Full text : Stadtbaukunst (Jhg. 12, 1931)

A
BEGRÜNDET V. PROFESSOR BRUNO MÖHRING / HERAUSGEBER: GEHEIMRAT PROFESSOR
Dr. CORNELIUS GURLITT / SCHRIFTLEITUNG: REG.-BAUMEISTER a. D. WALTER LEHWESS

DY

MM.

Ihre ständige Mitarbeiterschaft haben zugesagt die Herren: Stadtbaudirektor FRITZ BEHRENDT, Breslau; Reg.-Baurat E. BOERSCHMANN, Wilmersdorf.
zeh. Regierungsrat Prof. Dr.-Ing. BRIX, Charlottenburg; Ministerialdirektor Dr.-Ing. EHMIG, Schwerin; Geh. Baurat Prof, Dr. E. GENZMER, Radebeul-Dresden;
 Architekt HENRY GROSS, Charlottenburg; Pro£ Dr, Sf HEILIGEN THAL, Karlsruhe; Architekt FRITZ HÖGER, Hamburg; Baurat a. D.
ALEXANDER KLEIN, Wilmersdorf; Baurat Dr. Ing. HUGO KOCH, Nerchau; Mag.-Oberbaurat KOEPPEN, Hermsdorf; Architekt Ci LÖRCHER,
Obarlottenburg; Or Dr.-Ing. MACKOWSKY, Leipzig; Architekt JOS, RINGS, Essen; Prof. SIEGFRIED SITTE, Wien; Geh. Oberbaurat
 Dr.-Ing, J. STUBBEN. Münster; Reg.-Baudirektor WALDO WENZEL, Dresden; Stadtbaurat PAUL WOLF, Dresden.

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Ciefbau / Mitteilungen der Freien Deutschen Akademie des Städtebaues

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Duft

; CinAthaukunst / Die farbige Stadt / Merkur-Buchhandlung Dr. Ekkehart Staritz & Co.
«st>anburger Str. 12 Fernruf: J 1 Bismarck 5994 . Postscheckkonte: Berlin 20316
20. Mai 1931

AUS DEM INHALT: =

W. Nöldechen: Der Städtebau in der kommunalen
 Verwaltung . ... 2
C.Ch.Lörcher: Ist Stambul eine sterbende Stadt
Walter Lehweß: Städtebau und Landesplanung
in England ...

Seite

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16

18

Niederschrift der Sitzung der Nordwestlichen
Arbeitsgemeinschaft der Freien Deutschen
Akademie des Städtebaues am 21. 1. 1931
im Rathaus zu Bochum. .....

Seite

260

Der Städtebau in der kommunalen Verwaltung
Von Dipl.-Ins. W. Nöldechen, Planungsingenieur in Saarbrücken

Der Begriff des „Städtebaues‘ hat sich erheblich
 gewandelt, und wenn man versucht, ihn
genauer zu umschreiben, so kommt man etwa
zu folgender Fassung: „Städtebauistdie
Gesamtheit der technischen Maßnahmen,
 unterstützt von entsprechenden
 gesetzlichen Bestimmungen,
 welche die richtige Konstruktiondes
 Stadtkörpers als Arbeitsorganismus
 zum Ziele hat, so daß
erseine Funktionen mit dem bestmöglichen
 Wirkungsgrad eerfüllen
kann. Da die praktische Form solcher technischen
 Maßnahmen fast ausschließlich die
Form der Planung hat — jede städtebauliche
UJeberlegung findet schließlich ihren letzten
wirksamen Niederschlag in der Planung und
Festsetzung von Fluchtlinien und Flächenwidmungen
 und den dazu gehörenden Ortsgesetzen
— so wäre es richtiger, anstatt von Städte bau
von Städte -Planung zu sprechen.
Die „richtige” Konstruktion ergibt sich aus
der Beachtung einer langen und sehr mannigfaltigen
 Reihe von Faktoren, die durchaus nicht
nur technischer Natur sind. „Städtebau“ erweist
 sich damit als ein Grenzgebiet der
Technik, das in seinen praktischen Beziehungen
weit über den Bereich technisch-konstruktiver
Dinge hinaus und bestimmend eingreift in
soziale, politische, geistige Zusammenhänge.
Sein Ziel ist die „Raumordnung‘ der gegenständlichen

 Grundlage von Zivilisation und Kultur,
 und es wirkt sich jede Aenderung bzw. Verjesserung
 dieser Ordnung nach „oben“ im Sozialen,
 Politischen und Geistigen aus (z. B. Verjesserung
 der Wohnkultur durch bessere Pla-1ung),
 wie auch umgekehrt eine Rückwirkung
aus diesen Bereichen auf die Raumordnung vorı1anden
 ist (Boden- und Baurecht und seine Ausegungen
 (Berliner Entschädigungsstreit!), Sitte,
jeistige Bewegungen usw.). Dies zeigt, daß
‚Städtebau‘ auf jeden Fall Angelegenheit einer
universalen technischen Wissenschaftsgruppe
 ist, und nur dort richtig aufgefaßt wird,
wo sie in einem universalistischen Denken begründet
 ist,
Die gegenwärtige Stellung und Organisationsform
 des technischen Planungs- und Ordıungsgedankens
 „Städtebau“ in der kommuıalen
 Bauverwaltung leidet unter den Zufälligseiten
 der geschichtlichen Entwicklung und entspricht
 weder den drängenden Aufgaben der
Zegenwart und Zukunft, noch auch dem dieser
Arbeit vorangestellten Versuch einer neuen Besriffsbestimmung.
 — Dem plötzlichen Anwachsen
 der Städte im vorigen Jahrhundert
stand man zunächst im Sinne heutiger Auffassung
 verständnislos gegenüber; die liberale
Wirtschaftsauffassung begnügte sich mit dem
geringsten Maß an Eingriffen zur Ordnung dieses
wucherischen Wachstums, Als die größten
Möslichkeiten dieses gewaltigen Aufschwungs

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