3. Auguff 1924_
STADTBE
‚ST
ALTER UND NEUER ZEIT
Halbmonafsichriff - Herausgegeben von
Cornelius Gurlift und Bruno Möhring
Heft 9 / 1921 * Schriftleitung: Walter Lehwess * Bezugspreis: 15 M. vierteljährlich
Einzelpreis: 3,00 Mark das Heft
Der Zirkel“, Architekturverlag‘ G. m. b. H., Berlin W. Wilhelmstraße 48
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BRESLAU
Von KURT LANGER, Breslau
mit Abbildungen nach eigenen Zeichnungen des Verfassers
Die Ausschreibung eines Ideen-Wettbewerbes
zur Erlangung eines Bebauungsplanes der Stadt
Breslau und ‚ihrer Vororte ist wohl die größte
städtebauliche Aufgabe, welche z. Zt. dem deutschen
Architekten gestellt wird und schließt sich den
Wettbewerben von Berlin, Düsseldorf und Köln
entsprechend an. Mehr denn je ist hier Stadtbaukunst
alter und neuer Zeit mit einander verwoben.
Schon in der ältesten Zeit war die Anlage einer
Ansiedlung gegeben, da hier sich die breite Oder,
bei der Einmündung der Ohlau in mehrere Arme
teilte und die so entstandenen Inseln einerseits
einen bequemeren Flußübergang boten, andererseits
auch die Verteidigung erleichterten.
Die früheste Stadtanlage dürfte keinerlei höhere
leitende Gesichtspunkte, als das augenblickliche
Bedürfnis gekannt haben, während seit der ersten
geschichtlichen Erwähnung Breslaus (1000) die
Dominsel die Form des slawischen Ründlings mit
der Kirche in der Mitte aufwies. Diesem wohl
hölzernen Dom folgte um 1150 ein steinerner romanischer,
der Vorläuter des jetzigen, aus gotischer
Zeit. Daneben befanden sich noch verschiedene
polnische und deutsche Klostergründungen und, um
St. Adalbert geschart, die Ansiedlung der Deutschen
(vermutlich aus Thüringen), die um 1200 ein
steinernes Kaufhaus und einen Marktplatz in der
Nähe der Sandbrücke besaßen. 1241 flüchteten die
Bewohner vor dem Mongolensturm auf die Dominsel
und die hölzernen Häuser der Stadt auf der
linken Oderseite gingen in Flammen auf,
Nach der Niederlage der Mongolen bei Wahlstatt
setzte nach vermehrter Einwanderung deutscher
Kolonisten die Gründung einer neuen Stadt mit
rein germanischem Gepräge ein, die wohl als eines
der glänzendsten Beispiele einer weitschauenden
ınd großzügigen Städtegründung des Mittelalters
ıngesehen werden kann und Vorbild für die ostıIbischen
Kolonialstadtgrundrisse wurde.
Diese Anlage ist auf dem hier abgebildeten Plan
Jer heutigen Inneren Stadt klar erkennbar. Mit dem
Strom als Basis, trotz herzoglichen und kirchlichen
3Zesitzes, erstreckt sich die neue Stadt halbkreisörmig
bis zu dem heute Ohle benannten Ring-;traßenzug,
der vielleicht schon damals den zweiten
iußeren Befestigungsgürtel in der Linie des noch
etzt bestehenden Stadtgrabens parallellaufend vorrelagert
hatte.
Von etwa 1330 an, als der Zwischenraum inner-1alb
der beiden Befestigungslinien, der wachsenden
Zevölkerung entsprechend anstelle der früheren
3ärten mit Wohnhäusern besetzt wurde, begann
lie Errichtung der neuen Festungsmauer mit etwa
50 Toren und Türmen.
Während innerhalb des ersten Ringes die Bau-»löcke
in planvoller Art schachbrettartig aufgeteilt
;ind, enthält der „Zwischenraum“ eine mehr „gevordene“
Aufteilung. Den Mittelpunkt der danaligen
Stadt bildete, genau noch wie heut der
zroße Marktplatz, der, wie überall in Schlesien.
Ring“ genannt wird.
Da, wo sich die große Heeresstraße, welche
ron der Ostsee bis zur Adria führt und diejenige,
velche .die Niederlande mit Polen und Ungarn
‚erband, kreuzten, entstand der Ring in Abmessungen,
lie derart sind (3,7 ha), daß sie den heutigen
zroßstädtischen Verhältnissen noch genügen, und
‚eigen, welche gewaltige Handelsstadt Breslau
schon. im Mittelalter war. Die Mitte dieses gewaltigen
Platzes ist für die Öffentlichen Gebäude
vorgesehen, die Straßen führen, wie allenthalben in
sstdeutschen Städten nie üher den Platz. sondern