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"5-Sitzung
am 7. Oktober 1931 im Sitzungszimmer der DG{fB. in Berlin NW. Dorotheensir. 40
Anwesend: Der Präsident: Herr Schmidt, Essen;
die Herren: Adler, Bräuning, Brix, Brodersen,
Delius, Ehlgötz, Fischer, Fritsch,
Groß, Grummel, Jürgensen, Köppen, Lang,
Lehweß, Lörcher, Platz (Mannheim), Runge,
Stüber, v. Walthausen; ferner in Vertretung des
Herrn Giese Herr Petter, des Herrn Paulsen
Herr Maison, für Herrn Mebes Herr Emmerich;
als Gäste: die Herren: Ahrends, Albrecht (Pr.
Landwirtschaftsministerium), Baum, Busch (DGfB,),
Christman, Erhard Fischer, Engler, Karutz
(Landw. Minist.), Kluge, Johannes Krüger, Müller-Haccius,
Pfannschmidt, Richter, Schröder,
Vetterlein (Niedersächs. Arb.-Gem.), Engert
(ADAC.). Vorsitz: zuerst Herr Können: snäter Herr
Schmidt
An-an
1. Geschäftliche Mitteilungen,
2. Zur Fortführung des Gedankenaustausches über
das Siedlungs- und Arbeitsbeschaffungsproblem
wird die Diskussion durch
einen Vortrag des
Herrn Regierungs- und Kulturrats Dr. Karutz
aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Domänen
und Forsten eröffnet, dessen Thema heißt:
„Ländliche Siedlung zur wirtschaftlichen Versorgung‘.
„Durchgangs- und Umgehungsstraßen in Groß-Berlin’
(Berichterstatter: Herr Lehweßl
Verschiedenes,
l. Nach Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden
legt Herr Lehweß eine Schrift vor: Thüringisches
Baurecht von Oberregierungsrat Diez und
Regierungsrat Sommer, Weimar, und weist auf einen
Vortrag hin, den Herr Prof, Vetterlein aus Hannover
am Freitag, den 9. d. M., im Saal der Pfandbriefanstalt
zum Thema der ‚Frwerhelnsensiedlung‘ halten
wird,
2. Herr Dr. Karutz spricht über: „Ländliche
Siedlung zur wirtschaftlichen Versorgung”,
Er begrüßt im allgemeinen den Gedanken der Stadtrandsiedlung,
hält aber doch die volle Bauernsiedlung für
die vordringlichere Aufgabe; nur durch sie können allmählich
die Arbeitslosen wieder beschäftigt werden, Freilich
müssen wir die Ansprüche an Ausstattung heute sehr
zurückschrauben, aber nur an die der einzelnen Siedlerstellen,
nicht an die der Gesamtsiedlung mit Wegen,
Wasser, elektr. Strom usw. — (Der Vortrag wird ausführlicher
in der „Stadtbaukunst” veröffentlicht werden.)
In der Aussprache betonte Herr Runge, daß die
Privatwirtschaft schon lange erfolgreich „Stadtrandsiedlung‘”
betreibe. Es müsse nur die Landesplanung
ein planvolleres Siedeln ermöglichen und das Siedeln
an ungeeigneten Orten verhindern.
Herr Schmidt führte aus, daß niemals die Städte
sich für die ländlichen Probleme interessieren würden,
Ylie Tandkreise missen es tun. Beim Entstehen der
leutschen Industrie wurde der Rottenbesitzer Berömunn,
Allmählich wurde dies System verlassen. Aber noch
ıaben wir geeignete Leute zum Siedeln, in der nächsten
Zeneration vielleicht nicht mehr. Vorbedingung sei:
»illiges Land zu bekommen und die Tariflöhne für die
Sediungsarbeiten aufzuheben,
Sodann spricht Herr Lörcher für die Kleinbauernıcdlung,
die bei richtiger Anpassung der Gebäude an
lie veränderten Verhältnisse dürchaus lebensfähig sei.
Herr Brix berichtet über eine ganz primitive Siedung
bei Altena, die er gesehen habe, und die er als
Muster für die Stadtrandsiedlung hinstellt, worauf Hırr
Schmidt noch einmal die größte Einfachheit in den
Siedlungen fordert. (Vergleich mit Gandhi.) Mit Hilfe
der Hauszinssteuer seien die Anforderungen an die
Wohnungen überspannt worden, die Hauszinssteuer miss?
iberhaupt fallen,
Herr Ahrends meint, daß die von Herrn Runge
jeschilderte Parzellierungstätigkeit nur einen kleinen
Spitzenanteil der Erwerbslosen erfassen könne, solche
nit etwas Eigenkapital: dann schildert er eine Versuchsjedlung
für 23 Erwerbslose mit Selbsthilfe, die er alıne
Zinschaltung von Bauunternehmern bearbeitet und verangt,
daß die Baupnlizei nicht durch die Amtsvorsteher
‚esorgt werde; in der Stadtrandsiedlung sei die Komjetenzfrage
noch ganz unentschieden,
Herr Schmidt weist darauf hin, daß man von
ler „Aussiedlung‘*‘ der Industrie nicht allzuviel für die
Ansiedlung von Arbeitern erwarten dürfe, da die neuen
7abriken mit sehr geringer Arbeiterzahl auskommen.
Jur die Rückkehr zum Boden kann helfen.
3egenüber Herrn Ahrends betont er, daß ein lat-‚räftiger
Unternehmer mehr schaffe als Behörden. Alle
Vege müßten beschritten werden. In bezug auf die
Siedlungsform ist er dafür, die Häuser zusammenzuhanen
ınd die Felder getrennt davon auszuweisen.
Herr Groß führt aus, daß die Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit allein durch Bauernsiedlung zu lande
lauern würde. Man müsse dafür sorgen, daß die Hundertausende,
die um Berlin herum Gartenparzellen besitzen,
ich auf diesen ansiedeln können, Schließlich warnt er
‚or übertriebener Sparsamkeit. die oft die größte Verchwendung
sei.
Herr Oberregierungsrat Albrecht setzt sich für
Xleinsiedlungen von etwa 800 qm Gartenland und 1 bis
% Morgen Reserveland ein (neben der Bauernsiedlung),
ınd Herr Regierungsrat Fritsch verlangt als Voryedingung
für die Stadtrandsiedlung Verkürzung
ler gewerblichen Arbeitszeit. Erst Arbeit.
l{ann Stadtrandsiedlung!
Nachdem Herr Runge und Herr Lörcher noch
Zerichtigungen zu ihren früheren Ausführungen gemacht
yaben, und Herr Dr. Karutz in einem Schlußwort
10ch einmal die Bedeutung der ländlichen Vollsiedlung
‚etont hat, durch die in 5 Jahren 50 Prozent der dauernd
Arbeitslosen untergebracht werden könnten, faßt Herr
Schmidt das Ergebnis der Besprechung sn zusammen!