Volltext : Das neue Weltbild nach dem Niedergang der mechanischen Naturauffassung am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends

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Sonnensysteme und halten damit den ahnungsvollen Eindruck der
stillen Majestät zusammen, welchen der nächtliche Sternenhimmel,
vwie auch Kant fand, auf jedes unverdorbene Gemüt macht, so ge⸗
winnen wir unwillkürlich den freundlichen Eindruck eines unermeß—
lichen Reichtums und einer unergründlichen Fülle von beziehungs—
pollem, allumfassendem Leben und Weben in der Natur, das uns
umgibt. Betrachten wir aber die Sache in rein rechnender Weise,
so gähnt uns der dunkle Weltraum, das Nichts entgegen, in dessen
schrecklicher Ode und Leere die durch unvorstellbare Entfernungen
honeinander getrennten Gestirne sich verlieren und mit allem, was
auf ihnen lebt und webt, in ein punktförmiges Nichts verschlungen
sind. Diese niederdrückende Vorstellungsweise erfährt aber die zu—
gehörige Korrektur durch die Erkenntnis, deren nähere Begründung
spaͤter folgt, daß der Weltraum in Wirklichkeit nicht leer, sondern von
Materie erfüllt ist, und daß der scheinbar leere Raum und die Welt—
körper in ihm ein untrennbar zusammenhängendes Ganzes, einen
einheitlichen Mechanismus bilden, der befähigt ist, organisches Leben
zu erzeugen, und der als Erzeuger von organischem Leben sich selbst
als ein lebendiger Organismus erweist.

Stoff und Kraft.

Von dem Blick in ferne Welten wenden wir uns zur Betrach—
tung des Nächstliegenden, nämlich unserer Erde. Sie baut sich auf
aus Stoff verschiedener Art, und an diesem Stoff nehmen wir die
Wirkungen verschiedener Kräfte wahr. Mit der Zusammensetzung
des Stoffes beschäftigt sich die Chemie, indem sie einerseits den
Stoff bis in seine letzten Grundbestandteile zerlegt, andrerseits ver⸗
schiedenartige Stoffe zu andern Stoffgebilden mit andern Eigen⸗
schaften verbindet. Von den Anderungen dagegen, welche in der
ãußeren Körperwelt in Erscheinung treten, handelt die Physik, in⸗
dem sie uns diese Anderungen durch die bewegenden Kräfte der
Mechanik und Akustik, der Wärme und des Lichtes, des Maanetis⸗
mus und der Elektrizität erklärt.
Denkt man sich einen konsistenten Stoff durch immer weiter
gehende Zerkleinerung zerlegt, so stößt man dabei schließlich auf
Endteilchen, welche sich nicht mehr weiter zerkleinern lassen, ohne
daß der Stoff seinen ursprünglichen Charakter verliert; man nennt
diese Endteilchen Moleküle (vom lat. molecula, das Masseteilchen).
Die chemischen Vorgänge weisen aber darauf hin, daß das Molekül
selbst wieder in den meisten Fällen ein zusammengesetztes Wesen
            
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