Volltext : Das neue Weltbild nach dem Niedergang der mechanischen Naturauffassung am Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends

Vorwort.

Faoturusne operae pretium simꝰ? Ob mein Unternehmen der
Mühe wert ist, habe ich mich mit dem römischen Schriftsteller Livius
gefragt, angesichts der literarischen Uberproduktion der Gegenwart
und in einer Zeit, der man nachsagt, daß sie nur wägbare Güter zu
schätzen wisse. Allein bei aller Fülle schriftstellerischer Behandlung
der einzelnen Wissenszweige herrscht ein erheblicher Mangel au
solchen Veröffentlichungen, welche eine Zusammenfassung der
wesentlichen Errungenschaften der gesamten Natur- und Geistes—
wissenschaften zu einem umfassenden Weltbilde sich angelegen sein
lassen. Die Zeit ferner hielt ich zu einer Darstellung des neuen Welt—
bildes um so geeigneter, weil wir an einem bedeutsamen geschicht—
lichen Wendepunkte stehen. Unaufhaltsam, wenn auch zunächst nur
dem aufmerksamen Beobachter erkennbar, vollzieht sich in unseren
Tagen der Zusammenbruch der mechanistischen Naturauffassung,
welche jahrzehntelang die Führerrolle in der Naturwissenschaft inne
hatte, und macht die Bahn für das Kommende frei. Dazu geht ein
Gefühl des innerlichen Unbefriedigtseins, ein tiefes Sehnen nach
Wahrheit durch weite Kreise der gebildeten Welt, ein beharrlicher
Wille zur Erkenntnis über die Grundfragen menschlichen Daseins.
Aber der einzelne hat meist weder die Zeit noch die Kraft, sich durch
das unabsehbare Material durchzuarbeiten, welches der Bienenfleiß
der Forscher zusammengetragen hat, und sich mit den verschieden—
artigen Wissensgebieten in dem Maße vertraut zu machen, als es
zu solch umfassendem Zwecke notwendig ist. So geht das Menschen—
leben dahin, und sein Wissen bleibt ein Stückwerk von Grund aus.
Eine Anderung dieses Zustandes anzubahnen, ist der Zweck
dieser Arbeit, und darin findet die Gewissensfrage des Römers ihre
Erledigung. In den Grundfragen des Menschenlebens soll kein
Stückwerk mehr gelten, sondern ein lückenlos gefügtes Weltbild an—
gestrebt werden; es bleibt genug und übergenug Stückwerk in den
speziellen Fragen übrig. Ein solches abgerundetes Ganzes bietet sich
hiermit dem Leser dar; ein Ganzes, sofern es alle hierher gehörigen
Gebiete umfaßt, wie nicht minder ein Ganzes, sofern es aus e inem
Gusse ist. Es soll dem Leser zwar nicht das Nachdenken, wohl aber
die Mühe vieler Jahre abnehmen und ihm ein Weltbild über—
            
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