben
sein, neben dem Mechanismus und Chemismus auch die verborgenen
psychischen Energien in ihr Recht einzusetzen, da diese Energien
als tiefste Ursache aller Differenzierung nach Form und Funktion,
mit einem Worte aller organischen Entwicklung zugrunde liegen
und den Kern und Stern derselben bilden. Festgelegt ist die innere
Anlage, die Entwicklungsrichtung des Keimes; die Entwicklung wird
ausgelöst durch den Anstoß der äußeren Einwirkungen des Milieus;
die äußeren Verhältnisse können die Anlage fördern und hemmen
und modifizieren, aber sie können dieselbe niemals ersetzen.

Das Wesen Gottes.

Gewiß ist es richtig, daß nur ein Wahnsinniger die Existenz
Gottes leugnet, aber ebenso richtig ist es, daß alle unsere Vor—
stellungen von Gott nur unzureichende Anthropomorphismen (Ver—
menschlichungen) sind, daß also das von uns als Gott vorgestellte in
            
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