STADTBAUKUNST
ALTER UND NEUER ZEIT
Halbmonafsfchriff * Herausgegeben von
€ 28 Gurliff und Bruno Möhring
Heft 11 / 1921
eitung: Walter Lehwess * Bezugspreis: 15 M. vierteljährlich
„inzelpreis: 3,00 Mark das Heft
„Der Zirkel“, Architekturverlag G. m. b. H.,, Berlin W, Wilhelmstraße 48
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DER GEDANKE DES EVANGELISCHEN KIRCHENBAUES
Vielleicht
scheint es
manchem
heute nicht
zeitgemäß,
über Kirchenbau
zu Schreiben.
„Volkshaus“
heißt
heute die Losung;
das
Volkshaus soll
werden, was
die Kirchedem
Mittelalter
war, es soll
alle Stände
and Klassen
Anfang dadurch
behindert,
daß die
Protestanten
eine große
Anzahl früher
katholischer
Kirchen übernahmen
und
zunächst nur
wenig für ihre
Zwecke abänderten.
Bald
aber merkten
sie, daß die
Längs- oder
Kreuzform der
mittelalterlichen
Kirche
mit ihrer
mehrfachen
Teilung in einzelne
Schiffe
wenig für sie paßte. Die Reformationszeit, wie die
des Pietismus haben dafür hervorragende Beispiele
zeliefert. Aber immer wieder unterband die Gewohnheit
und das Hängen am Althergehrachten- das
Aufkommen neuer Formen.
Otto March hat diese Verhältnisse in einer
bemerkenswerten Festrede zum Schinkelfest des
Architektenvereins 1904 so schön und klar dargelegt.
jaß ich ihm hier das Wort lassen will:
„Man hört wohl die Auffassung vertreten, auch
von Fachgenossen, die selbst bei der Errichtung
evangelischer Gotteshäuser beteiligt sind, daß
Kirchen des evangelischen und katholischen Bekenntnisses
sich nicht wesentlich voneinander zu
in seinen
Hallen vereinen
und
durch gemeinsame
Arbeit
an gemeinmeinsamem Werk die Geister über den
Alltag erheben, die Klassengegensätze beseitigen.
Aber doch bietet der Kirchenbau für den Architekten
noch immer eine Fülle von Anregungen, und der
evengelische Kirchenbau ganz besonders, weil für
ihn noch nicht eine so erschöpfende, klassische
Lösung gefunden wurde, wie sie für die katholische
Kirche in den mittelalterlichen Domen vorliegt, weil
hier das Werden einer neuen Bauform noch nicht
zum Abschluß gelangt ist.
Die Entwickelung eines selbständigen Bautyps
der evangelischen Kirche, der ihre Besonderheiten
und ihre von der katholischen abweichende Religionsauffassung
klar zum Ausdruck brächte. war im
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Abb. 1. Entwurf zu einer Kirche für Neu-Tempelhof (westlicher Teil des Tempelhofe:
Feldes in Berlin) von Arch. F. Bräuning, Tempelhaf.
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